Manchester Uniteds Trainer Sir Alex Ferguson verfügt über den Sinn eines Pferdehändlers. Seine Mannschaft ist nicht die Beste, aber sie begeistert. Eine Carte Blanche von Daniel Jeandupeux.
Der Autor: Daniel Jeandupeux (62) war Fussballnationaltrainer und -nationalspieler. Er lebt in Le Mans und ist dort Berater des Klubpräsidenten. (Bild: Keystone )
Am 7. Februar, meinem 60. Geburtstag, hätte ich in den Ferien in Rio de Janeiro sein sollen, bevor ich mit meiner Frau nach Parati und Ilha Grande weitergereist wäre. Die Copacabana kenne ich, doch von Parati träume ich noch immer. Denn an meinem Geburtstag sass ich auf der Bank des Le Mans FC in Toulouse. Es war das erste Spiel einer Rettung, die drei Monate dauerte. Es begann mit einem Monat des Vergnügens, der mir erlaubte, mein Wissen aus mir herauszuholen und meine Reflexe zurückzugewinnen. Es folgte ein Monat, der dazu da war, gesunde und dauerhafte Lösungen zu finden. Und schliesslich ein Monat mit kurzen Nächten des Leidens und langen Tagen des Dauerstresses. 30 Tage in der Hölle. Ich war nicht mehr gewohnt, als Horizont des wöchentlichen Lebens nur ein Ziel zu haben: den Sieg. Und das kurze Glück, das ihn begleitet. Leider sind wir der Niederlage und dem schlechten Gefühl, das sie begleitet, zu oft begegnet.
Ein paar Pints zur Erholung?
Wenn ich Alex Ferguson beobachte, denke ich an diese schmerzvolle Phase in meinem Leben. Wie schafft er es, diese Lust, diesen Ehrgeiz, diesen Appetit, diesen Anspruch, diesen Hunger, diese Leidenschaft und diesen Willen beizubehalten? Mit 70 Jahren? Während ich mit meinem Velo kämpfe, um das Altern hinauszuzögern und die Form zu behalten, und während ich Entspannungsübungen mache, um Energie zu sparen, trinkt dann Ferguson lediglich seine paar Pints Bier, um durchzuhalten? Es steht fest: Wir sind nicht alle gleich vor dem Leben und der Gesundheit. Alex ist ein Konzentrat von Testosteron. Ein charismatischer Leader. Ein vulkanischer Sanguiniker, der sich beherrschen kann. Ein kleiner hyperaktiver Schläfer, der in der Lage ist, 18 Stunden am Tag zu arbeiten, jeden Tag (davon bin ich überzeugt).
Alex Ferguson ist auch ein grosser Taktiker. Fähig, präzise und unerbittliche Schlachtpläne auszuarbeiten, in denen er Rooney als Aussenverteidiger spielen lässt (ich habe es mit eigenen Augen gesehen) oder den unberechenbarsten Spielern die Zügel laufen lässt. Er hat Cantona vergöttert. Eric hat sich erkenntlich gezeigt. Alex ist pragmatisch. Er liebt die kreativen Engel, er verteidigt die Dämonen. Der aggressive Roy Keane war während langer Zeit die wichtigste Stütze seines Gebäudes.
Die Vielzahl der Talente von Sir Alex erstaunt. Die Dauer seiner Regentschaft bei den Roten Teufeln (24 Jahre) verblüfft. Sein Palmarès fasziniert. Zwölfmal Meister in England und dreimal in Schottland, fünf Cupsiege in England, vier in Schottland, vier Ligacups in England, einer in Schottland. Dazu zahlreiche internationale Trophäen, zwei Siege in der Champions League, zwei im Cupsieger-Cup. Die Spielqualität seiner Mannschaft begeistert oft, auch wenn sie jene des FC Barcelona nicht erreicht. Die Spielerverpflichtungen in dieser Saison und die Entwicklung seiner Mannschaftsaufstellungen seit der Niederlage im Champions-League-Final gegen Barcelona überraschen und lancieren einen neuen Zyklus. Erneut hat der Manager seinen Sinn eines Pferdehändlers bewiesen. Er hat die verschiedenen Stilarten, Nationalitäten und Preise durcheinandergemischt. Auch wenn Ferguson nicht zögert, viel zu bezahlen, wenn er es als notwendig erachtet (33 Millionen Pfund für Rio Ferdinand, 30 für Berbatov), schafft er es, billigere Varianten zu wählen und sich auf eigene Spieler abzustützen, sportliche Risiken einzugehen. Die überraschend zusammengestellte Mannschaft, die Arsenal mit 8:2 gedemütigt hat, ist das beste Beispiel dafür.
Eine neue, schreckliche United
Nach Nationalitäten: Zu Beginn der Partie standen sechs Engländer auf dem Platz, zusammen mit einem Spanier, einem Nordiren, einem Franzosen, einem Brasilianer und einem Portugiesen. Ein Mexikaner, ein Waliser und ein Südkoreaner wurden eingewechselt. Ein Däne, ein Engländer, ein Brasilianer und ein Bulgare blieben auf der Bank.
Nach Herkunft: Es begannen drei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs, Cleverley, Evans und Welbeck, und acht transferierte Spieler: Degea (21 Millionen Pfund) Smaling (12), Jones (16), Evra (5,5), Young (25), Anderson (18), Nani (12) und Rooney (20). Eingewechselt wurden ein eigener (Giggs) und zwei transferierte Spieler, Chicarito (12) und Park (4). Was ein Total von 62 Millionen Pfund ergibt, die auf dem «Mercato» ausgegeben wurden.
Es ist ein neues Manchester United, das nach Basel fliegt. Es ist noch nicht sehr bekannt, aber schon schrecklich gefährlich.
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Ein guter Bericht. Wer ManUtd nur ein bisschen verfolgt weiss das sich in all den Jahren nichts gross an der Art und Weise von SAF geändert hat. Offensiv Fussball über die Flügel mit schnellen Spielern. Hinten die erfahrenen Türme in der Abwehr und das Team gespickt mit jungen, wilden Spielern die die alten Füchse fordern. Wird schwer für Basel heil aus dem Theater rauszukommen!Antworten