«Es sieht nicht so glücklich aus»
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«Wenn ich Joker bin, dann bin ich ein Joker mit Herz», hatte Eren Derdiyok gesagt, als sich die Schweiz auf den Auswärtsmatch in Lettland vorbereitete. Derdiyok war gestern Joker. Die Schweiz lief einem 1:2 hinterher, als er nach 79 Minuten auf den Rasen durfte. Und als die 80. Minute gekommen war, köpfelte der Stürmer das 2:2 auf Freis Corner. Es war sein erster Ballkontakt des Abends. Und so, wie Hitzfeld am Samstag beim 2:0 gegen die Griechen die Entscheidung mit der Einwechslung der Offensivspieler Vonlanthen und Yakin das 1:0 provoziert hatte. So hatte er gestern wieder ein Händchen.
Seinen 15. Einsatz im Nationalteam hatte Derdiyok gestern. Zum 12. Mal wurde er eingewechselt. Durchgespielt hat er erst zwei Mal (an der EM gegen Portugal und die Türkei). In 494 Einsatzminuten erzielte er gestern seinen zweiten Treffer. Derdiyok war klar gewesen, wie wenig Zeit er hatte, als er an der Seitenlinie bereit stand für den Einsatz. Er hatte sich selbst einen Auftrag erteilt: «Ich wollte ein Tor erzielen und der Mannschaft helfen bei diesem Spielstand.» Er war glücklich und trotzdem unglücklich, als der Match vorbei war und sich das Team vom lauten Schweizer Publikum verabschiedet hatte, weil es sich vorgenommen hatte, in Riga drei Punkte zu gewinnen. «Aber letztlich müssen wir zufrieden sein mit diesem Ende.» Stephan Lichtsteiners Gefühlslage war ähnlich, weil die Mannschaft nach dem 2:2 noch «zwei, drei» Chancen gehabt habe, um den Match zu gewinnen. «Aber nach dem 1:2-Rückstand sind wir froh, noch einen Punkt geholt zu haben.»
«Erfreulich, dass die Moldau half»
Mit einem Sieg hätten die Schweizer Griechenland weiter distanzieren können. Ottmar Hitzfeld fand es wenigstens «sehr erfreulich, dass Moldau half, die Griechen auf Distanz zu halten.» Der eigenen Mannschaft warf Hitzfeld vor, dass sie dem Erwartungsdruck nicht habe standhalten können, dass sie sich zu viele Fehlpässe geleistet und zu oft verstrickt habe. Dass die Schweiz zwischenzeitlich in Rückstand geriet, war für ihn «ein Schock». Positiv aber sei er trotzdem geblieben. «Und unsere Ausgangslage ist nach wie vor gut. Wir sind einen Schritt weitergekommen, müssen uns aber steigern.»
Es habe Spieler gehabt, die nicht ihre 100-prozentige Leistung abgerufen hätten, sagte Hitzfeld auch. Keinen Vorwurf allerdings machte er Goalie Diego Benaglio für das 1:1. «Er kann fast nichts machen, das war ein Flatterball.» Von einem «Flatterball» sprach auch Benaglio. Doch als er die TV-Bilder gesehen hatte, war er nicht mehr nachsichtig mit sich selbst. «Wenn ich es so sehe, sieht es nicht so glücklich aus.»
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.09.2009, 08:23 Uhr
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