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Eren Derdiyok: Die Chance packen

Von Thomas Schifferle, Leverkusen. Aktualisiert am 05.10.2010 3 Kommentare

Der Bundesliga-Stürmer brillierte beim Spiel Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen – und hofft auf eine gute Zukunft im Schweizer Nationalteam.

Eren Derdiyok: Der Stürmer spielt im Klub besser als im Nationalteam.

Eren Derdiyok: Der Stürmer spielt im Klub besser als im Nationalteam.
Bild: Keystone

Jupp Heynckes sagt es, als könnte man vergessen haben, dass er einst ein grosser Stürmer war. «Ich weiss nicht, ob Sie das wissen», erklärt Leverkusens Trainer, «ich habe selbst viele Tore gemacht. Aber so eines nie.»

65 Minuten sitzt Eren Derdiyok am Sonntag auf der Ersatzbank, 65 Minuten eines guten Bundesligaspiels, das gegen Ende immer intensiver wird. 1:2 liegt Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen zurück, weil der Gast innert neun Minuten zweimal getroffen hat. Heynckes zieht in der Not den Trumpf, den Joker, der ihm bleibt: Derdiyok.

Am Samstag hat Derdiyok vom Trainer erfahren, dass er nicht von Anfang an spielt, trotz seiner starken Leistung am Donnerstag in der Europa League auswärts gegen Atlético Madrid. Er nimmt es entspannt auf. «Damit muss man leben, wenn man drei Topstürmer hat», sagt er sich, wobei mit Stefan Kiessling einer wegen eines schweren Bänderrisses noch längere Zeit ausfällt.

«Das war Superklasse»

Derdiyok hat schon oft bewiesen, dass er nicht lange braucht, um nach einer Einwechslung in ein Spiel zu finden. 13 Minuten benötigte er bei seinem Länderspieldebüt im Februar 2008 in England, um sein Tor zu erzielen. In Barcelona in der Champions League mit Basel waren es 12, in Lettland in der WM-Qualifikation gar nur 2 Minuten. Jetzt, gegen Bremen, nimmt er sich vor, der Mannschaft zu helfen. Zwei Zuspiele in die Tiefe bleiben hängen wie ein Querpass fast von der Grundlinie aus. Und dann, sagt er, «bleibt mir nicht mehr viel anderes übrig, als selbst etwas zu machen».

In der 78. Minute erhält er den Ball zugespielt, nimmt ihn elegant aus der Luft, dreht sich und beginnt seine Einlage. Pasanen, Mertesacker, Jensen; Alle versuchen, ihn zu stoppen, er bleibt unbeirrt, schüttelt sie leichtfüssig mit ein, zwei Körperdrehungen ab und bezwingt Bremens Goalie Wiese mit seinem Schuss aus 16 Metern. Später lässt Derdiyok den Satz fallen, die habe er «schön vernascht». Sein Trainer bilanziert euphorisch: «Das war Superklasse, das war perfekt.» Und als wäre damit noch nicht genug, fügt er bei: «Ich habe selten ein so schönes Tor gesehen.»

Für Mönchengladbach und Hannover hatte Heynckes 220 Tore in der Bundesliga erzielt, was ihn hinter Gerd Müller und Klaus Fischer auf Platz 3 in der ewigen Torschützenliste bringt. Damit darf sich Derdiyok nicht vergleichen, wenigstens hat er eine Quote, die stark ist: 15 Treffer in nun 40 Bundesligaspielen. Er zahlt Tor um Tor zurück, was Leverkusen im Sommer 2009 mit der Ablöse von 7 Millionen Franken an Geld und Hoffnung in ihn investiert hat.

Bei Bayer fühlt sich der Basler mit den türkischen Wurzeln wohl, gut aufgehoben, gut integriert. Er sieht sich bestätigt, dass er den richtigen Arbeitsplatz gewählt hat. An Möglichkeiten hatte es ihm nicht gefehlt: Aus Schalke, Hamburg, Hoffenheim, Newcastle, aus Russland und der Türkei, von überall her erhielt er Angebote. Einen «solchen Hype» habe er nie erlebt, sagte damals FCBVizepräsident Bernhard Heusler. Derdiyok selbst fällt dazu ein, er habe eben den grossen Vorteil gehabt, ein Stürmer «mit einem gewissen Potenzial» zu sein.

Die grosse Frage

Innert 20 Monaten hatte es Derdiyok vom 2.-Liga-Stürmer bei den Basler Old Boys über den FCB zum Nationalspieler gebracht. Für die Lehre als Elektromonteur blieb bei diesem Tempo keine Zeit mehr, er brach sie ab. Es ist bei ihm vieles immer schnell gegangen. Er habe eben immer «am richtigen Ort zugeschlagen», sagt er – gegen England, gegen Barcelona, gegen Guimaraes in der Qualifikation zur Champions League, in der U-21, wo er für sieben Tore nur fünf Spiele brauchte.

Beim FC Basel war er der junge Stürmer, der hinter Marco Streller zurückstehen musste. Unter Christian Gross machte er die Hälfte seiner Einsätze, 33 von 63, als Ersatzspieler. In der Nationalmannschaft ist seine Bilanz ähnlich: Bei seinen 27 Länderspielen wurde er 16-mal eingewechselt. Und die entscheidende Frage stellt sich bei ihm, nachdem er für die Schweiz nur zwei Tore erzielte: Warum spielt er für sein Land nicht so gut wie für seinen Klub? Warum ist er mehr so wie zuletzt gegen England und viel weniger wie gegen Spanien?

Hitzfelds öffentliche Kritik

An der WM in Durban war er der Kämpfer, der seine 1,91 m und 92 kg so einsetzte, wie man sich das viel mehr von ihm wünschte. Erst sein furchtloser Einsatz machte das Siegtor durch Gelson Fernandes möglich. Oft aber wirkt er lethargisch, teilnahmslos, oft ist er nicht der Stürmer, der spielerisch und physisch mit Talent gesegnet ist, der am Ball so stark ist wie im Sprint. Dann ist er so wie beim 1:3 gegen England.

Nationalcoach Ottmar Hitzfeld ging nach diesem letzten Match ungewohnt vor und kritisierte gerade Derdiyok öffentlich. Er hielt ihm vor, er müsse sich spielerisch entwickeln, sich mehr einbringen, weil es in seinem Spiel immer wieder einmal eine Pause habe. «Es gibt verschiedene Methoden, um Kritik zu üben», sagt Hitzfeld im Rückblick. «Wichtig ist, dass man die Spieler auch einmal öffentlich anpackt. Ein Gespräch unter vier Augen nützt nicht immer etwas.»

Derdiyok schluckte die Kritik, auch wenn sie ihm im persönlichen Gespräch lieber gewesen wäre. Er war ja selbst mit sich nicht zufrieden. Im Nationalteam tut er sich schwer, ins Spiel zu finden, spürt er, dass es anders ist als im Klub, wo das tägliche Training das Zusammenspiel fördert, dass er nur schwer zu Chancen kommt. So sagt er das. Und lässt eine Selbstkritik durchblicken, die ihm nur helfen kann, wenn sie aus tiefer Überzeugung kommt.

Das Versprechen

«Ich rege mich doch selbst über mich auf», sagt er. Und wenn er auf dem Platz die Hände einmal verwirft, weil etwas nicht geklappt hat, soll das nicht seinen Unmut über einen Mitspieler ausdrücken, sondern für die Unzufriedenheit mit sich selbst stehen. «Ich frage mich dann: Wieso bin ich nicht schneller gerannt? Wieso habe ich den Ball nicht gehabt? Wieso habe ich keine Zeichen gesetzt?»

Am Freitag in Podgorica gegen Montenegro will Hitzfeld im Angriff auf Alex Frei und Marco Streller setzen. Derdiyok bleibt die Ersatzbank. Er kann damit umgehen und reagiert kämpferisch, sagt grundsätzlich, dass er «noch viel Luft nach oben» habe, dass er sich «um 30 Prozent» steigern könne – «auf jeden Fall kann ich das», schiebt er nach. Er will bereit sein, wenn Hitzfeld ihn einsetzt, er will die Chance packen, wenn sie sich ihm bietet. «In den kommenden zwei, drei Spielen werde ich beweisen, dass ich der Nationalmannschaft helfen kann», verspricht er.

Die Stimme ist fest. Die Taten müssen folgen. Dabei könnte man eines fast vergessen: Derdiyok ist erst 22. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2010, 08:11 Uhr

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3 Kommentare

josé bütler

05.10.2010, 11:46 Uhr
Melden

es wäre einen versuch wert mit frei und streller zu beginnen und derdiyok als joker zu bringen. das wichtigste wird sein, dass die schweizer leidenschaftlich und aggressiv zur sache gehen! und, ich wiederhole mich, dass hitzfeld endlich begreift, dass zwei 6er, inler und schwegler, offensiv nichts bewirken. yakin oder costanzo hinter die stürmer und zwei offensive mittelfeldspieler auf den aussen! Antworten


John Luternauer

05.10.2010, 12:46 Uhr
Melden

Die Nationalmanschaft ist ein zusammengewürfelter Haufen. Keine Bindung zwischen den Linien.Kaum ein Pass kommt an. Wie soll sich da ein Stürmer entfalten? Absolut kein System oder eine Spielidee erkennbar. Es wird Bochmist gespielt und das auf technisch tiefen Niveau! Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 23:58
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Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0516:15Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0512:15Federer - Kamke
28.0513:30Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
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