Englands schwieriges Ringen um einen neuen Nationalcoach
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 09.02.2012 4 Kommentare
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Der Ärger des Coaches der Three Lions muss gross gewesen sein. Nachdem Verteidiger-Haudegen John Terry wegen Rassismusvorwürfen ohne sein Wissen vom Englischen Verband (FA) als Captain abgesetzt worden war, hatte Capello die Nase voll und warf gestern das Handtuch. «Man hat mich desavouiert und meine Autorität beschädigt», erklärte der 65-jährige Italiener, der in der Branche bekannt ist für seinen Stolz. «Ich bin überhaupt nicht einverstanden mit der Entscheidung der FA. Das habe ich dem Präsidenten auch gesagt», hatte der Friauler schon am Sonntagabend gegenüber dem italienischen Radiosender RAI UNO gesagt. Dass nun im gestrigen Meeting mit Verbandspräsident David Bernstein und Generalsekretär Alex Horne der frustrierte Südländer seinen Dienst quittierte, war ein Abgang mit Ankündigung.
Capellos Entschluss kommt der FA in finanzieller Hinsicht nicht ganz ungelegen. «Wir haben Fabios Rücktritt akzeptiert», erklärte Bernstein in einer ersten Stellungnahme. Gefolgt von der üblichen Floskel: «Ich möchte betonen, dass sich Fabio während dieses Treffens heute und während der ganzen Zeit als Englands Coach sehr professionell verhalten hat.» Der Italiener war nach dem enttäuschenden Abschneiden der Insulaner an der WM in Südafrika schwer unter Beschuss geraten. Dass Capello die EM-Kampagne noch leiten durfte, lag wohl primär daran, dass es den Verband sehr teuer gekommen wäre, ihn aus dem bis Ende Juni 2012 laufenden Kontrakt vorzeitig zu entlassen. Der renommierte Italiener unterzeichnete einen Vertrag, der ihm jährlich gute 9 Millionen Franken einbringt – eine Summe, die man gewiss nicht mehr mit Pappenstiel bezeichnen kann.
Die Sache mit Harry Redknapp
Der General, wie er hinter vorgehaltener Hand von den Spielern genannt wurde, ist also weg. Schützenhilfe und Verständnis für den Entscheid erhält der Italiener vom grossen Sir Alex Ferguson, der findet, dass «ohne Zweifel die wichtigste Person in einem Fussballverein der Trainer ist».
Viele Journalisten, aber auch der ehemalige Nationalcoach Sven-Göran Eriksson portieren nun den eifrigen Harry Redknapp, den Trainer von Tottenham Hotspur, als Nachfolger. «Er macht einen grossartigen Job bei Tottenham und hat einen grossartigen Job bei allen Klubs gemacht, die er betreut hat», meint der Schwede gegenüber der BBC. Doch der Trainer der Spurs ist – pikanterweise – am Mittwoch von der Anklage auf Steuerhinterziehung freigesprochen worden. Sein Ruf ist trotz des für ihn positiven Urteils in der Öffentlichkeit zumindest leicht angeschlagen.
Schliesslich hat auch Redknapps momentaner Arbeitgeber ein Wörtchen in dieser Sache mitzureden. Das Management der Londoner hat jetzt schon zu verstehen gegeben, dass es keine grosse Lust verspürt, ihren Manager sofort ans Nationalteam freizugeben. Redknapp macht in der Tat eine solide Arbeit bei den Spurs. Die Sache für die FA ist also verzwickter, als man auf den ersten Blick meinen könnte.
Die Personalsorgen werden grösser
Die Zeit drängt in dieser wichtigen Angelegenheit. Am 8. Juni 2012 beginnt die EM-Endrunde in Polen und in der Ukraine, und das «Mutterland des Fussballs» muss einen würdigen Personalchef suchen. Dieser wird es in seinem Job nicht einfach haben, in einem engen Zeitrahmen seine Ideen bei der Landesauswahl umsetzen zu können.
Die Situation rund um die Nationalmannschaft ist auf der Insel alles andere denn entspannt. Die personelle Lage für die Three Lions präsentiert sich insofern als heikel, als dass mit Wayne Rooney der nominell stärkste Stürmer die ersten beiden Partien gegen Frankreich und Schweden verpassen wird. Seine Tätlichkeit und der folgende Ausschluss in der Qualifikationspartie in Montenegro entpuppt sich für die Geschicke der englischen Nationalmannschaft je länger je mehr als ausgesprochen dümmlicher Akt. Die nicht immer sanfte Presse Britanniens bezeichnete den Star als «Idioten» – und genau diese öffentliche Einschätzung wollte der stolze Capello umgehen. Deshalb nahm der Italiener vorzeitig den Hut.
Respekt, Signor Capello. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 09.02.2012, 13:29 Uhr
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4 Kommentare
der englischen nationalmannschaft könnte der weltbeste manager vor die nase gesetzt werden: es würde nichts passieren. der manager ist nur so gut, wie die spieler, mit denen er arbeitet. bekanntlich schaffen es englische nationalspieler nicht (oder sehr selten), sich in einer anderen als der einheimischen liga durchzusetzen. ihnen fehlt als team das heute notwendige technische/taktische können. Antworten
Und es bleibt so ... mit Capello hätte die sonst wie immer trophäenarme und sieglose englische Nationalmannschaft eine kleine Chance für einen Titel gehabt ... Capello hat in all seinen Trainerstationen Erfolg gehabt, auch wenn er nie richtig "geliebt" wurde ... jetzt hat sich ein Titelkandidat gleich selber aus dem Spiel genommen! Antworten
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