Eine Frage der Optik
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 29.10.2011 10 Kommentare
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- Treffer aberkannt – YB gegen Xamax endet torlos
- YB-Offensivspieler sind auf dem Prüfstand
- YB ist momentan der «ruhigste» Super-League-Vertreter
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Vieles ist eine Frage der Optik, im Leben wie im Fussball. Man kann die YB-Lage also realistisch sehen (manche meinen: man kann sie schönfärben) und behaupten, die Young Boys würden ja als Vierte in der Spitzengruppe rangieren – und 12 Gegentore in 13 Ligapartien seien ein respektabler Wert. Die Defensive mag stabilisiert worden sein, aber Freude oder gar Begeisterung bereiten die Berner in ihrer selbst ausgerufenen Phase 3 bisher nicht. Die Partien in den letzten Tagen (0:1 gegen GC, 0:0 bei Xamax) akzentuierten die YB-Harmlosigkeit. Man hatte nicht erwartet, dass die Young Boys – unter Christian Gross an der Seitenlinie – zum Balltanz bitten würden, aber die Attraktivität der YB-Partien strapaziert zuweilen die Geduld der Zuschauer. Und Gross scheint wenig Vertrauen in die prominenten Ersatzleute zu besitzen, er wechselt sehr spät und oft zurückhaltend Positionsspieler für Positionsspieler ein.
Viele YB-Fans sind enttäuscht
Nun ist Christian Gross ein erfahrener Fussballlehrer und argumentiert gerne antizyklisch. Eine «gute Leistung» seines Teams hatte er vor zwei Tagen bei der Nullnummer in Neuenburg gesehen. Dabei kann man sich kaum an eine Partie in der jüngeren Vergangenheit erinnern, in der YB derart ungefährlich agiert hatte. Xamax hätte wohl auch seinen Vereinsbesitzer Bulat Tschagajew ins Tor stellen können, schliesslich musste der Neuenburger Goalie Jean-François Bedenik keine einzige überdurchschnittliche Parade zeigen. Das triste 0:0 übrigens war die erste torlose YB-Begegnung in der Super League seit 91 Spielen
Der Wind dreht sich schnell, im Fussball wie bei YB. Im hitzigen Fanforum wird Gross bereits heftig angefeindet, einige sehnen ausgerechnet seinen Vorgänger Vladimir Petkovic herbei. Dieser gewann zwar keine Titel, aber die Herzen vieler Fussballästheten mit einer mutigen, schwungvollen Spielweise. Doch es gibt im europäischen Profifussball wohl kaum einen Trainer, der fester im Sattel sitzt als Gross. Der Zürcher lässt sich nicht beirren, er hat in seiner langen Karriere viele Stürme erlebt und werkelt jetzt in Bern an einem Meisterteam. «Es braucht Zeit, um im Fussball etwas aufzubauen», sagt Gross. «Wir haben in allen Bereichen riesiges Steigerungspotenzial.»
Eine Meisterschaft wird im Frühling entschieden, aber man kann sie im Herbst verlieren. Der Hoffnungsträger Gross geniesst allerdings das uneingeschränkte Vertrauen der Vereinsführung, er wird in der Winterpause frische Offensivkräfte erhalten. Die unzufriedenen Ersatzleute könnte er aber besser bei Laune halten, wenn YB in der Europa League noch dabei wäre. «Es ist schade, haben wir nicht mehr Ernstkämpfe», sagt Gross.
Lange, hohe Bälle
Spektakel ist von den Young Boys nur bedingt zu erwarten, die resultatorientierte Spielphilosophie aber macht allen Beteiligten nur dann Spass, wenn die Resultate stimmen und sich das Team an Rang 1 orientieren kann. Nun folgen am Sonntag gegen Lausanne und eine Woche später in Genf gegen Servette Spiele gegen beide Aufsteiger, und alles andere als sechs Punkte wäre für YB enttäuschend – denn dann folgt die Partie beim FC Basel. Im St.-Jakob-Park hatte der heimstarke FCB unter Coach Gross einst seine Gegner oft schon in der Startphase erdrückt. YB aber gewann in dieser Saison in sieben Heimspielen nur acht Punkte, auswärts waren es in sechs Auftritten bereits 14 Zähler. «Vielleicht wollen die Spieler zu Hause zu viel», sagt Gross. Er verlangt auch morgen Dominanz, er setzt auf wuchtigen Fussball, der lange, hohe Ball ist stilprägend. Die kreativen YB-Offensivspieler wie Moreno Costanzo aber sind für diese rustikale Spielweise nicht uneingeschränkt geeignet.
Nur die Tabelle jedoch ist der Gradmesser für dieses YB, und nicht der Unterhaltungsfaktor. Und sowieso: Wäre der Treffer von Raphael Nuzzolo am Donnerstag gegen Xamax in der Nachspielzeit nicht fälschlicherweise wegen Abseits aberkannt worden, würde der Auftritt in Neuenburg jetzt als Beleg für einen YB-Resultatfussball in Perfektion gelten. Es ist halt besonders im Fussball vieles eine Frage der Optik. (Berner Zeitung)
Erstellt: 29.10.2011, 10:58 Uhr
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10 Kommentare
Fehlt es Herr Gross an Intelligenz,wenn er ein gutes Spiel gesehen hat. Zudem wie kann G. bei den Gekicke
wirklich noch das uneingeschränkte Vertrauen haben?!Nicht gleicher Meinung bin ich, dass erfolgreicher aber unattraktiver Fussball Spass machen würde, aber nicht einmal die Resultate stimmen!Mit hohen und langen Bällen soll etwa der kleinwüchsige Costanzo,dass Strafraumungeheuer sein?
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Das Spiel gegen Lausanne ist nun das Spiel der letzten Chance. Wenn auch gegen das mit Abstand schwächste Team der Super League kein überzeugender Sieg eingefahren werden kann, dann würde es der Anstand gebieten, wenn Christoph Gross seine Koffer packen würde und sich aus Bern verzieht. Antworten
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