Diesmal raubten die Young Boys Punkte
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 25.07.2011 17 Kommentare
Es gibt Leute, die behaupten, am Samstag habe man erstmals das neue YB-Siegergen gesehen. 2:1 setzten sich die Young Boys in Sitten durch, obwohl sie von der Dominanz, Entschlossenheit und Spielstärke, die sie im Startspiel gegen Basel ausgestrahlt hatten, ziemlich weit entfernt waren. «Ich habe mehr Positives als Negatives gesehen», sagte Trainer Christian Gross. «Denn das erste Auswärtsspiel ist nie einfach. Und in Sion zu gewinnen ist immer schwierig.» YB siegte im Wallis genau so, wie der FC Basel unter Gross oft gewonnen hatte: nicht zwingend verdient, aber effizient und abgeklärt. Doch möglicherweise hatte es für YB mehr mit Glück als mit Gross zu tun, dass der FC Sion in der Startphase zweimal den Aussenpfosten traf – und ihm in der 94.Minute ein vermutlich reguläres Tor aberkannt wurde.
Effizienz und Kaltblütigkeit
Und so weiss man noch nicht so genau, was man von diesen ambitionierten Young Boys halten soll. Nach der begeisternden Vorstellung gegen den Meister FCB (1:1) zum Saisonstart folgte ein ziemlich schwerfälliger Auftritt im Wallis. Im Prinzip stahlen die Berner am Wochenende im Wallis jene Punkte, die sie gegen Basel verschenkt hatten. «Mir ist ein Sieg selbstverständlich lieber als ein Unentschieden», sagte Christian Gross. «Aber natürlich gibt es einige Dinge, die mir nicht gefallen haben. Wir werden uns wieder steigern müssen.»
Die YB-Spieler feierten den hart erkämpften Auswärtssieg beim starken FC Sion jedenfalls ausgiebig, sie lagen am Wochenende immerhin rund 22 Stunden schon einmal auf Rang 1 der Super League. Um Ende Saison ganz oben zu stehen, müssen sie allerdings vieles besser machen als in Sitten – zumindest Effizienz und Kaltblütigkeit der Berner waren jedoch bemerkenswert. «Wir sind nicht gut ins Spiel gekommen», sagte Abwehrspieler Christoph Spycher. «Aber wir haben zugeschlagen, als sich uns die Möglichkeit bot.» Und Mittelfeldspieler David Degen erklärte, er sei nicht zufrieden mit seiner Leistung und jener des Teams. «Aber wir haben drei Punkte geholt, und das war unser Ziel. Wer fragt nächste Woche noch, wie wir hier gewonnen haben?»
Degens langer Lauf zum 2:0
Mit vier Punkten aus den zwei heiklen Partien gegen den Meister und beim Cupsieger lässt sich der YB-Saisonstart sehen. «Wir haben hohe Ziele», sagte Degen, «und da muss man auch mal drei Punkte nach einer mittelmässigen Leistung mitnehmen.» Degen hatte in der 83.Minute das 2:0 für die Young Boys erzielt, als er nach einem Sprint über 50 Meter die Ruhe besass, flach einzuschieben. Bei seinem langen und rasanten Lauf hatte Degen nach eigenen Angaben keine Zeit, nervös zu werden («ich war überzeugt zu treffen»). Sein Schuss schien dennoch nicht unhaltbar, aber Sions Torhüter Andris Vanins hatte ja schon beim ersten YB-Tor durch Marco Schneuwly fürchterlich gepatzt, als er den Ball fallen gelassen hatte.
Gross’ Forderung an Wölfli
Wie Vanins gehört Marco Wölfli zu den besten Torhütern der Super League. Das bewies der YB-Captain am Samstag mit mehreren starken Interventionen. Aber auch Wölfli stand in der Kritik, weil er die offensichtliche Umstellung seines Spiels (Gross: «Wir wollen, dass er offensiver und aggressiver agiert») noch nicht restlos verinnerlicht hat. So segelte Wölfli in der ersten Halbzeit einmal an der Strafraumgrenze an einer Flanke vorbei, der Kopfball Giovanni Sios verfehlte das Tor um einen Meter. Und nach Sios Anschlusstor in der Nachspielzeit konnte Wölfli eine Flanke in der 94.Minute nicht behändigen, Sio schob zum 2:2 ein. Doch Schiedsrichter Nikolaj Hänni entschied auf Foulspiel am YB-Goalie. Christian Gross meinte, in England hätte man das vermutlich nicht abgepfiffen, und er erklärte: «Ich erwarte von Marco Wölfli mehr Dominanz. Aber er ist ein guter Torhüter und wird das in Zukunft besser machen.» Und sowieso, sagte Gross, «hätte es zuvor nach einem Hands von Arnaud Bühler im eigenen Strafraum einen Elfmeter für uns geben müssen.» So gesehen sei das abgepfiffene Tor des FC Sion ausgleichende Gerechtigkeit. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.07.2011, 06:39 Uhr
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17 Kommentare
Bern, die Hochburg der Stänkerer! YB gewinnt in Sion nach einem schlechten Spiel mit viel Glück. CG Gross sagt richtig, dass das Tor in der 94. Min in England vermutlich nicht annulliert würde. Sprechen wir jedoch auch einmal von der unsäglichen Klopferei von verschiedenen Sion Spielern! Wenn Ben Kalifa rot erhält, wären da auch noch Spieler vom FCS für gleiche Vergehen zu bestrafen! 3 P, Freude! Antworten
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