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Die australische Revolte gegen Blatter
Aktualisiert am 09.09.2010 21 Kommentare
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Es passierte weit weg von der grossen Bühne des Fussballs: Perth Glory glich gegen Melbourne Heart in der Nachspielzeit per Penalty zum 2:2 aus. Allerdings hängt diesem der Makel an, dass er fälschlicherweise gepfiffen worden war. Michael Baird hatte sich ohne grosse äussere Einwirkung hingelegt, der Schiedsrichter war auf die Schwalbe hereingefallen. Robbie Fowler hatte den Penalty verwertet.
Doch der australische Fussballverband (FFA) hat für genau solche Fälle ein sogenanntes «Match Review Panel» eingerichtet. Das Gremium mit dem früheren Schiedsrichter Simon Micallef und dem ehemaligen Nationalspieler Alan Davidson soll, darf und muss solche kontroverse Fälle anhand der TV-Bilder eingehend untersuchen und beurteilen.
Schon früher Sperren wegen TV-Bildern
Deshalb wurde Baird für seine unsportliche Flugeinlage ohne gegnerische Starthilfe für zwei Spiele gesperrt. Und ebenfalls in der letzten Woche verhängte das Panel eine Spielsperre gegen den argentinischen Spielmacher Patricio Perez, der auch den Penalty selber verwertet hatte. Im Gegenzug wurde die rote Karte gegen Torhüter Liam Reddy, der Perez eben nicht zu Fall gebracht hatte, wieder aufgehoben.
Damit begeht die FFA mehr oder weniger neue Wege. Nachträgliche Sperren für Handspiele und Schwalben sind auch aus der deutschen Bundesliga schon bekannt, als «Videobeweis» auf dem Fifa-Globus noch nicht zum Unwort verteufelt worden war. Andreas Möller wurde einst für zwei Wochen gesperrt, weil er sich hingelegt hatte – und Oliver Neuville für ein Handstor für zwei Spiele.
«...dann muss man für Schwalben Rot geben»
Der Fifa passt dies nicht, das betonte ihr Präsident Josef Blatter auch jüngst während der WM immer wieder. Die vom Fifa-Präsidenten beschworene romantische Note und die ewigen Stammtischdiskussionen sollten nicht durch den Videobeweis vermindert werden. «Es ist nicht korrekt, dass die Fifa den Einsatz von technischen Hilfsmitteln erlaubt hätte, um Spieler nachträglich zu sperren, die sich des Simulierens schuldig gemacht haben», teilte der Weltverband auf eine entsprechende Anfrage der «Süddeutschen Zeitung» mit.
Das Vorgehen der Australier löst im Fifa-Hauptsitz auf dem Zürichberg kaum Jubelgeschrei aus. Und die «Süddeutsche» hat noch einen weiteren Kritiker ausgemacht. Der DFB-Schiedsrichterchef Lutz Wagner meint: «Wenn, dann müssen wir das grundlegend machen. Dann muss man für Schwalben auch auf dem Platz Rot geben dürfen.» Gemeint ist die Tatsache, dass der Schiedsrichter einen fliegenden Profi nur mit einer gelben Karte bestrafen darf, wird die Flugeinlage aber erst später dank Fernseh-Bilder entlarvt, gelten für die TV-Richter andere Regeln als für die Referees. (son)
Erstellt: 09.09.2010, 13:18 Uhr
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21 Kommentare
Merkt eigentlich Fifa-Blatter noch immer nicht, dass er komplett überflüssig ist. Wenn man sich dem Neuen nicht öffnen kann, wird man alt – zu alt. Dann muss man über den Schatten oder das Geld springen können und das Zepter den Jüngeren übergeben. Stillstand ist auch hier Rückschritt. Die Neuerung wird kommen. Da nützen auch alle Millionen des Fifa-Gewaltigen nichts. Walter Krebs, Bern Antworten
Die Lieblingslekture von Hr. Blatter sind weiterhin Gebrueder Grimm. Er tut mir schon fast leid, da in Sachen Regeln er und die anderen FIFA Funktionare eben nichts zu sagen haben, denn da entscheidet allein das Gremium bestehend aus einem Schotten, einem Waliser, einem Nordiren und einem Englander. Die fahren ja auch alle noch auf der linken Seite der Strasse. Das kann auch Blatter nicht andern Antworten
Bravo Aussies!! Das tut dem Fussball jetzt gut, anders scheint es der Negus aus dem Oberwallis nicht zu lernen. Ich bin es satt, jede Woche diese unsäglichen Betrügereien und Fehlentscheide zu sehen. Der Fussball muss einen Schritt zurück tun und sich auf Anstand und Fairplay besinnen. Ein gutes Beispiel: Lionel Messi - keine rüden Fouls, Schauspielereien, Lamentos. Ein Super-Sportler!! Antworten
Bravo! In einem Land, wo noch Männersport zelebriert wird (Rugby), wo ein Spieler (im Rugby) blutend auf dem Boden liegt und der Schiedsrichter 'play on' ruft, da will niemand fussballspielende Weicheier sehen, die schon ohne Fremdeinwirkung umfallen. Auch wenn das etwas archaisch anmuten mag, ich ziehe den Hut vor den Aussies, mehr richtigen Sport anstatt Schauspielerei täte dem Fussball gut! Antworten
Endlich wagt sich ein Verband, Blatter & Co Paroli zu bieten. Ich hoffe sehr, dass dieses Vorgehen allgemein Schule machen wird - so ein richtiger Aufstand gegen den Altherrenverein am Zürichberg. Die Zeit für grundlegende Erneuerungen (Videobeweise und Ballsensor) ist gekommen. Ich denke, dass mit einer Ablösung von Blatter ein neues Fussballzeitalter anbrechen wird - dies sobald als möglich ! Antworten
@P.Freuler. Unrecht haben Sie mit Iherer Behaupotung betreffend der verschlechterten Ausgangslage für die Vergabe der WM nicht, dennoch muss ich Ihnen in einem Punkt wiedersprechen: Australien und Katar als Favoriten zu bezeichnen ist wohl nicht richtig. Denken Sie an England und Russland. Eine dieser WMs wird sicher nach Europa gehen und in England stimmt die Infrastruktur. Antworten
Ist ja wohl ein Witz was sich die Fifa und Herr Blatter hier leisten. Es kann doch nicht sein, dass in einer Sportart die einen solchen Stellenwert hat und es um so riesige Geldsummen geht, auf moderne Technik verzichtet wird um der Nostalgie willen. Und wenn ich am Stammtisch über einen Match diskutiere, dann bitte über die 22 Spieler und deren Leistung und nicht die des Schiris. Antworten
Ich bin Befürworter von Videobeweisen. Nur müssen diese während dem Spiel analysiert werden (Analog Hawk-Eyes im Tennis), damit die Trainer/Teams je nach Entscheid reagieren können (Taktik-Änderung, Auswechslungen etc.) Der Captain soll während eines Spiels max. 2 x die Möglichkeit bekommen für ein "Hawk-Eyes" - Wäre auch für die Zuschauer interessant und würde Proteste oder gar Tumulte verhindern Antworten
Man kann die Entscheide des australischen Verbandes loben oder auch nicht. Offensichtliches Fehlverhalten eines Spielers sollte schon bestraft werden können, auch wenn nicht durch einen Schiedsrichter geandet. Das Dumme daran ist nur, dass nicht jedes Spiel auf der Welt von Kameras begleitet wird. Und was geschieht mit den Fehlverhalten in solchen Spielen. Nicht immer Blatter die Schuld geben!!! Antworten
Gute und sinnvolle Neuerung in der A-League, wenn auch der Zeitpunkt nicht sehr günstig gewählt ist: In einem Jahr entscheidet die Fifa wer 2018 und 2022 (Favoriten Australien und Katar) die Weltmeisterschaft ausrichten darf. Man darf davon ausgehen, dass sich Australien mit diesem "Vorpreschen" in Sachen TV-Beweis bei gewissen Fifa-Herren und -Delegierten nicht sehr beliebt gemacht hat... Antworten
Guter Schachzug der Australier! Die Bedenken sind schlicht Kindergartenniveau. Wenn ich diese Schwalbe oben als Beispiel sehe, kommt mir gleich wieder die Galle hoch! Die FIFA ist wohl der einzige "Verband", der Lug und Betrug (online) zulässt! Das ist ein Fakt. Tatsachenentscheide hin oder her. Sepp, Sepp, sei keine Geiss, die Zukunft liegt im Videobeweis! Bitte! Antworten
Wunderbar, well done Aussies! Dann wird dieses unsägliche, zu höchst unsporliche Verhalten - die Schwalbe - endgültig ausgemerzt. Kann nicht sein - ob in Basel, Manchester, Mailand oder eben Perth ein Spieler fällt und dies auch noch als "clever" bezeichnet wird da er einen Elfer herausgeholt und eventuell sogar noch eine rote Karte für den "Schuldigen". Bravo Australien, ein gutes Zeichen! Antworten



Peter Freuler
@ Bernhard Müller: Nicht ganz. Die FIFA wird 2018 an Europa (Favoriten England und Russland), die WM 2022 an Asien/Ozeanien vergeben. Demnach stimmt meine Aussage betr. Katar und Australien. Antworten