Die Young Boys wollen diese Woche abheben
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 13.08.2011
Vielleicht verläuft die nächste Woche für YB ja so: Auswärtssieg am Sonntag bei GC; ein bemerkenswerter Auftritt mit einem positiven Ergebnis am Donnerstag in Braga im Europa-League-Playoff-Hinspiel; und allerbeste Stimmung nach dem Heimsieg im Derby gegen Thun morgen in einer Woche mit gleichzeitiger Eroberung der Nummer 1 in Liga und Kanton Bern.
Vielleicht aber passiert in den nächsten Tagen auch das: Niederlage morgen bei den Grasshoppers und leichte Unruhe bei YB; Niederlage im schweren Gastspiel beim letztjährigen Europa-League-Finalisten Braga; grosser Druck im Derby gegen Thun, ein weiteres enttäuschendes 1:1-Unentschieden – und ein Fehlstart in die Saison.
Fussball ist auf der einen Seite ein Tagesgeschäft, andererseits wird auch bei YB langfristig geplant. Und doch lässt sich behaupten, dass die Young Boys vor einer ersten und frühen «Woche der Wahrheit» stehen. «Es sind sogar zwei sehr wichtige Wochen», sagt Trainer Christian Gross. «Danach folgen die Heimspiele gegen Braga und Zürich. Wir bestreiten bis Ende August enorm entscheidende Partien.»
Bei den Young Boys ist man aber trotz verhaltenen Saisonstarts nicht nervös. «Wir trainieren gut, die Spieler arbeiten hart, die Stimmung ist bestens», berichtet Trainer Gross. Nach rund einem Monat sind zwar die Ergebnisse nicht nur zufrieden stellend, doch verloren hat YB noch nie. Vor dem Gastspiel bei GC am Sonntag sieht Gross den Zeitpunkt gekommen, um ein erstes Fazit zu ziehen. «Defensiv stehen wir recht kompakt», sagt er. «Aber wir müssen in der Offensive entschlossener und mit erheblich grösserer Effizienz agieren.» Er nennt die Spielweise Borussia Dortmunds als Vorbild. «Da sieht man kaum einmal einen Rückpass, ausser auf der gegnerischen Torlinie, um den Ball zurückzulegen.» Während David Degen (Gross: «Er ist sehr stark in die Saison gestartet») über die rechte Seite mit Dynamik und Torgefahr teilweise brillierte, überzeugten die im linken Mittelfeld eingesetzten Akteure (Moreno Costanzo, Raphael Nuzzolo, Mario Raimondi) nicht restlos. «Da erwarte ich eine Steigerung», sagt Gross, der neben Degen auch Alexander Farnerud und Christoph Spycher für die bisherigen Leistungen lobt. Weil der Einsatz des verletzten David Degen morgen wie jener von Goalie Marco Wölfli (Daumenbruch) stark fraglich ist, könnte es zu einigen personellen Umstellungen kommen. «Genau deswegen haben wir ein breites Kader», sagt Gross. Und: «Wir müssen so oder so torgefährlicher werden.» Der Trainer hofft und glaubt, dass bei Henri Bienvenu bald der Knoten platzt: «Wir brauchen Stürmer, die Tore erzielen. Bienvenu kann das, er ist ein ausgezeichneter Skorer.»
Die grosse GC-Vergangenheit
Selbstverständlich freut sich Christian Gross darauf, seinen Geburtstag in der Heimat verbringen zu dürfen – er feiert morgen seinen 57.Geburtstag. Der Zürcher ist in Höngg aufgewachsen, am Berg oben, er pilgerte als Junge und GC-Fan oft auf den Hardturm. «Und wir trugen als Kinder unten an der Limmat immer intensive Spiele aus», sagt Gross lachend. «Wasser gegen Berg lautete die Paarung.»
Die Entwicklung beim Rekordmeister GC verfolgt der YB-Trainer aufmerksam. «Es ist schade, hat man den Hardturm aufgegeben, das war ein tolles Fussballstadion.» Als GC-Coach arbeitete Christian Gross einst äusserst erfolgreich, gewann in den Neunzigerjahren zwei Meistertitel und qualifizierte sich zweimal für die Champions League. «Das sind schöne Erinnerungen, klar, aber das ist Vergangenheit», sagt Gross. Jetzt will er – mit leichter Verspätung – auch mit den Young Boys abheben. (Berner Zeitung)
Erstellt: 13.08.2011, 09:20 Uhr
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