Die Yakins fordern Christian Gross
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 06.08.2011
Den 2:0-Sieg in Westerlo feierten die Young Boys am Donnerstagabend nicht ausgiebig, das Weiterkommen im Europacup soll nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in die Gruppenphase sein. Schöpfen die Berner gegen Braga in den Playoff-Partien ihr Potenzial aus, sind sie nicht chancenlos. Am Freitag aber galt der YB-Fokus der Begegnung morgen in Luzern. Nach einer Trainingseinheit am Morgen in Belgien – für die einen auf dem Rasen, für die anderen im Fitnessraum – flog das Team am Nachmittag zurück nach Genf. «Ich freue mich auf die Partie in Luzern in einer Arena, die ich noch nicht kenne», sagte YB-Coach Christian Gross. Am letzten Wochenende bestritt der FCL bei der Nullnummer gegen Thun den ersten Ernstkampf in der Swisspor-Arena. Für YB (5 Punkte) ist das morgige Treffen ein echter Härtetest: Luzern liegt wie Thun nach 3 Runden mit 7 Zählern an der Spitze der Liga – und hat noch kein Tor erhalten.
Yakins Lehrmeister Gross
Und als wäre die Affiche nicht schon attraktiv genug, kommt es morgen auch noch zum Wiedersehen von Christian Gross mit Murat, 36 Jahre alt, und Hakan Yakin, 33. «Das sind zwei hochsensible Menschen, die ich schätze», sagte Gross gestern. Während seiner erfolgreichen Zeit in Basel spielte der FCB vermutlich nie spektakulärer und besser als im Herbst 2002, als er sich in der Champions League dank eines finalen 3:3-Unentschiedens gegen Liverpool sogar für die Zwischenrunde qualifizierte. Murat Yakin war der souveräne Abwehrpatron jener starken Equipe und Hakan Yakin der überragende Solist in der Offensive.
Murat Yakin feierte mit Gross drei Meistertitel in Basel (2002, 2004, 2005) sowie zwei Cupsiege (2002, 2003). Und er hatte früher bereits bei GC erfolgreich mit dem Titeltrainer zusammengearbeitet (Meister 1995 und 1996, Cupsieger 1994, Champions-League-Qualifikation 1995 und 1996). Luzerns Coach Murat Yakin bezeichnete Christian Gross deshalb kürzlich als seinen Lehrmeister, was das Trainermetier angehe. «Er hat bereits bei Thun Erfolg gehabt», sagt derweil Gross, «und ich traue es ihm auch zu, in Luzern das Optimum aus dem Team herauszuholen.»
«Er ist immer noch gefährlich»
Deutlich weniger lang als Murat Yakin war dessen jüngerer Bruder Hakan ein Gross-Spieler. Den Meistertitel 2002 und den Sternenrausch in der Champions League erlebten alle drei wie den Cupsieg 2003 zusammen, doch bald lancierte der geniale wie eigenwillige Spielmacher Hakan Yakin seine Irrfahrt durch Europa, die ihn nach Paris und Stuttgart sowie zu Galatasaray Istanbul führte, ehe er einige Jahre bei YB spielte. Nach einem unglücklichen Katar-Abstecher hat Yakin sein fussballerisches Glück in Luzern wiedergefunden. «Hakan Yakin ist eine grossartige Nummer 10», sagt Gross, unter dem Yakin beim FCB als Regisseur in einem zur Raute formierten Mittelfeld teilweise internationales Topniveau erreicht hatte.
In Luzern agierte Hakan Yakin zuletzt in den ersten Partien unter seinem Bruder meistens als Mittelstürmer mit sehr vielen Freiheiten. «Wir werden auf Hakan Yakin sehr gut aufpassen müssen, er ist immer noch gefährlich», sagt Gross. «Und er weiss aus einer Halbchance eine Grosschance zu machen.»
Hakan Yakins Lob
Selbstverständlich war die Harmonie zwischen dem fussballbesessenen Gross und den Yakins, die früher als Fussballer mehr vom Talent als vom Fleiss lebten, manchmal auch gestört. Doch auch Hakan Yakin weiss genau, was er Gross zu verdanken hat. «Ich habe unter ihm sehr viel gelernt», sagte er einmal. «Wir hatten beim FC Basel eine wunderbare Zeit.» Und Hakan Yakin ist ganz nebenbei der personifizierte Nachweis, dass Gross nicht nur den langen Ball schätzt, sondern auch kultiviertes Kurzpassspiel. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.08.2011, 09:32 Uhr
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