Die Betrüger spielen in der obersten Liga
Von Vincenzo Capodici. Aktualisiert am 06.06.2011
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Der jüngste Wettskandal im italienischen Fussball weitet sich immer mehr auf die höchste Spielklasse aus. Nach Verhören von 16 festgenommenen Personen und Hausdurchsuchungen ermittelt die federführende Staatsanwaltschaft von Cremona gegen fünf Klubs der Serie A. Es sei aber noch nicht klar, «ob Spiele dieser Klubs tatsächlich manipuliert wurden oder ob es beim Versuch blieb». Die Namen der Klubs, die die Ermittler nicht bekannt geben wollten, sind AS Roma, Fiorentina, Genua, Lecce und Cagliari. Dies berichtet das Onlineportal der Zeitung «La Repubblica».
Gemäss der Staatsanwaltschaft von Cremona sollen hohe Summen auf manipulierte Spiele gesetzt worden sein. Die Rede ist von «beeindruckenden Manipulationen». Über die Höhe der Wettsummen machte die Staatsanwaltschaft noch keine Angaben. Betroffen sind mindestens drei Dutzend Spiele, vor allem Partien der zweiten und dritten Liga. Ermittler vermuten, dass die Camorra, die Mafia Neapels, Geld gewaschen haben könnte. Auch die Mafia von Apulien, die Sacra Corona Unita, soll über die Vermittlung des früheren Bari-Captains Alessandro Bellavista eine Rolle spielen. Die Spuren des Wettskandals führen bis in die organisierte Kriminalität von Albanien.
Atalanta «immer mehr in Schwierigkeiten»
Im Visier der Ermittler steht unter anderem das am 20. Februar 2011 ausgetragene Spiel zwischen Genua und Rom. Der Spielverlauf war ziemlich kurios: Rom verlor die Begegnung nach einer 3:0-Führung noch mit 3:4. Beim Match zwischen Inter Mailand und Lecce am 20. März soll eine Schiebung gescheitert sein. Lecce sollte mit drei Toren Unterschied verlieren, trotz gekaufter Lecce-Spieler gewann Inter nur mit 1:0.
Gemäss Medienberichten steht der italienische Meister AC Milan nicht unter Verdacht. Serie-A-Aufsteiger Atalanta Bergamo und sein Kapitän Cristiano Doni seien dagegen «immer mehr in Schwierigkeiten». Doni wird beschuldigt, hohe Summen kassiert zu haben, um Spiele zu manipulieren. Im Verdacht steht auch Siena. Der toskanische Klub soll im vergangenen März beim mit 4:0 gewonnenen Match gegen Sassuolo ein paar Spieler gekauft haben, wie die Onlineausgabe der Zeitung «Corriere della Sera» berichtet. Siena ist wie Atalanta in die Serie A aufgestiegen. Der Aufstieg könnte aber annulliert werden.
«Aus Liebe zum Klub» ein paar Spiele geschoben
Die Vorwürfe gegen den früheren italienischen Nationalspieler und Lazio-Kapitän Beppe Signori sollen sich laut Medienberichten erhärtet haben. Dem 43-jährigen Signori wird eine Schlüsselrolle bei den Manipulationen zugeschrieben. Signori steht unter Hausarrest und muss am Mittwoch zur Einvernahme. Er bestreitet die Vorwürfe.
Es gibt erste Geständnisse. Ravenna-Sportdirektor Giorgio Buffone, der wie sechs andere Personen in U-Haft sitzt, gab zu, einige Matches «aus Liebe zum Klub» geschoben zu haben. Der ebenfalls inhaftierte Steuerberater Francesco Giannone, der mit dem Ex-Profi Signori in Verbindung gebracht wird, gestand zudem, den Torwart des Drittligisten Cremonese Calcio bestochen zu haben. Bei Giannone fand die Polizei vier Schecks der mutmasslichen Wettbetrüger-Bande in der Höhe von insgesamt 450'000 Euro. Insgesamt stehen derzeit 30 Personen unter Verdacht.
Fussballverband kündigt harte Sanktionen an
Neben der Justiz ermittelt auch der italienische Fussballverband. Der FIGC hat am Wochenende scharfe Massnahmen gegen illegale Wetten und Sportbetrug angekündigt, wie die «Repubblica» berichtet. Auch Fussballer, die Manipulationsversuche nicht melden, sollen streng bestraft werden.
Der italienische Fussball wird immer wieder von Wettskandalen erschüttert. Vor fünf Jahren stand Juventus Turin respektive Juventus-Manager Luciano «Lucky Luciano» Moggi im Zentrum von Spielmanipulationen. Juventus wurden zwei Meistertitel aberkannt. Zudem wurde der Rekordmeister in die Serie B zwangsrelegiert. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.06.2011, 11:54 Uhr
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