Der grosse Kampf gegen den Schnee
Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 02.12.2010 1 Kommentar
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Abgeklärt wirken die YB-Spieler, als sie wenige Minuten nach Abpfiff das 4:2 gegen Stuttgart analysieren. Dass sie mit dem Einzug in den Sechzehntelfinal der Europa League soeben einen riesigen Erfolg errungen haben, ist ihnen in diesem Moment kaum anzumerken. YB-Goalie Marco Wölfli freut sich wohl innerlich, als er sagt: «Es ist schön, einen solchen Sieg zu feiern und Geschichte schreiben zu können. Allzu oft hat YB im Europacup ja noch nicht überwintert.»
Der Berner Captain und seine Teamkollegen haben einen ereignisreichen Abend hinter sich. Nicht nur wegen des spektakulären Spielverlaufs. In der 28.Spielminute wurde es in Wölflis Strafraum erstmals gefährlich. Der Torhüter musste aber nicht einen Schuss des Gegners abwehren, sondern einem Schneepflug ausweichen, der sich seinen Weg durch sein Revier bahnte.
Referee erwog Verschiebung
Sekunden zuvor hatte Schiedsrichter Alon Yefet aus Israel die Partie unterbrochen, um die Linien auf dem Kunstrasen des Stade de Suisse durch Maschinen und Männern mit Besen vom Schnee befreien zu lassen. Der Israeli hatte sogar die Verschiebung der Partie erwogen.
Es waren garstige Bedingungen, unter denen die Berner und die Stuttgarter am Mittwoch gegeneinander antraten. Seit Dienstagabend war im Stadion gegen den Schnee angekämpft worden. Am Mittwoch standen dann 15 Personen mit Baggern und Schneepflügen im Dauereinsatz. Es war eine Sisyphusaufgabe: Kaum war an der einen Stelle der Schnee von der Spielfläche abgetragen worden, konnten die Arbeiter an einem anderen Ort von neuem beginnen. Die Rasenheizung, die in den Boden eingelassen ist, konnte zu wenig bewirken.
David besiegt erstmals Philipp
Weil sich zudem wegen der prekären Situation auf den Strassen und dem überlasteten ÖV auch die Ankunft von vielen der schliesslich 18627 Zuschauer verzögerte, wurde die Partie statt um 19 Uhr erst um 19.30 Uhr angepfiffen. Je einmal pro Halbzeit wurde bis Spielende während einer kurzen Pause entlang der Linien geputzt. «Es waren fast irreguläre Bedingungen», sagte YB-Verteidiger Scott Sutter. Eine Verschiebung der Begegnung wäre den Teams aber ungelegen gekommen. Beide tragen das nächste Meisterschaftsspiel schon am Samstag aus.
Und weil die Partie dank dem grossen Helfereinsatz fast wie geplant ausgetragen wurde, kam es auch zum lang erwarteten Duell der Zwillingsbrüder David und Philipp Degen. Es war dann YB-Spieler David, der vor den Augen der aus dem Baselbiet angereisten Eltern und des ehemaligen Basel- und Stuttgart-Coachs Christian Gross mit vielen guten Aktionen auf sich aufmerksam machte. Er trieb das Spiel seiner Mannschaft am rechten Flügel an und erzielte in der 31.Minute, kurz nach der ersten «Eisreinigung», den Berner Führungstreffer. Zu Sutters Treffer zum 2:2 lieferte er die Vorlage. Philipp hingegen tat sich auf der rechten Stuttgarter Abwehrseite schwer gegen Senad Lulic und konnte nicht glänzen. Während der zweiten «Eisreinigung» nach 68 Minuten wurde er ausgewechselt. David Degen sagte, er habe währen des Spiels nicht gross auf seinen Bruder geachtet: «Wir sind uns kaum über den Weg gelaufen. Meine Konzentration galt YB, ich wollte unbedingt siegen.» Das ist ihm gestern gelungen. Und nebenbei hat er nach den Niederlagen in den bisherigen zwei Partien gegen Philipp zum ersten Mal gewonnen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.12.2010, 07:21 Uhr
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