Sport
Der Arzt und die Dopingvorwürfe an Frankreich
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 25.08.2010
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Am Donnerstag erscheint in Frankreich das Buch «L’Implosion» von Jean-Pierre Paclet. Und dieser war zwischen 1993 und 2008 Arzt des französischen Fussball-Verbands, ehe ihn Raymond Domenech abservierte, nachdem die beiden über viele Jahre eine Freundschaft verbunden hatte. «Er hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Er hat als Selektionär ein Spiel gespielt», sagt Paclet.
An Domenech lässt der Arzt nun kaum ein gutes Haar. «Er war zu Beginn so sympathisch. Hat man sich getäuscht?», fragt er im Interview mit der französischen Zeitung «Le Parisien». «Er ist ein Manipulator. Er sagt dem einen Weiss und dem anderen Schwarz», so Paclet. So hätte er sich auch von den Spielern entfernt. «Er hat alle Autorität verloren; er hat sich in den letzten drei Jahren stark verändert», so der Mediziner weiter.
In seinem Buch ist Domenech zwar der rote Faden, aber nicht das Hauptthema. Vielmehr bietet Paclet einen Einblick in das Innenleben der «Equipe tricolore». Er schreibt, wieso Franck Ribéry und Yohann Gourcuff an der letzten WM Streit hatten, wer in Südafrika die wahren Rädelsführer beim Trainingsstreik waren und warum Domenech nach der Euro 2008 seiner Freundin einen Heiratsantrag machte.
Zidane und Deschamps als «informierte Zeugen»
Als «schockierende Enthüllung» bezeichnet «Le Parisien» die Abnormitäten in den Blutbildern bei gewissen französischen Nationalspielern 1998. «Ich sage nur, was jedermann weiss. Ich habe nichts erfunden. Ein so erhöhter Hämatokritwert bedeutet nicht, dass jemand Epo genommen hat», erklärt Paclet im Interview. Er verweist darauf, dass Riccardo Agricola, damaliger Mannschaftsarzt von Juventus Turin, von einem Gericht in Turin wegen Sportbetrugs zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 22 Monaten verurteilt wurde.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Agricola die Spieler in den 90er-Jahren systematisch mit Transfusionen verbotener Substanzen behandelt hatte, so mit Epo, aber auch missbräuchlich mit rezeptpflichtigen Schmerzmitteln und Psychopharmaka. Als «informierte Zeugen» waren im Prozess auch die damaligen Nationalspieler Didier Deschamps und Zinédine Zidane vorgeladen.
Das Buch wurde in einer ersten Auflage von 20'000 Stück gedruckt. «Das ist viel für einen unbekannten Autor», sagt der Verleger Michel Lafon. Der Anwalt des Verlags hat das während der WM entstandene Buch noch geprüft. Er entschärfte einige Stellen, um Prozesse zu vermeiden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 25.08.2010, 15:28 Uhr
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