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Der Ärger löst langsam die Freude ab

Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 30.08.2010

Thun hat auch gegen Leader Luzern Unentschieden gespielt. Trotzdem war der Ärger beim Aufsteiger grösser als die Freude: Denn trotz Chancenplus endete das Spiel 1:1. Es war schon Thuns fünftes Remis der Saison.

Torschütze Nick Proschwitz bejubelt den Treffer zum 1:1.

Torschütze Nick Proschwitz bejubelt den Treffer zum 1:1.
Bild: Keystone

In der 88.Minute macht Thun-Trainer Murat Yakin ein Zeichen Richtung Tribüne. Sein Stürmer Nick Proschwitz kommt mit einem Freistoss aus 20 Metern zu einer guten Gelegenheit, um beim FC Luzern das 2:1 zu erzielen. Der Coach ist überzeugt, dass der Ball im Netz landet, und deutet das Gegenüber den Bekannten im Stadion an. «Im Training hat er aus dieser Position schon oft getroffen», wird Yakin später sagen, deshalb das Zeichen. Proschwitz’ Schuss prallt aber an der Luzerner Mauer ab.

Doch es ist nicht die letzte Chance, die sich den Thunern an diesem Nachmittag zum Siegestor bietet: Es laufen die Schlusssekunden, als Benjamin Lüthi einen Freistoss tritt und Timm Klose aufs Tor köpft. Der Verteidiger hat Pech und trifft die Latte. Klose rauft sich die Haare, Murat Yakin rauft sich die Haare. Das Spiel endet 1:1, der Aufsteiger hat auch beim Tabellenführer nicht verloren und bleibt als einziges Team der Liga ohne Niederlage. Grund genug zur Zufriedenheit, könnte man meinen.

Scarione und Yakin verletzt

Beim Tabellendritten aber löst der Ärger über die ständigen Remis die Freude über die Ungeschlagenheit langsam, aber sicher ab. In sieben Runden hat Thun fünf Mal Unentschieden gespielt. «Es nervt mich, holen wir immer nur einen Punkt. Fast immer wäre mehr möglich gewesen», sagt Verteidiger Lüthi.

Die Thuner haben diese Saison bereits YB und die Grasshoppers an den Rand einer Niederlage gebracht, gestern sind sie gegen den Tabellenführer die Equipe, die spätestens ab Halbzeit zwei den besseren Fussball spielt und zu den zahlreicheren Möglichkeiten kommt.

Seit der 16.Minute ist Thun bemüht, den Rückstand aufzuholen. Luzern-Verteidiger Tomislav Puljic traf völlig unbewacht, nachdem sich Thuns Keeper David Da Costa bei einem Eckball Hakan Yakins verschätzt hatte. In den nächsten Minuten ist Da Costa dann aber mehrmals zur Stelle. Das Luzerner Spiel ist zu diesem Zeitpunkt ganz auf Yakin zugeschnitten. Ihm spielen die Luzerner den Ball zu, und der Nationalspieler versucht, etwas zu kreieren. Die Thuner ihrerseits wollen den Ball mit diagonalen Spielverlagerungen hinter die Abwehr des Gegners bringen. So, wie sie das letzte Woche im Training geübt haben. Tatsächlich kommen Proschwitz und Sturmpartner Guiseppe Morello dank diesem Mittel zu einigen Chancen.

Bei beiden Teams fallen bereits vor der Pause die kreativsten Spieler und jeweiligen Captains aus. Thuns Oscar Scarione überlässt in der 37.Minute mit Schmerzen im Oberschenkel Stefan Glarner seinen Platz. 8 Minuten später sieht Murat Yakin, wie Bruder Hakan Scarione folgt. Auch sein Oberschenkel schmerzt. Das viel beachtete Bruderduell ist nach 45 Minuten beendet, Hakan Yakins Einsatz im Nationalteam diese und nächste Woche ist fraglich.

Sehenswertes Ausgleichstor

Während sich der Ausfall Yakins negativ auf das Zusammenspiel der Luzerner auswirkt, spielen die Gäste auch nach Scariones Abgang tollen Kurzpassfussball. Phasenweise habe es das Team dabei sogar übertrieben, sagt Murat Yakin. «Sie wollten den Gegner richtiggehend dominieren.» Es ist denn auch eine sehenswerte Kombination, die in der 74.Minute zum Ausgleich führt. Marc Schneider enteilt auf der linken Seite Gegenspieler Elsad Zverotic. Nach seiner Hereingabe ist Proschwitz ohne Bewacher und trifft aus vier Metern zum 1:1. Das bereits vierte Saisontor des Deutschen ändert nichts daran, dass Yakin auch nach dem Luzern-Spiel unzufrieden ist mit der Chancenauswertung. Einmal mehr spricht er vom «Killerinstinkt», der dem Team fehle, in dem die meisten ihre ersten Spiele in der höchsten Spielklasse bestreiten. «Wir müssen Fortschritte erzielen. Daran arbeiten wir tagtäglich», sagt Yakin. Dazu hat Thuns Trainer während der Länderspiele nun zwei Wochen lang Zeit. Wenn Thun am übernächsten Wochenende zu Hause gegen den FC Zürich gespielt hat, will er dann aber einen Sieg statt eines Unentschiedens analysieren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.08.2010, 08:13 Uhr

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