YB-Fanzüge rollen weiter
Von Jonathan Spirig. Aktualisiert am 03.02.2012
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
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Zusammenfassung
Die Fans der Berner Young Boys werden in ihren Extrazügen weiterhin selber für Sicherheit und Sauberkeit sorgen. Nach einer erfolgreichen Testphase haben die SBB, YB und die Fan- Organisationen am Freitag ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.
Seit September verkehrten sieben Extrazüge zu Auswärtsspielen der Young Boys, 3500 Fans wurden transportiert. Betreut wurden sie von eigenen Kollegen. Die so genannten «Stewards» hatten sich von Bahn- und Sicherheitsspezialisten ausbilden lassen und unter anderem ein Deeskalationstraining absolviert.
Schon früher weniger Probleme
Die Sachschäden seien dank dem Pilotversuch weiter zurückgegangen, sagte SBB-Chef Andreas Meyer vor den Medien. Allerdings habe es in diesem Bereich mit YB schon früher eher wenig Probleme gegeben, weil die Zusammenarbeit mit den Berner Fans seit Jahren gut sei.
Schweizweit richten Fussballfans in Extrazügen jährlich Schäden von mehreren hunderttausend Franken an, wie Meyer in Erinnerung rief. Er hofft deshalb, dass sich bald auch andere Klubs auf das Berner Modell einlassen werden. In Frage kommen die paar grösseren Klubs, die genügend Fans für Extrazüge haben.
Heute sind die Regelungen unterschiedlich; der FC Basel etwa schickt auch Betreuer in die Extrazüge, doch die Zusammenarbeit mit der SBB und die Kommunikation der Partner ist nicht so umfassend geregelt und schriftlich festgehalten.
Die Berner Lösung hilft der SBB auch Personalkosten sparen. In den sieben «selbstverwalteten» Sonderzügen waren es laut Meyer etwa 12'000 Franken. Zudem gab es Einsparungen, weil die Fans auch gleich den Abfall selber entsorgten.
Besser als eine «Regulierungswelle»
«Das Projekt ist erfolgreich, weil alle Beteiligten Verantwortung übernehmen», sagte Benno Oertig, Verwaltungsratspräsident des Berner Stade de Suisse. Solche freiwilligen Modelle hätten Vorbildcharakter, denn ansonsten drohe eine «Regulierungswelle» im Kampf gegen Fan-Exzesse - und das wolle eigentlich niemand.
Was YB das Projekt kostet, wollte Klubchef Ilja Kaenzig nicht verraten. Für den Klub gehe es nicht in erster Linie ums Geld, sondern um eine für alle Beteiligten gute Lösung.
Zufriedene Fans
Zufrieden sind auch die Fans. Das Pilotprojekt sei die logische Fortsetzung der seit Jahren gut funktionierenden Kooperation mit den SBB, sagte Clemens Friedli namens der beiden Dachorganisationen der rund 30 Fanklubs.
Er wies darauf hin, dass alle Fans im Extrazug die so genannte Auswärtsfahrtenregelung akzeptieren müssen. Die Fans verpflichten sich unter anderem, Gewalt und Sachbeschädigungen zu unterlassen und keine Gegenstände aus dem Fenster zu werfen.
Einer der Waggons ist sogar für Familien reserviert. «In diesem Wagen herrscht striktes Rauchverbot», wie die Dachorganisationen betonen. sda -
Vertrag wird unterzeichnet
Die beteiligten Parteien unterzeichnen nun gemeinsam den Vertrag und werden anschliessend gemeinsam auf ein Tor schiessen.
Die Live-Berichterstattung ist damit beendet. -
Alle sollen vernünftig sein
Auch Oertig möchte, dass die Vernunft obsiegt und nicht die Regulierungen Überhand nehmen. «Sonst kommt es zur Eskalation.»
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Schadenssumme: 300'000 Franken
Die Schadenssumme auf Fanzügen habe im letzten Jahr schweizweit etwa 300'000 Franken betragen, sagt Meyer. Insgesamt seien 3 Millionen ungedeckte Kosten entstanden.
Falls alle Verantwortung übernehmen, könne man künftig sicher Geld einsparen. «Wenn die Verantwortung übernommen wird, muss man auch keine Strafen aussprechen.» -
Selbstregulierung bevorzugt
Dass eine Aufhebung der Transportpflicht umgesetzt werden könnte, wenn es weiter zu Problemen kommt, hält Meyer für keine gute Idee. Er glaubt, dass Selbstregulierung die bessere Lösung sei.
«Wenn die Vereine nicht Verantwortung übernehmen, kommt die grosse Regulierungswalze. Davon haben wir alle nichts.» -
Oertig lobt die Fans
Oertig windet den Fans ein Kränzchen. «Das ganze ist nicht von uns, sondern von den Fans aufgegleist worden. Wir konnten einfach aufsitzen».
Er habe den grössten Respekt vor den YB-Fans. «Wir konnten nur noch Danke sagen und mitmachen.» -
Eine Transportpartnerschaft
Es handle sich gemäss Clemens Friedli hier nicht um einen Chartervertrag im eigentlichen Sinn, sondern um eine Transportpartnerschaft. Im Vertrag ist klar geregelt, wer welche Aufgaben zu übernehmen hat.
Im Unterschied zu Basel werden die Extrazüge in Bern von YB bestellt. In Basel sei dies noch nicht der Fall, die Verhandlungen seien aber auf gutem Weg. -
Die Fragerunde ist eröffnet
Meyer wünscht sich, dass bei allen Klubs mehr Fans in den Extrazug einsteigen. Klubs haben auch eine soziale Verantwortung. Er hofft, dass sich andere Vereien am guten Beispiel aus Bern orientieren.
Kaenzig betont wie wichtig es ist, dass das Modell funktioniert. Es sei nicht primär wichtig wie viel es kostet. «Es profitieren aber alle davon, wenn die Kosten reduziert werden können.» -
Gemeinsam stark
Andreas Meyer schlägt vor, dass sich alle Redner die Hand geben um den gemeinsamen Willen zu demonstrieren. Die anderen machen mit.
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Die sicht der Fanarbeit
Lukas Meier von der Fanarbeit Bern ist mit seinen Kollegen in den Extrazügen präsent. Auch er plädiert für lokale Lösungen, weil die Rahmenbedinungen nicht bei allen Vereinen gleich sind.
Manchmal stehe eine Fankurve im Konflikt mit dem Club, in diesem Fall sein ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe schwierig.
Er bedankt sich für die konstruktive Zusammenarbeit. -
Clemens Friedli
«Die Weiterführung der Zusammenarbeit bedeutet für uns die logische Fortsetzung der seit Jahren gut funktionierenden Kooperation», erklärt Clemens Friedli von der YB-Fan-Dachorganisation «gäubschwarzsüchtig».
Er erläutert die Geschichte der YB-Extrazüge. Diese werden seit 2008 genutzt. «Es hat von Anfang an ein guter Dialog mit der SBB bestanden», sagt Friedli.
Friedli erläutert mehrere Punkte aus der Auswärtsfahrtenregelung, die alle Fans akzeptieren müssen, die mit dem Extrazug reisen. Er ist überzeugt, dass dadurch die negativen Vorfälle stetig haben reduziert werden können.
Das aktuelle Modell sei für YB passend. Er möchte aber klarstellen, dass man dieses nicht auf jeden anderen Verein angewendet werden kann. Es brauche individuelle Lösungen. -
YB-Fans als Vorbilder
Auch YB-CEO Ilja Kaenzig zeigt sich zufrieden. Wenn die An- und Abreise störungsfrei und friedlich verläuft, gibt es nur Sieger.
Er betont auch, dass die YB-Fans in diesem Bereich schon länger vorbildlich handeln. -
Benno Oertig
Auch YB-Verwaltungsratspräsident Benno Oertig betont, dass das Projekt sehr positiv sei. «Es deckt die Bedürfnisse aller Parteien ab».
Es sei wichtig, dass die SBB nicht die ganze Verantwortung tragen müsse.
Die Reise zu Auswärtsspielen werde deutlich vereinfacht. -
Meyer erfreut über Erfolg
Andreas Meyer startet mit den Ausführungen. Er spricht von einem erfolgreichen Pilotversuch, der heute verlängert werde.
Es sei eine Freude mit Fussballfans zusammensitzen zu können, die ihre Verantwortung wahrnehmen.
«Wenn man gemeinsam Verantwortung übernimmt, lassen sich die besten Lösungen finden», sagt Meyer.
Meyer berichtet von verängstigten Zugreisenden, die sich wegen Fussballfans bei der SBB gemeldet hätten.
Die Personalkosten bei der SBB hätten sich, bei den sieben Spielen an denen das Projekt durchgeführt wurde, um 20 Prozent gesenkt. -
Bald gehts los
Die Redner sind eingetroffen, die Medienkonferenz beginnt demnächst.
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Zusammenarbeit wird fortgeführt
Das Fazit vorweg: Der Pilotversuch sei erfolgreich gewesen und die Zusammenarbeit werde fortgeführt, schreiben YB und die SBB in einer gemeinsamen Medienmitteilung.
Die Verantwortlichen des Fussballclubs und der SBB haben eine Vereinbahrung über die Weiterführung der Zusammenarbeit unterzeichnet. -
Oertig, Meyer, Kaenzig, Friedli und Meier
SBB-CEO Andreas Meyer und YB-Verwaltungsratspräsident Benno Oertig informieren an der heutigen Medienkonferenz über die Transportpartnerschaft.
Zu den Referenten gehören auch YB-CEO Ilja Kaenzig, Clemens Friedli vom Fan-Dachverband und Lukas Meier ovn der Fanarbeit Bern. -
Vorgeschichte
Ende August des letzten Jahres hatten die SBB und YB ein Pilotprojekt angekündigt, bei dem erstmals Fussballfans selber für Sicherheit und Sauberkeit in den Fanzügen verantwortlich sind. Eine Haftung für Schäden übernahm YB aber nicht.
Schon vorher wurden die YB-Fanzüge jeweils von freiwilligen Helfern und Fanarbeitern begleitet. Die Freiwilligen sorgten vor allem dafür, dass kein Abfall in den Zügen zurückblieb.
Pilotprojekt im letzten Jahr
Das Pilotprojekt ging einen Schritt weiter und wies den Fans noch mehr Eigenverantwortung zu, insbesondere bei der Sicherheit. Dazu wurde der YB-eigene Begleitdienst von der Transportpolizei der SBB ausgebildet. Die Fanbegleiter sorgten nicht nur für Sauberkeit und Sicherheit, sondern führten auch die Ticketkontrollen durch.
Der Pilotversuch lief bis Ende Jahr. Nun haben YB und SBB die Resultate ausgewertet und informieren, ob das Projekt weitergeführt wird. cze
Erstellt: 03.02.2012, 13:01 Uhr
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