Das Flüchtlings-Kind, das sich heimlich zur Weltfussballerin kickt
Von Sascha Rhyner. Aktualisiert am 10.01.2011 2 Kommentare
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Bernerzeitung.ch/Newsnet ist ab 17 Uhr beim roten Teppich vor dem Kongresshaus in Zürich und beobachtet die Stars, die sich einfinden. Von der grossen Gala, bei der die Besten des Jahres 2010 geehrt werden, berichten wir mit einem Liveticker ab 19 Uhr.
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Fatmire Bajramaj ist eine selbstbewusste 22-jährige Frau und eine talentierte Fussballerin. Neben der Brasilianerin Marta, die schon viermal zur Weltfussballerin des Jahres gekürt wurde, und der Deutschen Birgit Prinz, schon dreimal ausgezeichnet, steht die gebürtige Kosovo-Albanerin heute im Rampenlicht der Fifa-Gala im Zürcher Kongresshaus. Sie soll dem Frauen-Fussball ein neues Gesicht geben – ein hübsches, wie sie selber betont. «Ich will im Sport gut aussehen. Die Leute sollen wissen, dass es auch hübsche Fussballspielerinnen gibt», erklärt sie.
So trat sie einst auch mit hohen Absätzen zum Torwandschiessen im ZDF Sportstudio an, traf zweimal und verwies den männlichen Konkurrenten damit in die Schranken. Auch auf dem Platz müssen bei der Offensivspielerin Wimperntusche, Lidschatten, Fingernägel und Make-up stimmen. Dabei hatte es ihr Vater gar nicht gerne gesehen, dass sich Lira, wie so von Freunden und Mitspielerinnen genannt wird, auf dem Fussballplatz tummelt. Ismet Bajramaj sah in ihr eine Balletttänzerin.
Fünftägige Flucht nach Deutschland
Schon als Erstklässlerin begann Lira Bajramaj mit dem Fussballspielen, obwohl ihr Vater ihr die Teilnahme an Turnieren verboten hatte. Heimlich trainierte sie dann mit dem VfL Gelsenkirchen und fälschte in der 4. Klasse gar die Unterschrift des Vaters, um an einem Turnier spielen zu können. Als Zehnjährige bestritt sie regelmässig Meisterschaftsspiele, noch immer ohne Wissen ihres Vaters. Sie sprach sich mit dem Bruder ab, der im gleichen Verein spielte, damit der Schwindel nicht aufflog. Eines Tages, als der Vater ein Spiel des Bruders besuchte, kickte auf dem Platz nebenan auch Lira. Erst nach einer Aussprache erlaubte ihr der Vater, weiterhin Fussball zu spielen.
Die Familie war 1992 aus dem kosovo-albanischen Dorf Gjurakovc geflohen, weil die Albaner eine Loyalitätserklärung gegenüber dem serbischen Staat hätten unterzeichnen sollen. In fünf Tagen führte sie eine Schlepperbande über Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und Tschechien nach Deutschland. Seit 2001 hat die Familie die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus der Flüchtlingstochter ist eine Sportsoldatin und eine erfolgreiche Fussballerin geworden, die im Oktober ihre Jugenderinnerungen in der Autobiographie «Mein Tor ins Leben – Vom Flüchtling zur Weltmeisterin» publizierte.
Bereits alles gewonnen
Ihr Fussball-Talent wurde schnell erkannt. Als 16-Jährige debütierte Bajramaj in der Bundesliga bei Duisburg. Ein Jahr später debütierte sie bereits in der A-Nationalmannschaft. Mit der U-19-Auswahl Deutschlands gewann sie 2006 in der Schweiz die Europameisterschaft, 2007 war sie Teil des siegreichen DFB-Teams an der WM in China. Auf Vereinsebene holte sie mit Duisburg 2009 den deutschen Cup und den Cup der Cupsiegerinnen. Im Sommer folgte der Triumph mit Deutschland an der EM in Finnland.
Auf die letzte Saison hin wechselte sie von Duisburg zu Potsdam. Mit den Ostdeutschen gewann sie Meisterschaft und Champions League. Würde sie heute Abend im Zürcher Kongresshaus erstmals zur Weltfussballerin des Jahres gewählt, wäre dies die Krönung eines Fussballmärchens über ein Flüchtlings-Kind, das sich heimlich zur Weltfussballerin kickte. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 10.01.2011, 14:24 Uhr
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2 Kommentare
Andreas Krasniqi@: Keine Regel ohne Ausnahme. Eine Schwalbe macht bekanntlich noch keinen Frühling! Herr T. Sarrazin hat grossmehrheitlich recht. Auch die Schweiz würde sich selbst abschaffen, wenn nicht seit einiger Zeit eine starke Gegenbewegung zu den linken Multikulti-Schwätzern und Wirklichkeitsverweigerern ent-standen wäre (Minarett-Verbot, Ausschaffung). Die Wahlen 2011 lassen grüssen! Antworten
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