Bösch tritt ab – und ist skeptisch

Von Stefan Schnyder. Aktualisiert am 02.09.2010

Es hat sich abgezeichnet, nun ist es Tatsache: Der Berner Industrielle Fritz Bösch verlässt den Verwaltungsrat der YB-Muttergesellschaft. Er führt zudem Gespräche mit Andy Rihs über einen Verkauf seiner Aktien.

Bild: Iris Andermatt

Kurz nach der Bekanntgabe des Rauswurfs von Stefan Niedermaier als Chef des Stade de Suisse war Fritz Bösch aufgebracht: Er weilte Anfang August im Tirol und erholte sich von einer Krankheit. Doch er war nicht an die Verwaltungsratssitzung eingeladen worden, an der Benno Oertig und die Gebrüder Rihs über die Ablösung von Stefan Niedermaier durch Ilja Kaenzig entschieden. Dies, obwohl er telefonisch erreichbar war. Schon damals liess Bösch durchblicken, dass er sich bei den Young Boys zurückziehen will.

Beschleunigter Rückzug

Nun hat Bösch seinen Abgang vollzogen: Er tritt per Ende Jahr aus dem Verwaltungsrat der Sport&Event Holding AG zurück. Diese ist die Besitzergesellschaft des Stadions (ohne Einkaufszentrum) und des Fussballklubs. In der Medienmitteilung betont der Verwaltungsrat der Sport&Event Holding AG, dass Bösch dem Verwaltungsrat seinen Rücktritt bereits im Frühling 2010 angekündigt habe. Bösch bestätigt dies. Er betont aber, dass die abrupte Absetzung von Niedermaier diesen Schritt beschleunigt habe.

Verkaufsgespräche mit Rihs

Bösch bricht indes nicht vollständig mit den Young Boys. Er bleibt im Beirat des Fussballklubs und lebenslanges Mitglied des President’s Club von YB. Ausserdem ist er nach wie vor Aktionär der Sport&Event Holding, an der er einen Anteil von 1,7 Prozent besitzt. Allerdings hegt er Verkaufsabsichten: «Ich führe mit Andy Rihs Gespräche über einen Verkauf meines Aktienpakets», sagt er.

Ärger über den Stil

Im Gespräch macht Bösch deutlich, dass er die Art und Weise der Absetzung von Niedermaier nach wie vor als Fehler erachtet: «Hinter einem solchen Vorgehen kann ich nicht stehen. Es ist damit viel Goodwill zerstört worden. Ein solcher Stil kommt in Bern schlecht an», betont er. Er hoffe nun, dass dieser Entscheid keine negativen Folgen für die Unterstützung durch die Fans oder die Sponsoren haben werde, betont er.

Auch er sei der Ansicht gewesen, dass es bei Stefan Niedermaier zu einer zu starken Kumulierung von Aufgaben gekommen sei. «Am Schluss hat er das gesamte Fussballgeschäft geführt», sagt er. Laut Bösch hätte es aber durchaus eine andere Lösung gegeben. Seiner Ansicht nach wäre es möglich gewesen, das Aufgabengebiet von Stefan Niedermaier als Verantwortlichen für den Stadionbetrieb neu zu definieren.

Für Bösch war es nicht ausgeschlossen, dass Stefan Niedermaier bereit gewesen wäre, auch unter dem neuen Delegierten des Verwaltungsrats Ilja Kaenzig zu arbeiten. «Es ist ein Unternehmen, das 40 Millionen Franken umsetzt. Da gibt es genug Aufgaben.»

Für die Absetzung von Niedermaier sieht er vor allem einen Grund: «Der Kern des Problems bestand darin, dass sich Benno Oertig, der Präsident der Sport&Event Holding AG, und Stefan Niedermaier nicht verstanden haben», sagt Bösch.

«Sport und dann das Geld»

Was die laufende Saison betrifft, ist Bösch skeptisch: «Es stellt sich die strategische Frage, ob zuerst die sportlichen oder die finanziellen Ziele kommen», sagt er. Für ihn sei klar, dass zuerst die sportlichen Ziele erreicht werden müssten. «Dann kommt auch der finanzielle Erfolg – wie das Beispiel Basel zeigt.»

Bösch ist der Ansicht, dass sich die Besitzer des Stadions und des Fussballklubs überlegen müssen, die Fussballmannschaft weiter zu verstärken, denn es gebe noch zu viele Schwachstellen in der Mannschaft. «Doch das braucht Investitionen», sagt er.

In Bezug auf die laufende Saison hat er Bedenken. «Im Hinblick auf die neue Saison hat innerhalb der Mannschaft ein massiver Umbruch stattgefunden. Es ist noch nicht ersichtlich, dass jeder für den anderen rennt. Mit elf Fussballern hat man noch kein Team», betont er. In dieser Saison komme nun noch erschwerend hinzu, dass die Mannschaft in der Meisterschaft nicht überzeugt habe: «Wenn eine Mannschaft schlecht in die Meisterschaft startet, dann wird es schwierig. Eine Mannschaft kommt dann schnell unter Druck», erklärt er.

Verwaltungsrat seit 2005

Bösch gehörte dem Verwaltungsrat der Sport&Event Holding seit dem Umzug ins Stade de Suisse im Juli 2005 an. Von Dezember 2005 bis Mai 2007 präsidierte er zudem die YB-Betriebs AG, eine Tochtergesellschaft der Sport&Event Holding.

Der im Kanton Zürich aufgewachsene Bösch wohnt seit 50 Jahren im Kanton Bern. Er ist in erster Linie bekannt als Unternehmer: Er hatte 1959 mit 20000 Franken zusammen mit seinem Kollegen Wilfried Hügi in Biberist die Vorläuferfirma des Lysser Unternehmens Feintool gegründet. Anfang der 1960er-Jahre erfolgte der Umzug nach Lyss und die Umbenennung in Feintool. Seither wohnt Bösch in der Seeländer Gemeinde.

Bis 1998 war er Firmenchef, danach Verwaltungsratspräsident der börsenkotierten Gesellschaft. Inzwischen hat sich Bösch vollständig aus dem Management von Feintool zurückgezogen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.09.2010, 09:55 Uhr

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