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Berner Vereine stürmen die Liga – und Europa?

Von Alexander Wäfler, Fabian Ruch. Aktualisiert am 16.08.2011 6 Kommentare

Der FC Thun und YB treffen sich am Sonntag im Stade de Suisse zum nationalen Gipfeltreffen. Sachliche, provokative und augenzwinkernde Gründe, warum die nach zusammen 16 Pflichtspielen in dieser Saison noch ungeschlagenen Berner Klubs die besten Teams der Super League sind – und in den Playoffs zur Europa League die Favoriten Stoke City und Braga überraschen können.

Einer der formstärksten Fussballer der Liga: Thuns Flügelspieler Stephan Andrist ist pfeilschnell und frech im Abschluss.

Einer der formstärksten Fussballer der Liga: Thuns Flügelspieler Stephan Andrist ist pfeilschnell und frech im Abschluss.
Bild: Andreas Blatter

Platz 1 und 2

Der Blick auf die aktuelle Tabelle der Super League mit den Berner Protagonisten Thun und YB an der Spitze wirft die Frage auf, ob diese bemerkenswerte Konstellation womöglich historisch ist.
Nein, lautet die Antwort.
Zwei Berner Klubs haben schon einmal gemeinsam das Klassement angeführt – in der Saison 2005/2006. Nach zwei Spieltagen standen YB (1./Torverhältnis 6:1) und Kantonsrivale Thun (2./5:0) mit dem Punktemaximum da.
Eine dritte Berner Tabellenspitze in der obersten Spielklasse hat es seit Ende des Zweiten Weltkriegs aber nie gegeben – obwohl manchmal bis zu drei Berner Vertreter mitwirkten. YB, Thun, der FC Bern, Biel und Moutier haben alle NLA-Erfahrung. tww

Thun sei ein sehr eingespieltes Team, konstatierte Lausanne-Coach Martin Rueda am Sonntag nach dem 2:5 seiner Mannschaft in der neuen Arena. Er hatte das Erfolgsrezept des neuen Leaders erkannt. Im Unterschied zu anderen Super-League-Teams ist bei den Thunern ein klares System zu erkennen. Im 4-2-3-1 erfüllt jeder Spieler seine Aufgaben. Bestes Beispiel sind die Aussenverteidiger. Benjamin Lüthi lieferte in fünf Super-League-Partien zwei Vorlagen. In der Europa-League-Qualifikation gelangen ihm zwei Tore und ein Assist. Marc Schneider traf in Palermo. Auf Kosten der Ordnung geht der Offensivdrang nur selten. Thun ist kaum zu schlagen.

Nach der erfolgreichen letzten Saison hat der FC Thun die Abgänge eins zu eins ersetzt. Mauro Lustrinelli kehrte anstelle von Nick Proschwitz aus Bellinzona zurück, Christian Schneuwly kam für Stefan Glarner. Nach dem Doppelpack gegen Lausanne steht Lustrinelli bei drei Saisontoren und zwei Vorlagen. Noch dominanter tritt die YB-Leihgabe Schneuwly auf: Drei Treffer und vier Assists machen ihn zum Topskorer der Liga. In Bern dürften sich die YB-Verantwortlichen ärgern, haben sie Schneuwly abgegeben. Aber immerhin verhinderten sie, dass im Leihvertrag eine Kaufoption festgeschrieben wurde.

Während sich die Neuen exzellent eingefügt haben, entwickelten sich die anderen jungen Thuner weiter. Lüthi ist einer der konstantesten Aussenverteidiger der Liga. Andreas Wittwer gelang gegen Lausanne sein erstes Tor in der Super League. Ein Überflieger ist Stephan Andrist. Der Ruf «Andrist ins Nationalteam!» ist bereits zu vernehmen in Thun. Ausgeschlossen ist es nicht, dass Nationaltrainer Hitzfeld auf den Flügelspieler aufmerksam wird: Andrist ist pfeilschnell, frech im Abschluss und fühlt sich auf beiden Seiten des Spielfelds wohl. Der 23-Jährige wäre die perfekte Ergänzung zu Basels Shaqiri.

Sechs Partien (inklusive der Eröffnungspartie gegen Köln) hat der FC Thun in der neuen Arena bestritten, keine hat er verloren. Nicht einmal gegen den Serie-A-Verein Palermo. Lüthi weiss, wieso: «Endlich hören wir die Anfeuerungsrufe der Fans. Das Stadion ist unsere Festung.» Die Stimmung in der kompakten Arena ist viel besser als zuvor im Lachen-stadion. Das Publikum ist die Nummer 12 der Mannschaft – so wie es auf dem Trikot steht, das der Klub den Anhängern übergab, und das nun über der Fankurve unter dem Dach hängt.

Das Selbstvertrauen, mit dem Thun am Sonntag in Bern zum Derby antritt, wird grenzenlos sein. Nach dem Aufstieg und dem Klassenerhalt haben die Oberländer die Phase 3 gezündet. Sie wissen kaum noch, wie es ist, gegen YB zu verlieren, zuletzt war dies im März 2008 der Fall. Letzte Saison endeten drei von vier Derbys unentschieden, das vierte gewann Thun in Bern 1:0. Am Donnerstag sollen zunächst aber die Engländer von Stoke City im Playoff-Hinspiel zur Europa League die Thuner Überzeugung zu spüren kriegen.

Thuns Trainerteam hat alles im Griff. Bernard Challandes bringt einerseits seine Erfahrung ein und sorgt dafür, dass die jungen Spieler nicht abheben. Andererseits treibt er sie mit dem Feuer an, das nach all den Trainerjahren noch immer in ihm brennt. Der 60-Jährige kann sich auf seine Assistenten verlassen: Fitness- und Konditionstrainer Eric-Pi Zürcher ist mit seinen Übungen und Hilfsmitteln dafür verantwortlich, dass Challandes trotz zuletzt grosser Belastung jeder Spieler zur Verfügung steht. Ex-Bundesliga-Stürmer Adrian Kunz schiebt mit den Offensivspielern Zusatzschichten, um sie noch torgefährlicher zu machen. Mit Erfolg: Andrist hat mit drei Toren bereits so oft getroffen wie in der ganzen letzten Saison.

Young Boys

YB ist jetzt ein Resultatteam. Das heisst: YB ist schwer zu bezwingen, das haben die ersten 7 Pflichtspiele der Saison eindrucksvoll bewiesen. Und leistungsmässig besitzt das Team ja noch erheblichen Raum zur Steigerung. Wie gut werden die Young Boys erst sein, wenn sie richtig gut spielen? Erster Grund, warum der Berner Verein ernsthaft vom ersten Meistertitel seit 1986 träumen darf, ist ?selbstredend ?Christian ?Gross. Der ?57-jährige ?Trainer, ?auch be- ??kannt unter Bezeichnungen wie Titeltrainer, Erfolgstrainer oder eben: Resultattrainer, hat den Betrieb im Stade de Suisse mit seiner beharrlichen, akribischen Arbeitsweise durchgelüftet. Der neue Wind ist frisch – und sehr erfolgversprechend.

Christian Gross lebt eine Leistungskultur vor, die bei YB einer Revolution gleicht. Vorbei sind die Zeiten, als man sich in bernischer Gemütlichkeit hinter den anderen versteckte. Gross will immer das Optimum, er fürchtet sich nicht vor Basel oder Braga – und schon gar nicht vor Thun. Mit Selbstverständlichkeit werden unverdiente Erfolge wie das 3:0 am Sonntag bei GC als Arbeitssiege mitgenommen. Jetzt zählen im Prinzip nur noch Titel bei YB. Und die Champions League ist in den Plänen der Verantwortlichen kein Traum mehr. Sondern das Ziel.

Um die hohen Erwartungen zu erfüllen, steht ein glänzend besetztes, teures, enorm breites Kader zur Verfügung. Viele Schweizer bei YB haben schon fürs Nationalteam gespielt – und nicht jeder besitzt bei den Bernern einen Stammplatz. Der talentierte Spielmacher Moreno Costanzo fällt nun mit einer Bänderverletzung am rechten Fussgelenk, zugezogen im Gastspiel bei GC, rund einen Monat aus. Kein Problem für die Young Boys, das Personal bietet genügend Alternativen. Der Konkurrenzkampf ist riesig, der junge Finne Juhani Ojala erhöht seit gestern den Druck. Christian Gross erlaubt seinen Akteuren kein Nachlassen, sonst droht die Ersatzbank. Oder sogar die Tribüne. Und das gilt für sämtliche Positionen.

Selbstverständlich stehen herausragende Individualisten im Team. Der schwedische Mittelfeldmotor Alexander Farnerud ist der vielleicht kompletteste Fussballer der Liga. Und Gross scheint es zu gelingen, David Degens gewaltiges Potenzial auszureizen. Kurbelt Farnerud den Aufbau an, fliegt Degen am rechten Flügel und trifft Henri Bienvenu (endlich) regelmässig das Tor, stimmen die Perspektiven. YB möchte den Zuschauerschnitt auf über 25000 pro Heimspiel heben. Erreicht der Klub übermorgen im Playoff-Hinspiel zur Europa League in Portugal gegen Braga ein ansprechendes Resultat, könnte das Stadion gegen den kleinen Kantonsrivalen Thun am Sonntag ausverkauft sein. Mit Freude verfolgt man bei YB übrigens die Entwicklung des ausgeliehenen Talents Christian Schneuwly im Oberland. Der FC Thun ist so nett und sorgt dafür, dass der Offensivspieler im nächsten Sommer verbessert und gereift zurückkehrt. Und vielleicht nimmt er Stephan Andrist gleich mit. Am linken Flügel würde der flotte Dribbler den Konkurrenzkampf in Bern bestimmt anheizen.

YB ist bestrebt, nachhaltig erfolgreich arbeiten zu können. Fähige Leute wie der Technische Direktor Hansruedi Hasler garantieren Qualität. Noch ist der FC Basel einige Jahre voraus. Ein Nachwuchscampus ist auch in Bern das Ziel, aber die katastrophalen Bedingungen in der Hauptstadt bezüglich Trainingsmöglichkeiten sind ein Problem.

Davon lässt sich Christian Gross nicht beirren. Wer solche Spiele wie zuletzt bei GC gewinnt, kann ja nur Meister werden. Die Aussichten sind günstig. Rivale Basel schwächelt, hat Verletzungspech und steht vor anstrengenden Champions-League-Partien im Herbst. Und einen Vorsprung von 13 Punkten würde YB unter Gross nicht verspielen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.08.2011, 06:51 Uhr

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6 Kommentare

Urs Burkhardt

16.08.2011, 09:19 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Eine Thuner "Festung" die gegen höchste bescheidene Albaner aus Shkodra fast schon ein erstes Mal eingestürzt wäre... Wie schnell man doch vergisst... Antworten


Martin Häberli

16.08.2011, 09:43 Uhr
Melden 5 Empfehlung

"Und einen Vorsprung von 13 Punkten würde YB unter Gross nicht verspielen." - Erst mal muss er 13 Punkte Vorsprung rausspielen. Die 13 Punkte hat damals nicht der Coach verspielt. Ghezal "ging", sein Ersatz Lingani verletzte sich sogleich und die Alternativen in der Abwehr waren nicht wirklich vorhanden, vorallem in den Spielen in Sion und in Luzern war das der Hauptgrund für die Niederlagen. Antworten



Programm & Resultate

Freundschaftsspiel
EndeSpanien - Serbien2:0
EndeSchweiz - Deutschland5:3
EndeNorwegen - England0:1
Playoff
EndeSion - Aarau3:0
Stand: 26.05.2012 20:56
Brussels Ladies Open
26.05EndeRadwanska - Halep7:5 6:0
Stand: 26.05.2012 17:02
GP Monaco 2012 - Qualifikation
1:14.3011 Michael Schumacher
1:14.3812 Mark Webber
1:14.4483 Nico Rosberg
Stand: 27.05.2012 23:40
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Roland Garros
27.05EndeCipolla - Wawrinka3:6 3:6 6:4 6:3 2:6
Stand: 27.05.2012 16:09
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Playoff
17:00Aarau - Sion
Stand: 25.05.2012 09:25
Roland Garros WTA
28.0516:15Radwanska - Jovanovski
Roland Garros
28.0512:15Federer - Kamke
28.0513:30Djokovic - Starace
Stand: 25.05.2012 15:24
Keine Daten vorhanden
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