Sport
Auffangbecken? Seniorenliga? Oder womöglich die Liga der Zukunft?
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 29.07.2010
Stichworte
1. Bundesliga
| R | M | Sp | S | U | N | Tvh | P |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Kaiserslautern | 2 | 2 | 0 | 0 | 5:1 | 6 |
| 2. | Hoffenheim | 2 | 2 | 0 | 0 | 5:1 | 6 |
| 3. | Mainz | 2 | 2 | 0 | 0 | 6:3 | 6 |
| 4. | Hamburger SV | 2 | 2 | 0 | 0 | 5:2 | 6 |
| 5. | Hannover 96 | 2 | 2 | 0 | 0 | 4:2 | 6 |
| 6. | Borussia Mönchengladbach | 2 | 1 | 1 | 0 | 7:4 | 4 |
| 7. | St. Pauli | 2 | 1 | 0 | 1 | 3:2 | 3 |
| 8. | Borussia Dortmund | 2 | 1 | 0 | 1 | 3:3 | 3 |
| 9. | Bayer Leverkusen | 2 | 1 | 0 | 1 | 5:6 | 3 |
| 10. | Werder Bremen | 2 | 1 | 0 | 1 | 5:6 | 3 |
| 11. | SC Freiburg | 2 | 1 | 0 | 1 | 3:4 | 3 |
| 12. | Bayern München | 2 | 1 | 0 | 1 | 2:3 | 3 |
| 13. | Nürnberg | 2 | 0 | 1 | 1 | 2:3 | 1 |
| 14. | Wolfsburg | 2 | 0 | 0 | 2 | 4:6 | 0 |
| 15. | Schalke 04 | 2 | 0 | 0 | 2 | 2:4 | 0 |
| 16. | Eintracht Frankfurt | 2 | 0 | 0 | 2 | 2:5 | 0 |
| 17. | 1. FC Köln | 2 | 0 | 0 | 2 | 3:7 | 0 |
| 18. | VfB Stuttgart | 2 | 0 | 0 | 2 | 1:5 | 0 |
Die Verwirklichung dieses Transfers ruft Erstaunen in Fussball-Europa vor. Schalke 04, ein Klub aus dem Ruhrgebiet, schnappt sich einen Stürmer, der Real Madrid als lebende Sturm-Legende verlässt. Rauls Torriecher würde man eigentlich ab der kommenden Saison eher irgendwo in England, Spanien oder Italien erwarten als in der hausbackenen Bundesliga. Aber nun ist er ein «Knappe» aus dem Kohlenpott und sagt artig, wie es sich gehört: «Ausschlaggebend war, dass sich Schalke seit Monaten um mich bemüht hat. Ich danke dem Klub für das Vertrauen und sehe eine neue Herausforderung.»
Selbst wenn der 33-jährige Spanier bei den Königlichen aus Madrid zuletzt nicht mehr erste Wahl war, so dürfte er allemal gut genug für die Bundesliga sein. Raul weiss als Fussball-Profi, was auf dem Markt und in der Szene abgeht. Er hat vernommen, dass die Bundesliga in den letzten Jahren an Attraktivität enorm zugelegt hat: Neue und ausverkaufte Stadien, begeisterungsfähige Fans, pünktliches Überweisen der hohen Löhne und ein Niveau, das mehr als nur respektabel ist. «Die Bundesliga ist eine der besten Ligen in Europa mit einem sehr intensiven Wettbewerb», erklärt Raul bei seiner Vorstellung im Kohlenpott. Es ist durchaus möglich, dass der Profi auch glaubt, was er sagt.
Das Lechzen nach der Jugend
In der Tat hat die Bundesliga in Europa an Wertschätzung gewonnen – nicht nur wegen der Final-Qualifikation von Bayern in der Champions League. Fussball-Liebhaber von der Insel schwärmen geradezu von Deutschlands Elite-Liga und wenden sich mehr und mehr von der Premiere League ab, weil dort die Darsteller überbezahlt sind und britische Eigengewächse immer weniger die Chance haben, sich zu bewähren. Dass in der Bundesliga einheimisches Schaffen im Fussball-Alltag noch Gültigkeit hat, wird im Mutterland des Fussballs neidisch zur Kenntnis genommen. England lechzt nach grossen Talenten und jugendlichen Figuren, wie sie Deutschland in Khedira, Özil, Müller oder Badstuber hat.
Aber auch die Zahl von namhaften Profis hat in Deutschland stetig zugenommen. Michael Ballack ist aus London zurückgekehrt. Der Holländer Ruud van Nistelrooy versucht in Hamburg, wieder Tore am laufenden Band zu schiessen. Arjen Robben hat seine Karriere bei den Bayern ebenso neu lancieren können wie einst Mark van Bommel. Schliesslich gibt auch Franck Ribéry der Bundesliga seit 2007 ein markantes Gesicht, wenn er denn auch mal spielt und nicht gerade wegen seinen amourösen Abenteuern mit der Justiz in Konflikt gerät. Kurzum: Die Bundesliga ist wieder en vogue, nicht zuletzt bei den Aktiven.
Eine Liga «Dubai de luxe»?
Kritiker bemängeln allerdings die Tatsache, dass es sich bei den kickenden Promis meistens um Fussballer handelt, die im fortgeschrittenen Alter stehen. «Raul reiht sich mit dem Wechsel zu Schalke in den Senioren-Reigen der Bundesliga ein», schreibt die renommierte «Süddeutsche» hämisch in einem Kommentar und erwähnt dabei die Namen Ballack (33, Leverkusen), van Nistelrooy (34, Hamburg) oder Sami Hyypiä (36, Leverkusen). «Beim Anblick dieser würdigen Galerie könnte man auf die Idee kommen, die Bundesliga für ein luxuriöses Austragsstüberl zu halten, für eine Art europäisches Dubai.» Dazu sei sie eine Wiederaufbereitungsanlage für ehemalige Profis von Real Madrid, schreibt die Zeitung aus München. «Arjen Robben ist allerdings zu jung, um die Altersteilzeit-Theorie gelten zu lassen.»
Die kritischen Argumente mögen ihre Berechtigung haben. Aber gerade die holländische Fraktion der Bayern, die in Spanien in Ungnade fiel oder nicht auf Touren kam, führte 2010 den deutschen Rekordmeister in den Champions-League-Final. Die Bundesliga hat sich zum Nischenprodukt im Welt-Fussball gemausert, das beim grossen Publikum ankommt. Der Fussball in Deutschlands stimmungsvollen Arenen ist auch qualitativ gut, sowohl punkto Tempo als auch Technik. Und last but not least ist die Bundesliga in Sachen TV hervorragend abgedeckt. Keine andere Liga wird derart hervorragend im Fernsehen produziert wie die deutsche. Dank der Konferenz-Schaltung vergisst der TV-Konsument gerne, dass es auch auf deutschen Rasenvierecken zuweilen rustikal und langweilig sein kann.
Kurzum: Die Bundesliga ist wieder konkurrenzfähig, sie ist eine gute sportliche Show. Und Routiniers wie Ballack oder Raul haben nun die Gelegenheit zu beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen im Business gehören. Das kann unglaublich motivierend für die Promis sein. (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 29.07.2010, 14:31 Uhr



