Auf und neben dem Spielfeld ausdrucksvoll
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 25.08.2011 2 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
Es gibt Fussballer, deren Wert für ein Team man auf dem Spielfeld sieht. Wie Alexander Farnerud.
Und es gibt Fussballer, deren Wert für ein Team man sieht, wenn sie nicht auf dem Spielfeld stehen. Wie Alexander Farnerud.
Alexander Farnerud ist vieles bei YB, er ist in diesen Saisonstartwochen zum Beispiel: Regisseur, Motor und Torschütze, Ballverteiler, Freistossspezialist und Vorkämpfer. Und so freuen sich die Young Boys, kehrt der Schwede heute gegen Braga ins Team zurück. Trainer Christian Gross sagt: «Farnerud ist in grosser Form. Er wird unserem Spiel guttun.» Am Sonntag, bei der 0:2-Heimniederlage gegen Thun, fehlte Farnerud verletzt – und dem YB-Team damit sein Antreiber im Aufbau. «Farnerud besitzt ausgezeichnete Fähigkeiten», sagt Gross, «er hat das ja zum Beispiel auch im Hinspiel beim 0:0 in Braga unter Beweis gestellt.»
Pflaster statt Riesenturban
Vor einer Woche aber erlitt Farnerud in Braga in einem Zweikampf Mitte der zweiten Hälfte eine tiefe Wunde an der Stirn. Die starke Blutung sowie die Kopfschmerzen zwangen den Mittelfeldspieler zur sofortigen Auswechslung – und auch am Sonntag gegen Thun musste Farnerud mit Nackenproblemen und Kopfweh passen. «Ich weiss nicht, wie die Verletzung entstand», sagt Farnerud, «aber ich glaube, ich wurde vom Ellenbogen eines Braga-Spielers getroffen.»
Den adretten gelben Riesenturban, den Farnerud auf der Rückreise aus Portugal trug, hat er längst in ein kleines, weisses Pflaster oberhalb des linken Auges eingetauscht. Und die Schmerzen sind kein Faktor mehr. «Ich bin einsatzbereit und fühle mich gut», sagt Farnerud, der seit Januar in Bern engagiert ist und als Glücksgriff bezeichnet werden darf. Der 27-Jährige ist ein dominanter, gut ausgebildeter Fussballer, ballsicher und zielstrebig, der mit Zweikampfstärke, Übersicht und Torgefahr brilliert. Es ist eine Kombination von Fertigkeiten, die selten vorkommt. Die schwedische Nationalmannschaft ist zu beneiden, kann sie es sich derzeit leisten, auf den 8-fachen Nationalspieler (2 Tore) und 35-fachen U-21-Auswahlspieler (12 Treffer) zu verzichten. «Natürlich würde ich sehr gerne für Schweden spielen», sagt Farnerud. «Aber das wäre ein Bonus für mich. Am wichtigsten ist es, mit YB Erfolg zu haben und Titel zu gewinnen. Und jetzt wollen wir zuerst mal die Europa League erreichen.»
Farneruds Lob für Gross
Trainer und Spieler mögen es ja nicht so, wenn man über die Abhängigkeit von einzelnen Fussballern spricht. «Ich glaube nicht, dass man mein Fehlen gegen Thun bemerkt hat», sagt Farnerud bescheiden. Und Mario Raimondi lobt seinen Teamkollegen natürlich überschwänglich («Farnerud ist ein fantastischer Fussballer, der auch die Mitspieler besser macht»), aber Raimondi sagt auch: «Wir hätten gegen Thun genügend Chancen gehabt, um drei oder vier Tore zu erzielen. Dann würde jetzt keiner sagen, Farnerud habe uns gefehlt.»
Mario Raimondis Analyse ist zweifellos korrekt, doch langfristig würde sich ein Ausfall Farneruds bestimmt nachteilig für YB auswirken. Und heute, in der bedeutsamen Begegnung gegen Braga, kann Farnerud seinen enormen Wert ja wieder unter Beweis stellen. «Das ist ein sehr wichtiges Spiel für uns», sagt der Mittelfeldlenker. Und: «Ich finde, wir haben bisher gut gespielt. Trainer Christian Gross arbeitet sehr präzis, ist top vorbereitet und weiss genau, was er will.» Und das Zusammenspiel mit Michael Silberbauer im zentralen Aufbau funktioniere gut, lobt Farnerud. «Er ist der defensive Spieler, der als geschickter Stratege viele Bälle erobert. Und ich habe dadurch die Möglichkeit, mich in der Offensive zu entfalten.»
Sprachenmix mit Silberbauer
Wenn die Skandinavier miteinander sprechen, tut das der Däne Michael Silberbauer übrigens auf Dänisch – und der Schwede Alexander Farnerud auf Schwedisch. «Wir verstehen uns gut», sagt Farnerud, der aus der Gegend um Landskrona stammt. «Weiter oben im Norden Schwedens ist der Dialekt aber komplett anders.» Wie Silberbauer wirkt auch der freundliche Farnerud mit seiner leisen, hohen Stimme im Gespräch manchmal wie ein Traumschwiegersohn. Sein furchterregend tätowierter rechter Arm sowie die zuweilen rustikale Zweikampfführung und aggressive Spielweise verraten aber kämpferische, draufgängerische Seiten. Farnerud ist eben auf und neben dem Spielfeld für Überraschungen gut. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.08.2011, 08:08 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
2 Kommentare
Sport
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Bitte warten