Engpass für Läufer und Gucker
In der unteren Altstadt haben alle das Gleiche im Sinn. An diesem Pfingstsamstag, als sich die Wolken zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wieder einmal lichten, wollen alle nur das schöne Wetter geniessen. Auf engstem Raum tun das viele – auf verschiedene Art und Weise.
Der sportliche Teil rennt den Grand Prix von Bern, bewegt sich stadtaufwärts, dicht gedrängt, Bein an Bein, auf der Suche nach dem ultimativen Grenzerlebnis. Andere säumen den Rand der Laufstrecke, um bei Weisswein, Bier und Raucherwaren der etwas anderen Lust zu frönen. Und zu guter Letzt wird in der Nydeggkirche auch noch geheiratet; zwischen keuchenden Läufern, knipsenden Japanern und dem samstäglichen Sonntagsvolk findet ein Paar doch tatsächlich genügend Zeit und Raum, sich das Jawort zu geben.
Der erste Bärensichtschutz
Auf der Nydeggbrücke kommt es für die bunte Gesellschaft zu einem Engpass. Hier stossen nämlich noch die Bärenfans dazu – Urs, Berna und der «Jöö-Effekt» sorgen wie gewohnt für eine grosse Kulisse. «Ich wollte meinen Kindern das erste Mal den neuen Bärenpark zeigen», sagt Ingrid Schumacher aus Burgdorf. Annina und Nicola kannten die knuffigen Jungbären bis anhin nur aus dem Fernsehen, die Rückkehr der Sonne an Pfingsten liess die Gelegenheit günstig erscheinen. «Nun sind wir halt ins offene Messer gelaufen, denn vom GP wussten wir nichts», erklären die Schumachers, während sie auf der Brücke einen guten Aussichtsplatz zu ergattern versuchen.
Wenige Meter daneben verengt sich das Trottoir über etwa hundert Meter. Wenn genau dort die Bärenbeobachter auf die sportlich Interessierten treffen, wird es sehr eng. Jene, die ihren joggenden Helden bereits nach dem ersten Kilometer zujubeln wollen, müssen dort die Einzigen bleiben, sonst würde das Publikum die Laufstrecke versperren. Das hat auch die Stadt erkannt und so für den GP-Nachmittag den ersten Berner Bärensichtschutz errichtet.
«Erscheint notwendig»
Das grüne, etwa zweieinhalb Meter hohe Netz stösst auf Verständnis. Verena und Hansjörg Egli betrachten das Spektakel von der ruhigeren Westseite der Brücke aus. «Angesichts der Menschenmassen erscheint der Schutz notwendig», findet das Stadtberner Ehepaar. Dass sich die beiden unters Volk in der Altstadt gemischt haben, hat keinen besonderen Grund: «Das hat sich so ergeben. Wir kennen niemanden, der am GP mitläuft, und auch die Bären sehen wir nicht zum ersten Mal.»
Auf der anderen Seite haben Stimmung und Gedränge ihren Höhepunkt erreicht. Bald startet die Elite und wird in Windeseile beim Bärenpark sein. Die Profiläufer sind jedoch erst der Anfang. Bald trifft die Breitensportmasse ein, Hände winken, Läufer suchen Bekannte und umgekehrt. Noch lange hat es Volk auf der Brücke, die Sonne geht schliesslich so schnell nicht wieder weg. Wem es zu heiss wird, kann sich getrost in den Schatten begeben – zum Beispiel vor dem Sichtschutz auf der Brücke. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.05.2010, 08:10 Uhr
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