Doppelt hält besser
Von Thomas Wälti. Aktualisiert am 25.05.2010
Auf der GP-Strecke fühlt sich Markus Borer, 45, fast schon heimisch. Schliesslich lief der Softwareingenieur aus Kaufdorf am Samstag schon zum sechsten Mal in Folge die 16,093 Kilometer durch Bern. Dennoch feierte er dieses Mal eine ganz besondere Premiere: Borer ging zweimal an den Start – erst unterstützte er seinen jüngeren Sohn Raphael, 15, am Altstadt-GP, eine Stunde später diente er seinem älteren Filius Dominik, 17, als Pacemaker auf der 10-Meilen-Strecke. Noch nie war er mit seinen Söhnen am Grand Prix gemeinsam unterwegs gewesen. Borer war einer von insgesamt elf Doppelstartern, die offenbar den ganz harten Kick suchen.
Halbmarathon durch Bern
Für Markus Borer stand bereits Anfang Jahr fest, dass er beim 29.GP von Bern zweimal antreten wird. «Ich konnte Dominik motivieren, es einmal über 16,093 Kilometer zu versuchen», sagt der laufbegeisterte Vater. Raphael, sein jüngerer Spross, ist ein geübter Läufer über 4,7 Kilometer. «Ich nehme zum sechsten Mal am Altstadt-GP teil», sagte der Sekundarschüler beim Aufwärmen am Guisanplatz. Borer ist es sich seit drei Jahren gewohnt, am GP kilometermässig einen Halbmarathon zu laufen. Seine Frau Irene hatte sich 2007 bei einem Skiunfall so schwer am Knie verletzt, dass sie Raphael am Lauf durch den unteren Teil des Unesco-Welterbes nicht mehr begleiten konnte. Ihren Part übernahm Markus; 2007, 2008 und 2009 lief er erst mit seinem jüngeren Sohn, um wenig später allein den Hauptlauf zu bestreiten (Bestzeit 1:15,48). Immer als moralische Stütze an der Strecke mit dabei: Irene Borer. Sie sagt: «Ich begrüsse es, dass meine Söhne nicht über die gleiche Distanz laufen. So gibt es keine Rivalität, so bleibt die Harmonie bestehen.»
Söhne 2 Sekunden schneller
«Gegen die unwiderstehlichen Schlussspurts meiner Söhne war ich chancenlos», erzählt Markus Borer nach den Läufen mit einem verschmitzten Lächeln. Er nimmt die Niederlagen gelassen. Jeweils zwei Sekunden nahmen die Söhne ihrem Vater ab; Raphael kam nach 28:24 Minuten ins Ziel, Dominik nach 1:32,58 Stunden. «Die Hitze machte uns am meisten zu schaffen. Wir kühlten uns bei jeder Wasserstelle ab», sagte Markus Borer. Als Lohn für seine schweisstreibenden Runden hätte der Doppelstarter zwei Medaillen in Empfang nehmen können. Er begnügte sich mit einer Auszeichnung. «Ein Souvenir reicht mir. Die intensivsten Erlebnisse habe ich ohnehin im Kopf abgespeichert.»
Dreimal pro Woche trainiert Markus Borer auf der Joggingrunde. Meistens abends, denn tagsüber arbeitet er als Softwareentwickler in Köniz. «30 bis 35 Kilometer kommen wöchentlich zusammen.» Die Söhne seien ab und zu dabei, vor allem Dominik habe Freude am Laufsport gefunden. «Er hat gemerkt, wie gut ihm das tut», sagt Borer. Im März 2009 wünschte sich Dominik ein Videospiel. «Ich schenke dir so ein Game, habe ich zu ihm gesagt, einzige Bedingung: Du musst am Halbmarathon Gürbetal teilnehmen.» Dominik bereitete sich drei Monate lang gewissenhaft vor, lief die 21 Kilometer rund um Mühlethurnen wie ein alter Routinier – und freute sich selbstverständlich über das Videospiel.
Nächstes Jahr will Markus Borer auf jeden Fall wieder am Grand Prix von Bern teilnehmen – als Doppelläufer natürlich, an der Seite seiner beiden Söhne. (Berner Zeitung)
Erstellt: 25.05.2010, 08:07 Uhr
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