YB agierte harmlos und ideenlos
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 28.10.2011 33 Kommentare
Heisse Köpfe nach dem Schlusspfiff
Es waren turbulente Szenen, die sich in Neuenburg nach dem Schlusspfiff abspielten. Die Emotionen kochten hoch, wenige Minuten vor Spielende war YB im schwierigen Auswärtsspiel gegen Xamax doch noch ein Tor gelungen. Der Treffer von Raphael Nuzzolo wurde aber wegen Offside aberkannt – zu Unrecht. Und so investierte der zuvor verhalten spielende David Degen seine Energie nach dem Spiel in den verbalen Zweikampf und wollte Schiedsrichter Nikolaj Hänni seinen Unmut gleich persönlich in dessen Kabine kundtun. Trainer Christian Gross stellte sich schliesslich vor Hännis Tür, Degen liess sich auch von seinem Trainer nur mit Mühe beruhigen. Daneben tauschten die beiden Captains Marco Wölfli und Stéphane Besle einige «Nettigkeiten» aus.
«Ja, die heissen Köpfe haben sich etwas abgekühlt», sagte Wölfli einige Minuten später, frisch geduscht. «Es war kein attraktives Spiel», gab der YB-Goalie zu, «doch eigentlich hätten wir es mit dem Tor in der letzten Minute gewinnen können.» Dass dies durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters verunmöglicht wurde, sei schade, «einmal mehr», wie Wölfli kons-terniert anfügte. Positiv stimmte den Goalie an diesem Abend einzig, dass es bis zum nächsten Spiel und somit zur «nächsten Chance für uns» nicht mehr lange dauert. Am Sonntag wartet im Heimspiel der Tabellenletzte Lausanne, «da müssen wir unbedingt mehr Torchancen kreieren», befand Wölfli.
Dass der Weg zum Tor gegen das nach einem schwachen Saisonstart wiedererstarkte Xamax kein einfacher werden würde, habe man schon vor dem Spiel gewusst, sagte Alain Nef. Der Innenverteidiger sprach von einer «kleinlich gepfiffenen Partie», die sogar eine Weile «ziemlich gut für uns lief». Nef meinte damit den Penalty, den Sébastien Wüthrich nach einem harten Foulentscheid im YB-Strafraum verschossen hatte. «Doch wir hatten Mühe mit diesem Gegner und konnten unser Spiel nicht aufziehen.» Aus der Sicht des Verteidigers ist Nef einzig froh, wusste YB immerhin das Gegentor bis zum Schluss zu verhindern.
Stichworte
Super League
36. Runde
| 23.05. | Basel - Young Boys | 1 : 2 |
| 23.05. | Lausanne - Grasshoppers | 2 : 1 |
| 23.05. | Sion - Luzern | 1 : 3 |
| 23.05. | Thun - FC Zürich | 2 : 4 |
Rangliste
| Name | Sp | S | U | N | G:E | P | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Basel | 34 | 22 | 8 | 4 | 78:33 | 74 |
| 2. | Luzern | 34 | 14 | 12 | 8 | 46:32 | 54 |
| 3. | Young Boys | 34 | 13 | 12 | 9 | 52:38 | 51 |
| 4. | Servette | 34 | 14 | 6 | 14 | 45:53 | 48 |
| 5. | Thun | 34 | 11 | 10 | 13 | 38:41 | 43 |
| 6. | FC Zürich | 34 | 11 | 8 | 15 | 43:44 | 41 |
| 7. | Lausanne | 34 | 8 | 6 | 20 | 29:61 | 30 |
| 8. | Grasshoppers | 34 | 7 | 5 | 22 | 32:66 | 26 |
| 9. | Sion | 34 | 15 | 8 | 11 | 40:35 | 17 |
| 10. | Xamax | 18 | 7 | 5 | 6 | 22:22 | 0 |
Und dann kam Juhani Ojala zu seinen ersten Einsatzminuten in der Super League. In der 89. Minute wechselte YB-Trainer Christian Gross den jungen finnischen Innenverteidiger ein – als Stürmer. Mit seiner Kopfballstärke sollte Ojala das Glück erzwingen, und das passte ja, denn die Young Boys hatten in Neuenburg bereits zuvor das Aufbauspiel mit langem Ball kultiviert. Und jetzt – in der Schlussphase und nach der Gelb-Roten Karte gegen Victor Sanchez in der 86. Minute in personeller Überzahl – flogen die hohen Zuspiele im Akkord in den Xamax-Strafraum. Ojala, der kräftige Defensivspieler, erledigte seinen ungewohnten Job in der Offensive tadellos, er leitete gar mehr gefährliche Torszenen ein als seine Mitspieler zuvor zusammen. Denn der BSC Young Boys erzielte in der Nachspielzeit tatsächlich den kaum für möglich gehaltenen 1:0-Siegestreffer. Ojala lenkte, natürlich, eine weite Flanke mit dem Kopf auf Alexander Farnerud weiter – und der Schwede setzte die Kopfballstafette fort, ehe Raphael Nuzzolo den Ball über die Linie schob.
Die ungenügenden Spielleiter allerdings hatten bei Farneruds Kopfball fälschlicherweise eine Abseitsposition Nuzzolos erkannt. «Ich hörte, dass der Treffer regulär gewesen sei, das ist natürlich bitter», sagte Christian Gross, ehe er süffisant erklärte: «Aber es war ja sowieso eine Runde mit sehr schwierigen Schiedsrichterentscheidungen.»
Wo war die YB-Spielidee?
Ein Sieg allerdings wäre für die Young Boys nach ihrem unansehnlichen Vortrag in Neuenburg gegen Xamax ein zu hoher Lohn gewesen. Sie waren mit dem 0:0-Unentschieden sehr gut bedient, obwohl Gross davon sprach, dass sein Team «den Sieg verdient gehabt hätte, weil wir mehr für das Spiel gemacht haben.» In Anbetracht der kläglichen YB-Offensivleistung war das eine relativ exklusive Interpretation der wenig unterhaltsamen Geschehnisse. Die Berner waren zwar optisch dominant, erfüllten aber damit kaum die Gross-Forderung nach mehr Dominanz. Christoph Spycher, der auffällige Linksverteidiger, war ihr stärkster Akteur in der Vorwärtsbewegung – damit ist über die harmlose, wirkungslose, ideenlose YB-Offensivabteilung viel gesagt.
Wenn die Young Boys eine Spielidee auf die Maladière mitgebracht hatten, so gelang es ihnen bemerkenswert gut, sie vor den nur etwas mehr als 3000 Zuschauern zu verstecken. Obwohl sich die Gäste nach dem Seitenwechsel steigerten, fehlte es ihnen weiter an Klasse und Leidenschaft, Spielfreude und Tempo, um den soliden Gegner in Bedrängnis zu bringen. Xamax-Goalie Jean-Francois Bedenik jedenfalls hatte zuvor vermutlich nie einen lockereren Einsatz erlebt. Der Ball wurde von den YB-Spielern oft mit den besten Wünschen an den bedauernswerten Adressaten weit und hoch nach vorne spediert. Ohne Spielkultur und Durchsetzungsvermögen und mit freudlosem Ballgeschiebe spulte YB sein Pensum ab.
Xamax verschoss Penalty
Immerhin gelang es den wie bei der 0:1-Heimniederlage am Sonntag gegen GC schwer enttäuschenden Young Boys dank eines starken Torhüters Marco Wölfli, den Abend ohne Gegentor zu überstehen. Xamax war besser und fleissiger, vor allem aber zielstrebiger und gefährlicher, verpasste es jedoch, das deutliche Chancenplus in einen Heimsieg zu verwandeln. Sébastien Wüthrich vergab die beste Gelegenheit, als er in der 37. Minute einen Foulpenalty an die Latte schoss. Dass es niemals hätte Elfmeter geben dürfen, weil die Intervention von YB-Spieler Moreno Costanzo gegen Geoffrey Treand fair gewesen war, passte zu diesem tristen Abend. (Berner Zeitung)
Erstellt: 28.10.2011, 06:29 Uhr
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33 Kommentare
Gleiche Mannschaftsaufstellung, gleiche lausige Vorstellung gegen Xamax wie am Sonntag gegen die GC-"Junioren" - soll das verstehen, wer will. Mit solchem Fussball vergrauelt man den treusten Fans (und Abo-Inhabern) die Lust, im Herbst und Vorwinter bei Kälte und Nässe die zwei noch ausstehenden YB-Heimspiele anschauen zu gehen ... Antworten

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