«Wir sind froh, hat Farnerud nicht gepokert»
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 20.10.2011 20 Kommentare
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YB-CEO Ilja Kaenzig benutzt eine nette Metapher, um den gestrigen Coup der Young Boys zu erklären: «Lieber ein grosser Fisch bei einem Spitzenverein im kleinen Teich sein als ein kleiner Fisch bei einem mittelmässigen Team im grossen See.» Alexander Farnerud jedenfalls, mit 27 Jahren im besten Fussballeralter, hat sich zwei weitere Jahre und deshalb gleich bis 2016 an YB gebunden – und das ohne Ausstiegsklausel!
Damit ist natürlich nicht garantiert, dass Farnerud tatsächlich noch fünf Jahre in Bern engagiert sein wird, das wäre im schnelllebigen Fussballbusiness ein naiver Gedanke. Aber es ist, wie Kaenzig sagt, «ein klares Bekenntnis von uns und von Alexander Farnerud, die Zukunft gemeinsam und vor allem erfolgreich angehen zu wollen.»
Ziele: Titel und Königsklasse
Alexander Farnerud ist seit Januar 2011 bei YB unter Vertrag, und er hat sich in nur neun Monaten als vermutlich komplettester Fussballer der Super League und als unumstrittene Führungskraft bei den Young Boys etabliert. «Mir und auch meiner Familie gefällt es sehr gut in Bern», sagt Farnerud, der mit einer Stuttgarterin verheiratet ist. «Und ich denke, wir haben eine sehr gute Mannschaft und können in den nächsten Jahren viel erreichen.» Der torgefährliche, laufstarke, dynamische Mittelfeldspieler strebt mit YB national wie international Grosses und Historisches an.
«Wir wollen Titel gewinnen, in der Meisterschaft und im Cup», sagt Farnerud, «denn ich finde, dass wir das beste Team der Schweiz sein können.» Und der Schwede glaubt auch, dass die Young Boys in naher Zukunft durchaus den erstmaligen Einzug in die Champions League realisieren könnten – oder zumindest wie letzte Saison erneut in der Europa League mitwirken. «Gegen Braga schieden wir im August ja sehr unglücklich aus.»
Im Januar auf Geld verzichtet
Mit der vorzeitigen Unterschrift unter einen langfristigen Vertrag gehört Alexander Farnerud endgültig zur Kategorie der bestbezahlten Fussballer bei YB. Über diverse Bonuszahlungen (Einsatzprämie, Punkteprämie, Titelprämie) kann auch er nun im Optimalfall wohl bis zu 800'000 Franken jährlich verdienen – was immer noch erheblich weniger ist als die grössten Lohnbezüger beim FC Basel erhalten. «Wir sind froh, hat Farnerud nicht gepokert und ebenfalls starke Signale gesendet, langfristig bei YB spielen zu wollen», sagt Kaenzig.
Farnerud hatte in der letzten Winterpause auf bemerkenswert viel Lohn verzichtet, damit YB den Transfer des damals bei Bröndby Kopenhagen spielenden Strategen finanzieren konnte. «Nun hat sich Farnerud ausgezeichnet entwickelt», sagt Kaenzig, «und deshalb ist es nichts als logisch, erhält er einen verbesserten Vertrag.» Und falls Farneruds Leistungen in der Super League weiterhin konstant sehr gut bis brillant ausfallen, könnte er irgendwann immer noch ein weiteres Mal – gegen eine hohe Ablösesumme – in eine grosse Liga (oder eben in einen grossen See) wechseln. Bei Stuttgart sowie Strassburg hatte Farnerud sein Glück ja einst nicht gefunden. Vom schwedischen Verband übrigens hat er erstaunlicherweise schon länger nichts mehr gehört. «Daran und an die Euro 2012 denke ich nicht», sagt er, «für mich zählt nur YB.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 20.10.2011, 06:20 Uhr
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