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Verkehrte Welt in Fussball-Bern

Von Alexander Wäfler. Aktualisiert am 22.08.2011 36 Kommentare

YB hat im Derby viele Chancen vergeben, Thun seine wenigen Möglichkeiten zu zwei Toren genutzt. Nach dem 2:0 führen die Oberländer die Super League weiter an, YB fällt auf Rang 4 zurück.

1/7 Verzweiflung und Enttäuschung: Die YB-Akteure (hier Emmanuel Mayuka, rechts, und Henri Bienvenu) sündigten im Derby im Torabschluss.
Bild: Andreas Blatter

   

(Video: TeleBärn)

Die YB-Spieler suchten so rasch wie möglich die Kabine auf, die Thuner Fussballer liessen sich im Stade de Suisse minutenlang von ihren Fans feiern. Verkehrte Welt in Fussball-Bern. Nach dem 2:0 bei YB sind die Oberländer mit 14 Punkten fürs Erste nicht nur die Nummer 1 im Kanton Bern, sondern weiter Leader in der Super League. YB hingegen fiel nach der Niederlage im ersten Berner Derby der Saison hinter die am Wochenende siegreichen Luzerner und Sion auf Platz 4 zurück. «Wir haben in dieser Saison noch kein Heimspiel gewonnen, das ist natürlich ärgerlich», stellte YB-Trainer Christian Gross fest. Dabei hatte es für ihn und sein Team vor 26834 Zuschauern an diesem sengend heissen Nachmittag nicht an Chancen gemangelt. Mario Raimondi, Alain Nef, Raphael Nuzzolo und Emmanuel Mayuka scheiterten bei ihren Versuchen aber allesamt am starken Thun-Goalie David Da Costa. «Es fehlte die letzte Entschlossenheit, den Ball ins Tor zu bringen», sagte Gross. Aussenverteidiger Christoph Spycher formulierte es ähnlich: «Wir müssen den Ball halt auch mal über die Linie drücken, sonst nützen alle Chancen nichts.»

Nefs «unglücklicher Einsatz»

Die Gastgeber begannen stark und hatten sich die richtige Taktik vorgenommen, um die systemtreuen Thuner, bei denen der neue Verteidiger Saif Ghezal debütierte, in Bedrängnis zu bringen. Früh setzten die Berner Offensivspieler Thuns Abwehr unter Druck, ein sauberer Aufbau gelang den Gästen in den ersten 25 Minuten nicht. Doch mit der ersten Offensivaktion kamen sie in der 29.Minute zum 1:0. Es begann mit der «unglückliche Intervention von Nef», wie es Gross ausdrückte, und endete mit dem Penaltytreffer von Dario Lezcano. Statt seinen Gegenspieler Mauro Lustrinelli im eigenen Strafraum abzudrängen und am Torschuss zu hindern, war der YB-Innenverteidiger nach dem Ball gegrätscht. Er erwischte jedoch Lustrinellis Fuss, sah im fünften Meisterschaftsspiel die fünfte gelbe Karte und musste zusehen, wie Lezcano mit seinem ersten Saisontreffer für die Thuner Führung sorgte.

In der Folge funktionierte die Thuner 3-4-2-1-Formation, die Trainer Challandes erstmals verordnet hatte, hervorragend. «So gelang es uns, die YB-Flügelspieler zu zweit abzudrängen, ohne dass wir uns in der Mitte in Unterzahl befanden, wenn eine Hereingabe in unseren Strafraum kam», freute sich Challandes.

Andrists unkluger Jubel

Nur kurz geriet Thun ins Wanken. Nach der Auswechslung des angeschlagenen Debütanten Ghezal verhinderte Goalie Da Costa mit mehreren starken Aktionen einen Gegentreffer. «In guten Zeiten kann man halt auch ein bisschen auf das Glück zählen», sagte Challandes, der nicht nur mit der veränderten Taktik eine clevere Wahl bewiesen hatte, sondern auch mit der Hereinnahme des vorerst geschonten Stephan Andrist in der 78. Minute. Der schnelle Offensivspieler verschaffte Thun mit seinen Gegenangriffen zuerst etwas Luft und sorgte dann in der 86.Minute nach einem Doppelpass mit Muhamed Demiri für das zweite Tor und die Entscheidung. Dass Andrist, geboren und wohnhaft in Thun, sein viertes Saisontor mit provozierenden Gesten ausgerechnet vor der YB-Fankurve feierte, war garantiert kein kluger Entscheid. «Es gab halt mal einen Vorfall, deshalb habe ich so reagiert», sagte Andrist, ohne näher auf diese Geschichte eingehen zu wollen. In der Rückrunde muss nicht nur Saif Ghezal mit Pfiffen im Stade de Suisse rechnen.

In der Gegenwart will Thun, das am Donnerstag bei Stoke City zum Rückspiel in den Europa-League-Playoffs und am Sonntag in Basel antritt, gemäss Challandes «den Moment geniessen, ohne zu vergessen, wer wir sind». Bei YB hingegen geht es vor dem Heimspiel gegen die Portugiesen von Braga laut Gross darum, «die Kräfte zu bündeln und zur Entschlossenheit zurückzufinden». (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.08.2011, 05:58 Uhr

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36 Kommentare

Peter Meister

22.08.2011, 07:29 Uhr
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YB besteht aus den aufgeblasenen Egos von Benno, Christian, Ilja und Konsorten sowie 11 Ich-AG's auf dem Rasen. Thun ist ein Team. Lieber Herr Gross: Fussball hat nichts mit Raketentechnologie und Hirnchirurgie zu tun, es ist ein sehr einfaches Spiel das Freude machen soll. Der FC Thun macht es Ihnen vor. Hoffentlich bis Ende Saison! Antworten


Marco Sorriso

22.08.2011, 09:54 Uhr
Melden 7 Empfehlung

wie befürchtet. seit der übernahme von gross hat sich rein gar nichts verbessert. im gegenteil, von der modernen spielkultur zu langen + hohen bällen. dies war unter gross auch zu erwarten, aber diese leidenschaftlose darbietungen zu hause sind ein skandal. meilenweit von dominanz entfernt. Antworten



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