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Der Schüler ringt dem Meister einen Punkt ab

Von Moritz Marthaler. Aktualisiert am 08.08.2011

Wie gegen Servette müssen sich die Young Boys auch in Luzern mit nur einem Punkt abfinden. FCL-Trainer Murat Yakin konnte seinem früheren und jetzigen YB-Trainer Christian Gross einen Punkt abknöpfen.

1/15 Das neue Luzerner Stadion war mit 17'000 Zuschauern ausverkauft. Und an diesem Nachmittag sollte der erste Treffer in der Geschichte der Arena fallen.
Bild: Keystone

   

Der Schüler klopfte seinem Meister noch einmal auf die Schulter, bevor beide ihren Weg gingen. Zusammen hatten Murat Yakin und Christian Gross einen erfolgreichen Weg beschritten und viele Titel gewonnen. Einige sprachen damals von Yakin, dem Abwehrchef, als verlängertem Arm von Gross, dem Trainer, auf dem Feld. Das war früher. Nun ist auch Murat Yakin Trainer; und als gestern Luzern und YB aufeinandertrafen, waren durchaus Parallelen zwischen dem jungen und dem älteren Coach zu erkennen. Beide analysierten sie die Leistungen ihrer Mannschaft sachlich und nüchtern und sprachen ehrgeizig vom «verpassten» (Gross) oder «möglichen» (Yakin) Sieg. Das 1:1 stellte keinen der beiden zufrieden, das war deutlich zu spüren. «Ich bin enttäuscht», sagte Gross. «Ich habe einiges gesehen, was wir noch verbessern können», sagte Yakin.

Verhaltener Start

In die Gänge gekommen war das Spiel nur langsam. Auch bei der zweiten Partie in der neuen Luzerner Arena war – wie beim 0:0 zwischen dem FCL und Thun vor Wochenfrist – vorderhand das Stadion der Star. Die bemerkenswerte Akustik blieb lange die einzige Musik im Spiel. Einzig David Degen hatte in der Startphase eine Chance, als er, von Nassim Ben Khalifa vorzüglich lanciert, an Zibung scheiterte (5.Minute). Bei dieser Aktion verletzte sich Degen am Sprunggelenk und wurde durch Emmanuel Mayuka ersetzt. Die Trainer Gross und Yakin zog es trotz Dauerregen im ersten Durchgang früh an die Seitenlinie, die ruhige, taktisch geprägte Startphase erlaubte ihnen, noch Einfluss auf ihre Akteure zu nehmen.

Ob es die Anordnungen von Gross oder die gefundene Abstimmung waren – der Druck der Young Boys nahm langsam, aber stetig zu. Ben Khalifa tastete sich mit zwei gefährlichen Schüssen vor, und Henri Bienvenu scheiterte kurz vor der Pause knapp aus wenigen Metern (40.). Und so fiel Emmanuel Mayukas Treffer in der 48. Minute nicht aus heiterem Himmel. Frech täuschte er rechts an, gekonnt zog er links an Claudio Lustenberger vorbei, und mutig zog er vor dem Strafraum ab.

Eine Luzerner Reaktion blieb auch nach der YB-Führung aus – vorerst, muss man rückblickend sagen. Bienvenu traf mit einem Kopfball die Latte, worauf Ben Khalifa zu einem Fallrückzieher ansetzte, bei dem er sich verletzte und ebenfalls ausschied. Er wurde durch Scott Sutter ersetzt. Derweil hatte Murat Yakin mit Adrian Winter und Jahmir Hyka frische Offensivkräfte eingewechselt. Winter trat sofort in Erscheinung und nahm Christoph Spycher den Ball ab, der dann im eigenen Strafraum gegen Hyka mit einem Foul intervenierte. Schiedsrichter Studer pfiff aber nicht – Glück für YB.

Nur drei Minuten später setzte Hyka Nelson Ferreira ein, der den Ball an den Innenpfosten setzte. Und in der 85. Minute stand der stark aufspielende Hyka plötzlich alleine vor Marco Wölfli und traf zum umjubelten 1:1. Wieder, wie vor einer Woche gegen Servette, verspielte YB einen Sieg. «Wir hätten längst höher als 1:0 führen müssen», sagte Gross. Und sein früherer Schüler, Murat Yakin, sagte, mit einem schmunzelnden Seitenblick zum einstigen Meister: «Das Tor von YB war ein Weckruf, für uns und das Publikum.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2011, 06:19 Uhr

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