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Von Dürrenast in die Champions League

Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 05.11.2008 4 Kommentare

Er ist vermutlich der erfolgreichste Fussballer aus dem Kanton Bern. Der frühere Dürrenast-Junior Zdravko Kuzmanovic, 21 Jahre alt, hat sich bei der Fiorentina durchgesetzt. Heute trifft er in der Champions League auf Bayern München.

Aufsteiger: Zdravko läuft es gut bei der Fiorentina.

Aufsteiger: Zdravko läuft es gut bei der Fiorentina.

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Die Stimmung ist aufgeheizt im sehr barocken und sehr ausverkauften Stadio Artemio Franchi, es ist Mittwochabend vor einer Woche, und die junge, talentierte Truppe der Fiorentina fordert dem italienischen Branchenprimus Inter Mailand alles ab. «Kuz, Kuz, Kuz», schallt es von den Rängen, die Tifosi sind begeistert vom Auftritt des 21-jährigen Zdravko Kuzmanovic, der viele Angriffe der stürmischen Gastgeber einleitet, ein hohes Laufpensum leistet, tolle Flanken schlägt und vor der Pause der beste Spieler ist. Bei seiner Auswechslung Mitte der zweiten Halbzeit, Kuzmanovic ist müde geworden, erheben sich die Zuschauer und applaudieren frenetisch.

Kuzmanovic winkt kurz Richtung Tribüne, und am nächsten Tag erhält er in den italienischen Sportgazetten zusammen mit Inters Starstürmer Zlatan Ibrahimovic die besten Noten des Abends. Nullzunull vor rund 40000 Zuschauern endete der Spitzenkampf, der auch als Duell «Kuzmanovic vs. Ibrahimovic» angekündigt worden war. Dürrenast, Thun, YB, Basel Der grossartige Zlatan Ibrahimovic ist vielleicht der beste Stürmer der Welt, und dieser Zdravko Kuzmanovic, geboren und aufgewachsen in Thun, ist auf dem Weg zu einem der stärksten Mittelfeldspieler der Welt. Die Karriere des seit wenigen Wochen erst 21-Jährigen klingt wie ein Märchen, von dem Hunderttausende Buben weltweit träumen. Stets ging es aufwärts in seinem Fussballerleben, über Dürrenast und den FC Thun 2002 zu YB und nur zwei Jahre später zum FC Basel. Auch dort blieb der Hochbegabte nur kurz, im Januar 2007 wechselte Kuzmanovic für fünf Millionen Franken nach Florenz. «Natürlich ging vieles schnell in meinem Leben», sagt Zdravko Kuzmanovic, «aber man muss bereit sein, wenn sich eine Tür öffnet.» Auch bei YB ärgerte man sich vor vier Jahren, als die Familie Kuzmanovic auf einen Wechsel zu Basel drängte, weil es dem Jungen in Bern nicht gefiel. Heute sagt Karl-Heinz Born, damals YB-Nachwuchschef: «Kuzmanovic machte den richtigen Schritt, wir hätten ihm nicht die gleiche Ausbildung bieten können. Basel war YB in der Juniorenbewegung noch weit voraus.»

In Florenz im Paradies

Die Geschichte dieses Ausnahmetalents steckt voller Überraschungen, Kontraste und Widersprüche. Als «bodenständig», «anständig» und «bescheiden» bezeichnen ihn ehemalige Weggefährten. Aber es gibt auch Stimmen, der Berner Oberländer mit serbischen Wurzeln sei ein geldgieriger und unehrlicher Wortbrecher, weil er sich für Serbiens Auswahl entschied.

Im Gespräch ist Kuzmanovic offen und freundlich, er antwortet ausführlich, man spürt keinerlei Starallüren. Im «persönlichen Paradies» sei er in Florenz, die Stadt, der Verein, der Fussball, alles sei «Weltklasse», wie er sich ausdrückt, und eine Freundin habe er auch gefunden. Kuzmanovic ist aufgestellt, sein Schweizerdeutsch ist hervorragend, und er denkt gerne an die Anfänge beim FC Dürrenast zurück. «Ich hätte damals nie gedacht, dass ich einmal in der Champions League mit und gegen die besten Fussballer der Welt spielen würde», sagt er. Sein Vater wiederum erkannte das Talent seines Sohnes früh. «Aber ich rechnete natürlich nicht damit, dass er es derart weit bringen würde», sagt Ljubomir Kuzmanovic. Er begleitete seinen Sohn nach Florenz. «Ich habe ihm im ersten Jahr geholfen, fast alles war neu für Zdravko. Jetzt bin ich wieder in der Schweiz, der Junge ist alt genug, und ich kann ja immer an seine Spiele gehen», sagt Kuzmanovic, der Vater, der furchtbar stolz ist.

Kuzmanovic, der Sohn, ist ebenfalls ein stolzer Familienmensch, er hat seinen Eltern aus Dankbarkeit ein Haus im Kanton Aargau gekauft. Er steht vor einer glänzenden Zukunft, und bereits die Vergangenheit verlief ja aufregend. Man darf vielleicht sagen, Vater und Sohn Kuzmanovic verhielten sich nicht immer wie Gentlemen, aber der Fussball ist ein strenges Geschäft, und wenn Zdravko Kuzmanovic zurückblickt, darf er ohne Hemmungen behaupten: «Ich würde alles wieder so machen.»

Ärger mit den Medien

Kuzmanovic würde wieder von YB zu Basel ziehen, auch weil der FCB bereit war, dem Vater im Beruf zu helfen. Und er würde sich wieder bei der erstbesten Gelegenheit ausländischen Vereinen anbieten lassen. «Dieser Transfer ist der Wunsch von Kuzmanovic und seiner Entourage», sagte Basel-Trainer Christian Gross im «Tages-Anzeiger» beim Abgang Kuzmanovics süffisant.

Der FC Basel war sich bereits mit Palermo über einen Transfer einig gewesen, doch dieser Übertritt scheiterte an massiven Lohnforderungen des Spielers und des Vaters. Diese wechselten flugs den Berater, der etablierte Marcel Schmid wurde durch Marko Naletilic ersetzt, einen Freund der Familie, und das Bild über die Kuzmanovics war erstellt: rücksichtlos, egoistisch, falsch. «Über uns ist viel Unsinn geschrieben worden», sagt Vater Kuzmanovic heute vorsichtig, «es gab da schon einige Probleme mit Schweizer Medien.»

Der Ärger des Verbandes

Die Kuzmanovics mussten böse Dinge über sich lesen, als sich Zdravko vor eineinhalb Jahren entschloss, für Serbien anzutreten. «Ich sehe dort bessere Perspektiven», argumentierte der Spieler, «bei der Schweiz ist die Konkurrenz sehr gross.» Johann Vogel, Fabio Celestini, Benjamin Huggel, Raphael Wicky und Ricardo Cabanas hiessen die etablierten Nationalspieler im zentralen Mittelfeld, dazu kamen die Talente Gökhan Inler, Blerim Dzemaili und Gelson. Kuzmanovic war neben Mladen Petric und Ivan Rakitic, die für Kroatien spielen, das dritte Talent in kurzer Zeit, welches sich gegen die Schweiz entschied. Der Fussballverband reagierte sehr enttäuscht und verärgert, er hatte alles probiert, viele Gespräche geführt und eine Zusage erhalten. Selbst Nationaltrainer Köbi Kuhn traf sich mit Vater und Sohn, obwohl Zdravko erst einige Super-League-Partien bestritten hatte. Zudem spielte Kuzmanovic seit der U16 für die Schweiz, der Verband hatte über 100000 Franken in die Ausbildung des Abtrünnigen investiert.

Von «Grössenwahn» war die Rede, es wurde kolportiert, der serbische Verband habe Geld und Immobilien als Lockmittel eingesetzt. Man könnte sich den eleganten Techniker Kuzmanovic ausgezeichnet neben Inler im helvetischen Mittelfeld vorstellen. Der frühere Dürrenast-Junior aber organisiert gekonnt Serbiens Aufbau. Und trifft heute im Stadio Artemio Franchi in der Champions League auf Bayern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.11.2008, 08:28 Uhr

4

4 Kommentare

Berner Bear

05.11.2008, 19:10 Uhr
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Hat Kuzmanovic nach seinem Wortbruch gegenüber dem SFV mindestens die Ausbildungskosten zurück- erstattet? Nicht nur Talent, auch Charakterstärke gehört zum Sport. Davon haben die Kuzmanovic, Petric und und Rakitic nicht allzuviel mitbekommen. Als Doppelbürger nur von den Annehmlichkeiten als CH zu profitieren trägt nicht zur Akzeptanz dieser Spezie bei. Antworten


Foul Penalty

05.11.2008, 19:18 Uhr
Melden

Auf solche Sportler kann die Fussball-Schweiz nicht stolz sein.Lässt sich hier für teures Geld zum Profi ausbilden und gibt nachher dem SFV einen Tritt in den Hintern. Sein Herz schlägt für Serbien, gut so, aber den Schweizer Pass zurückgeben wäre die logische Folge seiner Liebe. Antworten



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