Strengere Bestimmungen für Vergabe des Labels Swiss-Made

Ab Januar sind Schweizer Produkte besser geschützt. Mit dem Schweizer Kreuz darf nur noch werben, wer bestimmte Kriterien erfüllt. Viele freuen sich über die Vorgaben, weil sie sich damit eine höhere Rendite sichern können.

Wo Schweiz draufsteht muss nach den neuen Bestimmungen auch Schweiz drin sein: bei Milchprodukten müssen 100% der Rohstoffe aus der Schweiz kommen. Bei Cafébohnen wird aber eine Ausnahme gemacht: die wachsen in der Schweiz nicht.

Wo Schweiz draufsteht muss nach den neuen Bestimmungen auch Schweiz drin sein: bei Milchprodukten müssen 100% der Rohstoffe aus der Schweiz kommen. Bei Cafébohnen wird aber eine Ausnahme gemacht: die wachsen in der Schweiz nicht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Schweizer Kreuz oder die Bezeichnung Swiss made stehen für Qualität und Zuverlässigkeit. Deshalb sind Konsumenten bereit, mehr zu zahlen als beispielsweise bei einem chinesischen Produkt. Weltweit. Gemäss einer Studie der Uni St. Gallen können Uhrenpreise dank dem Label Schweiz 43 Prozent teurer verkauft werden. Bei Schokolade sind Konsumenten bereit, einen um rund 30 Prozent höheren Preis hinzulegen. Und bei Kosmetika sind es 14 Prozent. Bei Luxus­gütern kann der Aufpreis bis zu 50 Prozent betragen. Für die Schweizer Industrie geht es deshalb bei der Herkunftsbezeichnung um viel Geld.

Trittbrettfahrer nutzen das schon lange aus und verkaufen Produkte, die abgesehen von der Herkunftsbezeichnung gar keinen Bezug zur Schweiz haben. Bekannte Beispiele sind Sigg-Pfannen oder der Essig­sprüher «Moha of Switzerland» – trotz Schweizer Kreuz stammten beide aus China. Je länger Trittbrettfahrer die Marke Schweiz auf diese Weise missbrauchen, desto mehr sinkt der Mehrwert.

2009 legte deshalb der Bundesrat dem Parlament ein Gesetz vor, um Gegensteuer zu geben. Ziel der sogenannten Swissness-Vorlage: Vorgaben für Schweizer Produkte und eine bessere rechtliche Grundlage dafür, den Missbrauch bekämpfen zu können. Das Gesetz liegt jetzt vor und tritt Anfang 2017 in Kraft. Das schafft für Konsumenten mehr Klarheit und Rechts­sicherheit. Schweizer Produkte müssen transparente Kriterien erfüllen, damit sie als solche verkauft werden dürfen. Und Verstösse gegen die vorgeschriebenen Kriterien können rechtlich besser geahndet werden als bisher.

Diese Kriterien müssenab 2017 erfüllt werden, damit ein Produkt als Swiss made gilt:

Naturprodukte

  • Gemüse: nur in der Schweiz geerntetes Gemüse.
  • Fleisch: Das Fleisch gilt nur als schweizerisch, wenn die Zuchttiere den überwiegenden Teil ihres Lebens in der Schweiz verbracht haben.
  • Milch: von Tieren, die in der Schweiz gehalten werden.

Verarbeitete Lebensmittel

Beispiele: Schokolade, Bonbons, Käse, Joghurt, Bier, Ravioli etc. Für solche Produkte gilt:

  • Mindestens 80 Prozent der Rohstoffe stammen aus der Schweiz.
  • Ausnahmen: Zutaten, die in der Schweiz nicht verfügbar sind, wie Kakao oder Ananas. Aus­nahmebewilligungen gibt es auch, wenn in der Schweiz die gewünschte Qualität nicht erreicht wird: Tomaten werden zwar in der Schweiz für den sofortigen Konsum produziert, für die Weiterverarbeitung zu Tomatenpüree eignen sie sich aber nicht.
  • Bei Milchprodukten stammen 100 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz.

Industrielle Produkte

  • Mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten müssen in der Schweiz anfallen.
  • Im Inland werden die wesentlichen Eigenschaften eines Produkts geschaffen.
  • Grundsätzlich gilt: Der entscheidende Fabrikationsschritt erfolgt in der Schweiz.

Dienstleistungen

Der Sitz des Unternehmens, das eine Dienst­leistung anbietet, muss in der Schweiz liegen. Dort werden Entscheide gefällt, die mass­geblichen Einfluss auf das Angebot haben. Eine Briefkastenfirma reicht also nicht aus dafür, eine Dienstleistung als schweizerisch verkaufen zu können.

Wer hart zu beissen hat, ist die Lebensmittelindustrie. Bis zuletzt hat sie mit der Bundesverwaltung um Details der praktischen Umsetzung gerungen. Erst vor wenigen Tagen hat der Bundesrat die letzten Bestimmungen auf Verordnungsstufe verabschiedet. Urs Furrer, der als Co-Geschäftsführer im Verband Fial die ­Interessen der Lebensmittelindustrie vertritt, gesteht Bundesrat und Verwaltung zu, oft pragmatische Lösungen gefunden zu haben. Damit spielt er auf die Aus­nahmeregeln an, die der Bundesrat vielen Herstellern gewährt.

Zum Beispiel für die Produktion gewisser Lebensmittel braucht die Industrie ein Eiweisspulver, das in der Schweiz nicht hergestellt wird. Um den vorgeschriebenen Anteil an Schweizer Rohstoffen zu erreichen, hätten die betroffenen Unternehmen Schweizer Eier ins Ausland transportieren und danach das zuberei­tete Eiweisspulver wieder in die Schweiz bringen müssen. ­Diesen zusätzlichen Aufwand und Kostentreiber will der Bundesrat der Industrie nicht zumuten und gewährt deshalb eine Ausnahme: Das Eiweisspulver darf weiterhin mit ausländischen Eiern hergestellt werden, und das hat keinerlei Einfluss auf die Vergabe des Labels Swiss made.

Doch die Lebensmittelindustrie ist längst nicht mit allen neuen Vorschriften zufrieden. Viele Waren werden ab kommendem Jahr nicht mehr als Schweizer Produkte verkauft, weil der damit verbundene zusätzliche Aufwand zu kostspielig wäre. So hat beispielsweise Nestlé jüngst erklärt, das Schweizer Kreuz von der Thomy-Mayonnaise und von weiteren rund achtzig Produkten zu entfernen.

Furrer stört die Ungleichbehandlung des Lebensmittelbereichs im Vergleich zu anderen Branchen. «Wenn in der Uhrenindustrie ein Halbfabrikat die Mindestanforderung erfüllt, kann es zu 100 Prozent angerechnet werden.» Wenn bei Lebensmitteln eine Zutat die Swissness-Kriterien erfülle, dürfe sie nur zu 80 Prozent angerechnet werden. Wer mehr geltend machen will, müsse in einem aufwendigen Verfahren alle Rohstoffe und deren Gewichtsanteile einer Zutat einzeln nachweisen.

Bei Ausnahmen benachteiligt

Auch bei den Ausnahmen sei die Lebensmittelindustrie im Nachteil, meint Furrer. «Sämtliche Industrien können selber feststellen, welche Materialen und Produkte in der Schweiz nicht erhältlich sind.» Im Gegensatz dazu müsse die Lebensmittelindustrie für jede Ausnahmebewilligung ein amtliches Verfahren einleiten, an dessen Ende das Wirtschaftsdepartement entscheide.

Die unterschiedlichen Bestimmungen wurzeln in separaten Rechtsgrundlagen. Die Vorschriften für die Lebensmittelindustrie sind in einer Verordnung verankert, die das Bundesamt für Landwirtschaft ausgearbeitet hat. Für alle anderen Industrien gilt hingegen die Markenschutzverordnung, für die das Justizdepartement verantwortlich ist. «Bei den Vorschriften für Nahrungsmittel geht es auch um Politik – mit den restriktiven Regeln und der Fokussierung auf die Agrarrohstoffe soll auch die Land­wirtschaft gefördert werden», ist Furrer überzeugt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.12.2016, 08:33 Uhr

Artikel zum Thema

Nun ist endlich klar, was «Swiss made» ist

Wie viel Schweiz muss in einem Schweizer Produkt tatsächlich drin sein? Am Freitag hat das Parlament – nach einer knapp vierjährigen Debatte – die Vorlage zum Markenschutzgesetz abgesegnet. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick. Mehr...

Swissness-Offensive im Web

Ab sofort können Websites mit der Endung «.swiss» registriert werden – allerdings dürfen das nicht alle. Mehr...

Subventionslos glücklich

Darko Soolfrank hat in zehn Jahren das zweitgrösste Kulturzentrum Zürichs aufgebaut – ohne einen Franken Unterstützung von der Stadt. Doch in drei Jahren wird die Maag-Halle obdachlos. Mehr...

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Papa ist anders

Foodblog Wieder auf dem Gipfel

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Nationalstolz: Eine Büste des Real-Madrid-Spielers Cristiano Ronaldo schmückt den Flughafen in Funchal auf der Insel Madeira, Portugal. Es gibt aber auch Stimmen, die das Kunstwerk recht missraten finden. Nach dem Gewinn der Europameisterschaften 2016 wird der Flughafen neu nach dem Weltfussballer benannt (29. März 2017).
(Bild: Rafaele Marchante) Mehr...