SBB: Für 5 Franken in die erste Klasse wechseln

Die SBB testet ein neues Angebot zur Entlastung der zweiten Klasse – und stösst bei Konsumentenschützern auf Kritik.

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Seit einiger Zeit können die Kondukteure der SBB den Passagieren während der Fahrt für einen Aufpreis von lediglich 5 Franken einen Klassenwechsel offerieren. «Das Zugpersonal kann in eigener Kompetenz je nach Situation mit einem Klassen-Upgrade Kunden spontan begeistern, einmal erste Klasse zu fahren», bestätigt SBB-Sprecher Christian Ginsig einen Bericht der «NZZ am Sonntag» (kostenpflichtiger Artikel). Es gebe keine fixen Strecken für das Angebot.

Die Zeitung rechnet vor: In der zweiten Klasse kostet eine Fahrt von Burgdorf nach Zürich mit einem Halbtax-Abo 20.50 Franken, in der ersten Klasse bezahlt man dafür 36 Franken. Das sind 15.50 Franken Unterschied. Mit dem neuen 5-Franken-Upgrade kann der SBB-Kunde auf der besagten Strecke also zehn Franken einsparen. Wie oft das neue Angebot bereits offeriert wurde, gibt Ginsig nicht preis. Es seien aber ein paar wenige pro Tag.

«Verlockendes, sympathisches Angebot»

Konsumentenschützer kritisieren das Vorgehen der SBB. «Fahrkarten des öffentlichen Verkehrs müssen transparent und für jedermann zugänglich sein», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, zur «NZZ am Sonntag».

Die Neuerung sorge für weniger Klarheit und zunehmende Intransparenz, sagt sie. Das seien verlockende, sympathische Angebote, die in der Bevölkerung gut ankommen würden. Doch sogar den Mitarbeitern fehle der Überblick über die tatsächlichen Kosten einer Fahrt.

Tropfen auf den heissen Stein

Die SBB hält dagegen, dass die zweite Klasse oft chronisch überlastet sei, während die Komfortklasse unterbelegt sei. Zudem bestehe keine Garantie für ein solches Upgrade, sagt SBB-Sprecher Ginsig: «Dies ist je nach Tageszeit oder Auslastung des Zuges gar nicht möglich und es soll eine Geste sein, Kunden spontan zu verblüffen.»

Die SBB erzielt einen Ertrag von 8 Milliarden Franken. Da dürften die verkauften 5-Franken-Upgrades nur ein Tropfen auf den heissen Stein sein. Der Test läuft bis Ende Jahr. (foa/jen/oli)

Erstellt: 18.06.2017, 09:42 Uhr

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