Raser aus Mazedonien muss Schweiz verlassen

Nach einem tödlichen Autounfall hat die Schweiz einem Mann die Niederlassungsbewilligung entzogen. Zu Recht, entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.

Schweiz hat laut Richter korrekt entschieden: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. (Archivbild)

Schweiz hat laut Richter korrekt entschieden: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ein mit neun Jahren in die Schweiz eingereister Mazedonier musste die Schweiz wegen eines Raser-Delikts verlassen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat entschieden, dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung nicht gegen das Recht auf Familienleben verstiess.

Der Mazedonier war 1989 im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz gekommen. Mit knapp 20 Jahren heiratete er eine ebenfalls in der Schweiz niedergelassene Landsfrau, mit der er zwei Kinder hat.

Beifahrer starb bei Unfall

Nachdem er bereits früher straffällig geworden war, lieferte er sich im Oktober 2000 mit einem Bekannten ein Autorennen. Mit massiv übersetzter Geschwindigkeit verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei wurde der Beifahrer so schwer verletzt, dass er noch auf der Unfallstelle verstarb.

Das Obergericht verurteilte den Mazedonier dafür im Dezember 2004 wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. 2009 widerrief das Migrationsamt des Kantons Zürich die Niederlassungsbewilligung des Mazedoniers – kurz vor Verbüssung von zwei Dritteln der Freiheitsstrafe. Im Oktober 2010 verliess der Mann die Schweiz.

Zusammenleben möglich

Gemäss dem am Dienstag publizierten Urteil des EGMR haben die Schweizer Justizbehörden korrekt entschieden. Der Gerichtshof führt in seinen Erwägungen aus, dass die Ausweisung des Mazedoniers aus der Schweiz ein Zusammenleben der Familie nicht verunmöglicht habe.

Die Frau des Betroffenen habe ihre ersten zwölf Lebensjahre in Mazedonien verbracht und habe dort Verwandte. Sie spreche Albanisch und kenne das Land aufgrund regelmässiger Ferienaufenthalte.

Die beiden in den Jahren 2001 und 2005 geborenen Kinder seien zum Zeitpunkt der Ausweisung noch jung gewesen. Deshalb habe man davon ausgehen können, dass sie sich bei einem Umzug nach Mazedonien gut integrieren würden.

Frau kehrte nach Zürich zurück

Nachdem die Ehefrau mit den Kindern zunächst tatsächlich zu ihrem Mann nach Mazedonien zog, kehrte sie im Jahr 2015 nach Zürich zurück. Andernfalls hätte sie ihre Niederlassungsbewilligung verloren.

Auch diese Trennung stellt gemäss Gerichtshof kein Problem im Zusammenhang mit dem Recht auf Familienleben dar. Es sei möglich, mit dem Ehemann und Vater in Kontakt zu sein und ihn zu besuchen. (woz/sda)

Erstellt: 10.01.2017, 12:40 Uhr

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