Chirurgen warnen vor einem Überangebot

Das Kantonsspital Freiburg will in die Herzchirurgie investieren. Laut Herzspezialisten ist dieser Bereich in der Schweiz aber bereits mehr als genug abgedeckt.

Im Operationssaal zählt die Erfahrung. Deshalb dürften Herzoperationen nicht auf zu viele Spitäler verteilt werden, fordern Fachleute.

Im Operationssaal zählt die Erfahrung. Deshalb dürften Herzoperationen nicht auf zu viele Spitäler verteilt werden, fordern Fachleute. Bild: Keystone

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Wer schwer krank wird, ist froh, wenn er nicht weit vom nächsten Spital entfernt wohnt. Zu viele Spitäler hingegen senken die Qualität in der Medizin. Darauf machen Mitglieder einer Ärztefachgesellschaft in der aktuellen Ausgabe der «Schweizerischen Ärztezeitung» aufmerksam.

In der Schweiz haben achtzehn Spitäler eine herzchirurgische Abteilung für Erwachsene. Man müsse diskutieren, ob dies für das kleine Land nicht zu viel sei, schreiben der Präsident und der Sekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Herz- und thorakale Gefässchirurgie (SGHC) in der «Ärztezeitung». Michele Genoni und Mario Stalder stellen bei ihren Überlegungen das Wohl der Patienten ins Zentrum: Bei hochkomplexen Eingriffen hätten diese bessere Chancen, wenn das Operationsteam erfahren sei und regelmässig operiere.

Ausbaupläne

Anlass für den Artikel ist der Plan des Kantonsspitals Freiburg, in die prestigeträchtige und wirtschaftlich interessante Herzchirurgie zu investieren. Im Spitalplanungsbericht 2015 schreibt der Kanton Freiburg zwar, es gehe nicht darum, ein herzchirurgisches Zentrum mit «Rund-um-die-Uhr-Versorgung» einzurichten. Trotzdem will das Spital programmierte Eingriffe selber übernehmen können und dafür mit dem Universitätsspital Lausanne zusammenarbeiten. Künftig könnten also in der Herzchirurgie noch weitere Operationsteams hinzukommen – mit der Folge, dass die Patientenzahlen und damit die Erfahrung der Ärzte in anderen Spitälern sinken.

Qualitätsvorgaben

In Sachen Patientenzahlen können die Schweizer Spitäler schon jetzt die Empfehlungen der europäischen Gesellschaften für Herzchirurgie nicht einhalten. Diese geben aus Qualitätsgründen vor, dass eine Klinik pro Jahr mindestens zweihundert Koronararterienbypass-Operationen durchführen sollte. Die SGHC hält auf ihrer Website fest, dass weniger als die Hälfte der herzchirurgischen Kliniken in der Schweiz diese empfohlene Mindestfallzahl erreicht.

Für eine angemessene Qualitätsstrategie müsse man allerdings auch die geografischen Voraussetzungen in der Schweiz berücksichtigen, schreiben die Autoren in der «Ärztezeitung». Wollte man die empfohlenen Mindestfallzahlen streng einhalten, wären nicht alle Landesteile genügend versorgt.

Die Autoren weisen als weiteren Punkt auf den Mangel an Ärzten und Ressourcen hin, welcher eine weitere Herzchirurgieabteilung nicht sinnvoll erscheinen lässt. «Mittel- und langfristig gefährdet die Eröffnung neuer herzchirurgischer Abteilungen die medizinische Versorgung im Allgemeinen und führt zu beträchtlichen Einbussen in der Qualität der Medizin», schreiben Genoni und Stalder.

Kooperationen

Statt auf Ausbau setzen diverse Spitäler denn auch bereits vermehrt auf Zusammenarbeit. In Zürich spannen etwa das Universitätsspital und das Triemlispital in der Herzchirurgie zusammen. Und das Kantonsspital Aarau arbeitet in diesem Bereich mit der Privatklinik Hirslanden zusammen – diese wiederum mit dem Inselspital Bern. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 09.10.2015, 08:26 Uhr)

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