Zu viele Spitäler in der Schweiz
Von Brigitte Walser. Aktualisiert am 08.10.2009
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Es ist einer der radikalsten Sparvorschläge aus dem Bundesamt für Gesundheit (BAG): In der Schweiz könne man auf 100 Spitäler verzichten, sagte BAG-Chef Thomas Zeltner im Westschweizer Fernsehen. Diese Bemerkung Zeltners, der sein Amt auf Ende Jahr nach 19 Jahren abgibt, knüpft an eine Aussage von Manfred Manser an: 50 Spitäler seien genug, sagte unlängst der Chef der Krankenkasse Helsana.
In der Schweiz gab es im Jahr 2007 insgesamt 321 Krankenhäuser, davon waren 130 eigentliche Akutspitäler, beim Rest handelt es sich um Spezialkliniken wie Psychiatrien oder Rehabilitationskliniken. Insgesamt standen den Patienten rund 40000 Betten zur Verfügung. Diese Zahlen gibt der Spitalverband H+ mit Hinweis auf das Bundesamt für Statistik bekannt.
Sache der Kantone
Dass im Spitalbereich ein Überangebot besteht, welches die Kosten unnötig in die Höhe treibt, ist auf nationaler Ebene unbestritten. Nur: Die Spitalplanung liegt in den Händen der Kantone. Den dort zuständigen Regierungsräten kann harter Widerstand entgegentreten, wenn sie Spitalschliessungen durchsetzen. Im Kanton Bern etwa war der Protest gegen die Aufhebung der Akutspitäler in Belp oder Huttwil gross. Schliesslich ging es um Arbeitsplätze und das Interesse von Patienten, ein Spital in der Nähe zu haben. Gerade im Kanton Bern besteht aber weiterer Handlungsbedarf. Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud bestätigte vergangene Woche ein Überangebot an Spitälern im Kanton. Eine Konzentration sei unausweichlich. «Gewisse Opfer werden erbracht werden müssen», sagte Perrenoud und kündigte weitere Informationen bis Ende Jahr an.
Prozess im Gang
Wie der «Bund» gestern berichtete, schlägt der Krankenkassenverband Santésuisse vor, in ferner Zukunft das Spital Thun zu schliessen. Für die medizinische Grundversorgung des Berner Oberlandes genüge theoretisch das Spital in Interlaken, so die Überlegung von Santésuisse. Die Berner Spitalamtvorsteherin Annamaria Müller ist aber überzeugt, dass man diesen Vorschlag nicht ernsthaft prüfen wird. Konkret von einer Schliessung bedroht ist hingegen das Spital in Niederbipp (wir berichteten).
In den Kantonen sei die von nationalen Gremien geforderte Spitaldebatte längst in Gang gesetzt, sagt Michael Jordi, stellvertretender Zentralsekretär der schweizerischen Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren. «Der Prozess der Konzentration und der Spezialisierung hat begonnen und wird noch weitergehen», so Jordi. Tatsächlich gab es 1982 gemäss Angaben von H+ noch 462 Krankenhäuser und 76000 Betten in der Schweiz. Die Grundrichtung stimme, so Jordi. Doch das weitere Ausmass von Spitalschliessungen müsse Sache der Kantone bleiben, dazu seien genaue Beurteilungen vor Ort nötig.
Weitere Bereinigung
Den Konzentrationsprozess beschleunigen wird die neue Spitalfinanzierung, die ab 2012 in der ganzen Schweiz eingeführt wird. Dann werden stationäre Behandlungen über diagnosebezogene Fallpauschalen (DRG) abgerechnet, was die Spitäler einem stärkeren Wettbewerb aussetzen soll.
«Die Spitallandschaft in der Schweiz wird sich grundlegend verändern», schreibt Peter Fischer, Visana-Chef und Verwaltungsrat von Santésuisse, auf der Homepage des Kassenverbands Santésuisse. Die Kantone müssten ihre Spitallisten bereinigen. «Ein harter Brocken für die Gesundheitsdirektoren, die im politischen Gegenwind stehen, da nicht alle Spitäler diese Bereinigung überleben werden», so Fischer. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.10.2009, 08:35 Uhr
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