«Wird die Bahn zu teuer, fahren die Pendler Auto»

Auch der Kunde muss sich an den steigenden Kosten bei den SBB beteiligen, sagt deren Präsident Ulrich Gygi. Zu sehr am Preis will er aber nicht schrauben: Er fürchtet, die Pendler könnten aufs Auto umsteigen.

«Wer in den Spitzenzeiten fährt, macht das meist nicht freiwillig»: SBB-Präsident Ulrich Gygi.

«Wer in den Spitzenzeiten fährt, macht das meist nicht freiwillig»: SBB-Präsident Ulrich Gygi.
Bild: Keystone

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Höhere Billettpreise sind nötig, sagt Ulrich Gygi in einem Interview mit dem «Blick». «Je moderner das Rollmaterial ist, je dichter die Züge fahren, je stärker die Infrastruktur abgenützt wird, je mehr Personal es braucht, desto höher sind die Kosten.» An diesen müssten sich auch die Kunden beteiligen, eine Erhöhung der Preise um 6,4 Prozent sei also gerechtfertigt. Auf variable Billettpreise – Pendler müssten zu Spitzenzeiten mehr zahlen als in den Randzeiten – wird man hierzulande jedoch noch warten müssen: «Es braucht Zeit. Zuerst ist ein Einstellungswandel nötig», sagt Gygi.

Prinzipiell hält er die Grundidee von variablen Billettpreisen für «bestechend». Doch die SBB seien ein Massentransportmittel. «Wir sind für die Bevölkerung da. Wer in den Spitzenzeiten fährt, macht das meist nicht freiwillig, er muss zur Arbeit.» Darum sei es heikel, den Preis als Regulierungsinstrument gebrauchen zu wollen. Gygis Hauptsorge: «Wenn wir zu sehr am Preis schrauben, steigen die Leute aufs Auto um», sagt er im «Blick».

9-Uhr-GA noch nicht vom Tisch

Gygi will darum bei den Randzeiten ansetzen: Die SBB wollen jene belohnen, die zu weniger frequentierten Verkehrszeiten fahren. Doch das Generalabonnement, das erst an 9 Uhr gelten würde und 30 Prozent günstiger wäre, sei bisher am Widerstand der anderen Verkehrsunternehmen gescheitert. «Aber es ist nicht für alle Zeiten vom Tisch», sagt Gygi.

Dass Bahnpendler zunehmend starke Nerven brauchen, sieht auch Gygi. Die Sitzplatzverhältnisse in den Zügen zu Spitzenzeiten seien prekär, stehen müsse aber niemand. «Meine Erfahrung ist, dass man immer einen freien Platz findet, wenn man sich bemüht.» Als SBB-Präsident müsse er das wissen, meint er: Er wäre der Erste, der stehen würde – schliesslich könne er ja einem Kunden nicht den Platz wegnehmen. (cha)

Erstellt: 01.02.2010, 10:24 Uhr

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