«Wir sind ausgestellt»
Aktualisiert am 16.08.2011 235 Kommentare
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Es passierte in der Nacht auf den 17. Juli: Der Sohn eines US-Diplomaten wurde von einer Bande Jugendlicher tätlich angegriffen. Sie Angreifer sollen sogar versucht haben, ihr Opfer in die Rhone zu werfen. Erst letzte Woche wurde ein Gemeinderat verprügelt.
Bei der UNO in Genf war man ob der Vorfälle dermassen beunruhigt, dass die rund 3000 Mitarbeiter in einem Schreiben aufgerufen wurden, die Sicherheitsregeln bei Ausgängen in Genf zu beachten. Das wiederum rief Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf den Plan. Eiligst liess sie die Genfer Sicherheitsdirektorin Isabel Rochat in einem Schreiben wissen, dass sie sich über die «Verschlechterung der Sicherheitssituation in Genf in den letzten Monaten» sorge. Voilà, der Knatsch war angerichtet, jetzt gehen die Wogen hoch.
Genfer fühlen sich zu Unrecht ob der Sicherheitslage angeprangert, wie einige selber sagen. «Genf hat zwar ein Sicherheitsproblem. Das aber nicht in stärkerem Ausmass als viele andere Grosstädte auch», sagt etwa Pierre Ruetschi, Chefredaktor der Zeitung «Tribune de Genève». Diese Einschätzung teilen auch andere bekannte Genfer wie die langjährige Regierungsrätin und heutige Nationalrätin Martine Brunschwig Graf sowie der Grünen-Nationalrat Antonio Hodgers.
Genfs Sorge um den internationalen Ruf
Was die Reaktion aus Bern anbelangt, fällt die Analyse in Genf allerdings unterschiedlich aus. «Es ist meines Wissens noch nie vorgekommen, dass ein Mitglied des Bundesrates einen Kanton in Sicherheitsfragen unter Druck gesetzt hat», meint Ruetschi. Eine gewisse Empörung darüber kann er nicht verbergen. Ganz anders Brunschwig: «Genf war immer auch eine Sache des Bundes.»
Tatsache ist, dass die Rhonestadt mit seinen vielen Ausländern eine enorme internationale Ausstrahlung hat. «Genf ist mit seinen internationalen Organisationen und multinationalen Konzernen in einer speziellen Situation, man ist ausgestellt», so Ruetschi. Und der Journalist weiter: «Passiert etwas, läuft man sofort Gefahr, dass es zur Staatsaffäre wird.»
Politisches Geplänkel?
Es gibt genug Fälle, mit denen die Stadt lieber nicht in Zusammenhang gebracht werden möchte. Sei es die Affäre um Hannibal Ghadhafi oder der jüngste Zwischenfall einer Schiesserei in der Wohnung von Schauspieler Alain Delon. Auch Schlagzeilenträchtiges wie der Unfall zweier Oligarchen-Söhne mit einem Lamborghini – so passiert vor knapp zwei Jahren – trägt nicht zur Beruhigung der Situation bei.
Nun ist ein Treffen zwischen Rochat und Calmy-Rey geplant. Ein Austausch quasi. Oder: «Ein symbolischer Akt», wie es Brunschwig nennt. In politischen Kreisen in Genf wird allerdings auch kolportiert, dass es sich hierbei um ein politisches Geplänkel handeln könnte. Die Liberale Rochat nämlich folgt auf Laurent Moutinot, einen Sozialdemokraten. Ihm hatte die Rechte massive Verfehlungen in der Sicherheitspolitik vorgeworfen. Jetzt zeigt sich allerdings, dass auch Rochat die Probleme der Kriminalität nicht in den Griff kriegt. Dass nun die Genfer Sozialdemokratin Calmy-Rey den Finger auf diesen wunden Punkt lege, komme nicht von ungefähr.
UNO spielt die Sache runter
Auch wenn Allessandra Velucci von der Kommunikationsabteilung der UNO die Angelegenheit schon längst wieder zu beruhigen versucht – man habe Genf nicht stigmatisieren wollen, die Beziehung der internationalen Gemeinschaft zur Stadt sei «exzellent» –, scheint eine gewisse Unruhe an der Rhone nicht zu beseitigen. «Die Erwartungen der Expats an Genf sind sehr hoch», sagt Ruetschi. Gemeint ist die Sicherheitslage. Der jüngste Vorfall hat diese Erwartungen – wenn auch etwas naiv – definitiv nicht erfüllt. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2011, 13:45 Uhr
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235 Kommentare
Wenn es einen Diplomatensohn trifft, dann geht es um die Welt. Trifft es einen gewöhnlichen Bürger, so interessiert das nicht mal die Polizei. So gesehen, darf es noch ein paar weitere Privilegierte treffen, sonst wird das Ausmass der gesellschaftlichen Verrohung gar nicht publik. Antworten
Schengen führt zu mehr Sicherheit. Dies wurde uns vor der Schengen-Abstimmung von den Behörden versprochen. Nun ist genau das Gegenteil eingetrofen. Die Grenzüberschreitende Kriminalität hat seit Öffnung der Grenzen massiv zugenommen, wie im Falle Genf zu sehen ist. Antworten
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