«Wie viele Flüchtlinge würden Sie bei sich aufnehmen?»

Wie soll sich die Schweiz bei einem Ansturm von nordafrikanischen Flüchtlingen verhalten? Grosszügig Menschen aufnehmen? Oder kleinlich auf Verträge pochen? Die Leserschaft von Bernerzeitung.ch/Newsnet diskutiert die Fragen äusserst emotional und kontrovers.

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Europa bereitet sich auf einen allfälligen Flüchtlingsstrom aus Nordafrika vor. Die EU-Flüchtlingsagentur schätzt die Zahl der Emigranten auf rund eine Million. Innert kurzer Zeit soll die EU nun einen Massnahmenplan erarbeiten.

Auch in der Schweiz gingen sofort die Alarmglocken an: Der Bund spricht davon, dass die Schweiz «elementar» von einer Flüchtlingswelle betroffen wäre. Der Grenzschutz wurde in der Folge verstärkt und der Bund sendete drei Grenzwächter im Rahmen einer Operation der EU-Grenzschutzagentur Frontex nach Italien.

Unter den Lesern des Bernerzeitung.ch/Newsnet wird das Flüchtlingsthema emotional diskutiert. Für Ärger sorgt die Reise von Simonetta Sommaruga nach Brüssel. Dort sagte die Justizministerin an einer Pressekonferenz, dass eine Schweiz, die Unterstützung zeige, selbst später mit Solidarität rechnen dürfe. Eine Leserin schreibt: «Frau Sommaruga setzt alles in Bewegung, damit wir die Ersten sind, die Libyer bei uns aufnehmen.» Und weiter: Es sei wohl der «vorauseilende Gehorsam», der die Bundesrätin dazu bringe, nach Brüssel zu rennen, obwohl «wir gar nicht dazugehören».

Widerspruch zum Schengen-Vertrag

Leser Patrick Tanner gibt zu bedenken, dass im Schengen-Vertrag klar festgehalten sei, dass Asylanten im Erstaufnahmeland verbleiben müssen. «Wenn jetzt Frau Sommaruga trotzdem Flüchtlinge aus Tunesien aufnehmen will, verstösst dies gegen den Vertrag.» Für Leser Peter Pfrunder ist klar, dass sich Sommaruga über den Willen des Volkes hinwegsetzt: «Das Stimmvolk würde klar die Aufnahme von weiteren Zehntausenden Flüchtlingen ablehnen.»

Auch die Gegenseite, die der Schweiz eine humanitäre Pflicht zuspricht, ist unter den Lesern vertreten: Leserin Nadine Binsberger ist der Meinung, dass jeder Mensch, der auf dieser Welt geboren ist, auch das Recht habe, sich «zu bewegen, niederzulassen und zu arbeiten, wo er will». Und weiter: «Wir wundern uns, wenn wir andere für uns arbeiten lassen und dann noch Waffen zu ihrer Disziplinierung hinterherschicken, dass diese Leute ihrer Situation entfliehen und zu uns kommen?»

«Nach mir die Sintflut...»

Die Reaktionen auf Leserin Binsberger folgen prompt: «Ihre Philosophie ist geradezu esoterisch. Nur funktionieren Menschen nicht als Individuen, sondern als Gruppen», schreibt Stefan Studer. Und eine Leserin stellt die Gegenfrage: «Frau Binsberger, wie viele Asylanten wohnen oder nächtigen bei Ihnen zu Hause beziehungsweise würden Sie persönlich aufnehmen wollen?»

Leser Daniel Steiner spinnt den Dialog auf zynische Weise fort: «Erdöl wollen wir weiterhin möglichst günstig einkaufen, Milliardenvermögen auf unseren Banken verwalten und Flüchtlinge am liebsten sofort wieder ausschaffen. Nach mir die Sintflut...»

Andere Leser wüssten genau, wie sie einer allfälligen «Sintflut» von Flüchtlingen entgegentreten würden und beweisen mit ihren Vorschlägen, dass Angst bisweilen zum kreativen Höhenflug anspornt: Massnahmen wie der Bau von Mauern und Wassergräben oder die Errichtung eines Schweizer Auffanglager in Italien werden vorgeschlagen. (mrs)

(Erstellt: 25.02.2011, 12:25 Uhr)

Umfrage

Soll die Schweiz Flüchtlinge aus dem arabischen Raum aufnehmen?

Ja

 
48.1%

Nein

 
51.9%

2569 Stimmen


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