Wie unabhängig muss Haltiners Nachfolger sein?
Von David Schaffner und Rita Flubacher. Aktualisiert am 19.08.2010 8 Kommentare
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Mit der Suche nach dem neuen Finma-Chef beauftragt ist das Eidgenössische Finanzdepartement unter Hans-Rudolf Merz, der mit dem Vorschlag von Ex-UBS-Mann Eugen Haltiner 2006 aus der Sicht vieler Politiker keine glückliche Hand bewiesen hatte.
Bereits vor mehr als zwei Wochen ist ein Zürcher Finanzprofessor als möglicher Nachfolgekandidat kontaktiert worden. Er zeigte jedoch laut eigenen Aussagen kein Interesse an der Anfrage. Auf das Profil des idealen Kandidaten oder der Kandidatin angesprochen, unterstreicht er eine Bedingung: «Es darf kein Grossbankenvertreter sein.» Diese Ansicht vertritt auch der emeritierte Bankprofessor Hans Geiger mit Verweis auf die anstehende Bewältigung des «Too big to fail»-Problems bei den Grossbanken.
Bürgerliche wollen Person aus Grossbank
Diesen Bedenken zum Trotz plädieren die Bürgerlichen wieder für eine Person, die direkt aus den Grossbanken kommt. «Das nötige Fachwissen für das Präsidium der Finma kann man sich nur in der Branche erarbeiten», sagt FDP-Ständerat Rolf Schweiger. Ähnlicher Meinung ist Pirmin Bischof (CVP): «Ein Nachfolger sollte die internationalen Geschäfte der Grossbanken gut kennen. Damit stehen Personen im Vordergrund, die bereits bei der UBS oder CS gearbeitet haben oder bei einem Unternehmen, das mit der internationalen Tätigkeit der beiden Grossbanken im engen Kontakt stand.»
Bischof kann sich auch eine Person vorstellen, die bei einer ausländischen Bank gearbeitet hat. Als mögliche Nachfolger nennt er den früheren Direktor der Finma-Vorläuferorganisation EBK und heutigen Finma-Verwaltungsrat Daniel Zuberbühler oder Joe Ackermann von der Deutschen Bank.
«Lohn muss konkurrenzfähig sein»
Einen Fachmann aus der Branche wünscht sich auch FDP-Nationalrat Philipp Müller. Er ist überzeugt, dass ein guter Lohn für Unabhängigkeit sorgen könne: «Der Bundesrat muss einen konkurrenzfähigen Lohn in Aussicht stellen, damit eine Anstellung für einen echten Profi attraktiv ist und er finanziell unabhängig ist.» Rolf Schweiger meint, dass der Forderung nach Unabhängigkeit Genüge getan sei, wenn «der Präsident beim Anschein von Befangenheit in den Ausstand tritt».
SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh kann sich vorstellen, «diesmal eine Person aus der Versicherungsbranche vorzuschlagen». Diese werde ebenfalls von der Finma beaufsichtigt, sei politisch aber weniger exponiert als die Banken.
SP-Ratschlag an Merz
Heftiger Widerstand gegen einen Banken-Spezi dürfte von der Linken kommen. «Wir dürfen auf keinen Fall eine Person ernennen, die direkt von der UBS oder der CS kommt», mahnt die SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer. «Ich sähe am liebsten jemanden aus der Nationalbank oder eine Koryphäe einer Universität.»
Leutenegger rät, dass «Bundesrat Merz die Finger von der Nachfolgeregelung lässt». Kurz vor seinem Rücktritt solle sich Merz nicht mehr einmischen und die Ablösung von Haltiner ganz seinem Nachfolger überlassen, bevor das neue Bundesratsgremium im November die Wahl treffe. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 18.08.2010, 23:07 Uhr
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8 Kommentare
Intressant. Sobald die Krise ein bisschen überstanden ist, soll wieder alles bleiben wie beim alten. Liebe Bürgerliche: Fehler machen, ok. Nichts daraus lernen - Blauer Brief. Lernt doch endlich einmal, dass die "Profis" von den Banken versagt haben. Es braucht eine/n Mann/Frau, mit möglichst wenig Kontakt zu der Finanzwirtschaft. Es geht nicht um die Führung einer Bank, sondern um die Überwachug! Antworten
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