Schweiz

Wie hält Merz das bloss aus?

Der Bundespräsident steht wegen Libyen, dem UBS-Vergleich und den neuen Doppelbesteuerungsabkommen unter grossem Druck. Wie lange hält Merz die Belastung noch aus?

Wirkt fit: Bundespräsident Merz heute auf dem Weg an eine Sitzung.

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Bild: Keystone

SP-Ständerätin Sommaruga erlebt Merz nicht anders als sonst.

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CVP-Ständerat Graber findet, Merz habe getan, was nötig war.

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In der Wirtschaftskommission des Ständerates sprach er am Dienstag über die Umsetzung des UBS-Vergleiches. Bundesrat Merz traf sich gleichentags mit dem luxemburgischen Finanzminister Luc Frieden zur Unterzeichnung des neuen Doppelbesteuerungsabkommens und schickte gleichzeitig den Bundesratsjet nach Tripolis, um die Geiseln abzuholen. In der Bundesratssitzung musste er sich Vorwürfe anhören, wegen seines Bücklings in Tripolis. Pannen, Pech und Pleiten am laufenden Band. Und dann Kritik und Häme von allen Seiten. Da drängt sich die Frage auf: Wie hält der Bundespräsident das bloss aus?

Die Präsidentin der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK) des Ständerates, Simonetta Sommaruga, die Merz am Dienstag in der WAK erlebte, findet, er stehe tatsächlich unter grossem Druck. Merz habe die technische Umsetzung des UBS-Vergleiches erläutert. Dass der Bundespräsident wegen diesem Druck sich anders benahm als sonst, ist der Bernerin nicht aufgefallen. Ein anderes WAK-Mitglied, der Luzerner Konrad Graber, will den Bundespräsidenten sogar in alter Frische erlebt haben: «Er kann doch auch gar nicht anders als die ganze Angelegenheit mit Gelassenheit anzugehen». Merz habe alles getan, was getan werden musste. Jetzt könne er nur noch warten.

Wer mit ihm in den letzten Tagen zu tun hatte, gewann jedoch den Eindruck, dass der Bundespräsident nicht ganz versteht, wieso er dermassen in der Kritik steht. Er habe doch bloss die Geiseln in die Schweiz zurückholen wollen, vertraute er einem Bekannten an. Dieselben Kreise versichern ausserdem, Merz habe in den letzten drei Tagen kaum geschlafen und wirke angespannt. Wie nah ihm die Geschichte geht, lässt er sich aber kaum anmerken.

Kein Arbeitsumfeld für einen Herzpatienten

Ein knappes Jahr ist es her, dass Merz einen schweren Infarkt erlitt und eine mehrstündige Operation am offenen Herzen über sich ergehen lassen musste. Merz kehrte überraschend schnell zurück ins Amt und geriet kurze Zeit später wegen des Steuerstreits mit der OECD unter Dauerbeschuss. Dann kam auch noch die Libyen-Krise dazu. Es ist gewiss nicht das Arbeitsumfeld, dass der bekannte Berner Herzchirurg Thierry Carrel seinen Patienten empfiehlt. Carrel hat Merz im letzten Jahr operiert. Jetzt will der Starchirurg aber keine Ferndiagnose abgeben. «Wir äussern uns grundsätzlich nicht gegenüber den Medien zu aktuellen oder ehemaligen Patienten, es sei denn, der Patient wünsche dies ausdrücklich», präzisiert Markus Hächler, Informationschef des Inselspitals in Bern.

Dass das Dauerbombardement nicht spurlos an Merz vorübergeht, zeigte sich an der Pressekonferenz, die der Bundespräsident nach seiner Rückkehr aus Tripolis abhielt. Dort verlor er für einen Augenblick die Contenance wegen kritischer Journalisten-Fragen: «Ja, ja, ich habe alles falsch gemacht», gab er entnervt zurück. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2009, 17:44 Uhr

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