Schweiz

Wie Billigkassen von ihren Mutterhäusern profitieren

Die Kunden vieler etablierter Krankenkassen subventionieren mit ihren Prämien die Angebote der neuen Billiganbieter. Das soll sich jetzt ändern.

Mitzahlen für die anderen: Kunden von grossen Mutterkassen subventionieren die billigen Prämien der Tochterkassen.

Mitzahlen für die anderen: Kunden von grossen Mutterkassen subventionieren die billigen Prämien der Tochterkassen.
Bild: Keystone

Es ist ein Beispiel von vielen: Ein 19-jähriger Stadtzürcher zahlt, wenn er sich bei der Helsana mit der kleinsten Franchise grundversichern lässt, pro Monat 354 Franken Prämie. Schliesst er seine Grundversicherung stattdessen bei der Helsana-Tochter Avanex ab, kostet sie ihn nur 267 Franken, also rund ein Viertel weniger. Und dies, obwohl er bei beiden Kassen definitionsgemäss dieselben Grundleistungen gedeckt kriegt.

Diese Rechnung könne nicht aufgehen, monieren nicht nur linke Politiker seit langem – und bekommen nun Recht. Die Prämien vieler Billigkassen waren letztes Jahr viel zu tief, um die anfallenden Kosten zu decken. So auch bei der Avanex. Rein versicherungstechnisch klaffte bei ihr ein Loch von knapp 51 Millionen Franken.

Hoher «sonstiger Erfolg»

Umso überraschender ist, dass die Avanex das Jahr unter dem Strich trotzdem mit Gewinn abschliesst: Sie konnte unter dem nicht näher definierten Posten «sonstiger Erfolg» Einnahmen von 53 Millionen Franken verbuchen, womit die Zahlen ins Schwarze kippten und ein Plus von knapp zwei Millionen dastand.

Das Zauberwort für diese Rechnung heisst Quersubventionierung: Das positive Ergebnis der Avanex sei durch die «gruppeninterne Wachstumsfinanzierung» des Helsana-Konzerns zu Stande gekommen, heisst es im Jahresbericht der Kasse. Und Helsana-Sprecher Rob Hartmans erklärt auf Anfrage, was dies bedeutet: «Das Wachstum der Tochtergesellschaften wird auch aus der Holding finanziert.» Und weiter: «Selbstverständlich stammen die Mittel der Holding aus dem Privatversicherungsgeschäft.»

Die Kantone haben genug

Diese Praxis ist politisch höchst umstritten, denn sie kommt faktisch einer Umverteilung gleich: Die Kunden in der Mutterkasse und in der Zusatzversicherung tragen mit ihren Prämien dazu bei, dass die meist jungen und gesunden Versicherten in den Billigkassen viel weniger bezahlen müssen als sie selber. «Dadurch wird die Solidarität in der Grundversicherung ausgehöhlt», sagt SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr.

So denken auch die Kantone. Sie unterstützen seit längerem eine Motion des Schwyzer CVP-Ständerates Bruno Frick, mit welcher die kleine Kammer gegen die Billigkassen vorgehen will. Weil ihnen das aber zu lange dauert, werden sie am nächsten Montag, wenn sich Bund, Kantone und Kassen zu einer nächsten Situationsanalyse treffen, Gegenmassnahmen verlangen: Die Quersubventionierung müsse verboten werden, sagt Carlo Conti, Basler Regierungsrat und Vizepräsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren.

Noch weiter geht die Freiburger CSP-Nationalrätin Marie-Thérèse Weber-Gobet. Sie qualifiziert die Quersubventionierung als Begünstigung, und will darum nun die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrats einschalten. Das Aufsichtsgremium soll untersuchen, weshalb der Bund Prämien genehmige, die nicht den tatsächlichen Kosten entsprochen hätten. Und es soll nachbohren, wieso die für die Zusatzversicherungen zuständige Finanzmarktaufsicht Quersubventionen in den Bereich der sozialen Krankenversicherung toleriere.

Helsana: Im Dienst der Kunden

Kein Verständnis für dieses Kesseltreiben hat die Helsana. Aus ihrer Sicht hat die Finanzierungsstrategie nichts Anrüchiges, und schon gar nichts Illegales. «Es handelt sich um einen völlig normalen Vorgang, den wir im Geschäftsbericht offenlegen», sagt Rob Hartmans. Den Kunden werde damit nicht geschadet, ganz im Gegenteil: Der Wettbewerb unter den Kassen vergrössere ihre Auswahl. Bei einer Vereinheitlichung der Prämien müssten bei den grossen Kassen-Gruppen 42 Prozent der Versicherten tiefer in die Tasche greifen. Betroffen wären vor allem junge Erwachsene und Familien. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2009, 22:13 Uhr

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15 Kommentare

Jaasma Remco

07.06.2009, 00:11 Uhr
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Aufgrund der bilateralen Vertraegen mit der EU kann auch die Schweiz davon profitieren, dass mein Vorschlag im Europarlament zu einer Verbot der uneigentliche Verwendung der Praemiengelder sowie unanstaendig hoeher Salaere fuehren werde. Antworten


walter ottiger

26.05.2009, 17:35 Uhr
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dieser wettbewerb unter den kassen ist sowieso sinnlos. wir brauchen keine hundert krankenkassen, die ständig in den medien mit prämiengeldern werbung machen,eishockeyklubs ( kloten flyers) sponsern, ihren ceo`s unanständig hohe saläre auszahlen, usw. ............................................alles ein Affentheater in der sogenannten freien Marktwirtschaft. Antworten


Rolf Bänziger

26.05.2009, 07:19 Uhr
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Mit der Idee einer Einheitskasse hätten wohl einige CEO's und VR's unserer Krankenkassen ein kleines Problem...man bräuchte diese Spitzenleute nicht mehr und könnte sie somit in die UBS auslagern...Leider wird sich nichts ändern, da die Politik und die KK- Pharmalobby eng miteinander verbandelt sind. Man tut sich doch nicht gegenseitig weh, dann müsste man ja zum Arzt... Antworten


Heinz Butz

24.05.2009, 08:41 Uhr
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Ich kann hier nur sagen: Wer nicht jedes Jahr die Prämien der Kassen prüft und mit der Grundversicherung zum billigsten Anbieter geht ist selbst schuld. Also immer im Oktober Comparis ansehen und handeln !! Antworten


Ernst Sägesser

23.05.2009, 17:46 Uhr
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Jetzt werden wohl die Billigkasse masiv teurer werden da die Quersubventionierung verhinder werden soll. Dadurch sollten eigentlich die Muttergesellschaften die Prämien senken können. Dies wird aber garantiert nicht sein. Wieder ein Entschuldigung mehr, den Leuten unter einem billigen Vorwand, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Bundesrat wirds schon richten. Antworten


Urs-Werner Merkli

23.05.2009, 15:21 Uhr
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Besser Billigkassen mit guten Leistungen (wie die Helsana) als solche mit dann noch miserablen Leistungen und schimmen Vertragsbedingungen wie zusätzlichen Franchisen und Nebenklauseln! Antworten


Martin Käser

23.05.2009, 13:32 Uhr
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Typisch Politiker. Leider muss der kleine Mann auch sehen wo sein Geld bleibt, 50 oder 100 Franken weniger im Monat, mal zwölf macht schon den einen oder anderen Unterschied aus. Und das geplappere über Solidarität kann man auch weglassen, die verschwindet noch gänzlich wenn so weiter gewurschtelt wird. Antworten


Jürg Schmid

23.05.2009, 11:39 Uhr
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Jetzt wissen wir weshalb die Krankenkassen so entschieden dafür sind, dass die Komplementärmedizin in der Zusatzversicherung bleibt: Diese Milchkuh soll erhalten bleiben. Die Prämien der Zusatzversicherung sind offensichtlich zu hoch. In der Grundversicherung sind durch die von Aerzten ausgeübte KM nur Kosten von 30 Rappen im Monat angefallen. Quelle: Statistik des BAG. Antworten


David Fehlmann

23.05.2009, 09:17 Uhr
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Solidarität wird ausgehölt... Die Jungen bezahlen die zu teuren Renten der älteren Generation, die Jungen haben die grösste Arbeitslosigkeit, die Jungen haben eine wesentlich tiefere Sparquote, etc. Vielleicht kann man die Solidarität auch anders herum definieren, werte Politiker! Antworten


hans scholl

23.05.2009, 03:37 Uhr
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einer der grundwerte der versicherung ist der solidaritätsgedanke. mit dem aktuellen quersubventionierungsmodel werden einerseits falsche signale gesetzt (die alten kosten viel, die jungen weniger - dies mag zwar zutreffen, aber nichnt im dargestellten ausmass) und älteren versicherten überhöhte prämien belastet. so nicht! das kvg-modell funktioniert nicht. Antworten


Silvan Wespi

23.05.2009, 00:25 Uhr
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Die Behauptung im Artikel stimmt so nicht, denn der 19 jährige zahlt 267.- Prämie (tiefe Anlockprämie), verursacht als "gutes Risiko" der Kasse aber im Schnitt nur 60.- Kosten. Die 200.- Gewinn können dann weitergeschoben werden. Die Billigkassenstrategie ist einfach eine Form von unerwünschter Risikoselektion, erfunden durch Herr Couchepin mit seiner Groupe Mutuel. Ab 2012 wird besser... Antworten


Peter Zürcher

23.05.2009, 00:24 Uhr
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Die einzige logische Lösung ist die Einheitskasse mit Schweizweit gleichen Prämien. Denn es ist auch nicht einzusehen, warum ein Stadtzürcher die höhere Prämie bezahlt als z.B. ein Walliseller oder Glattbrugger, der die gleichen Aerzte und Spitäler aufsucht. Die SUVA und die AHV kostet auch in der ganzen Schweiz gleich viel, warum ist dies bei der Krankenkasse anders? Antworten


Thomas Bisang

23.05.2009, 00:14 Uhr
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Ich bin bei der Avanex und bezahle monatlich 150.- bei einer Franch. von 2500.-. Wenn sich also die KK mit 1.- an einer Rechnung beteiligen muss werde ich bis ende Jahr 4300.- selber bezahlt haben. Irgendwie finde ich das nicht sehr günstig. Fraglich ist eher ob man noch über 90 Jährige Monate lang in der Intensivstation pflegen soll, was nota bene 3000 pro Tag kostet. Schlecht für die Solidarität Antworten


Gion Saram

22.05.2009, 23:40 Uhr
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Als junger Erwachsener mit Familie hätte ich keine Freude daran anstatt wie bis jetzt "nur" einen Monatslohn plötzlich 2 Monatslöhne für die KK-Prämien auszugeben. Andererseits würde mit höheren Prämien für junge Erwachsene ein Anreiz geschaffen sich aktiver gegen die stetige Ausweitung des Leistungsangebots zu engagieren und nicht das Abstimmen den Alten und Kranken zu überlassen. Antworten


Rudolf Berbig

22.05.2009, 23:37 Uhr
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Die Idee mit dem Konkurenzkampf unter den Krankenkassen stammt aus dem Gesundheitsdepartement. Die Initiative der Einheitskasse wurde mit genau diesem Argument gebodigt. Das Abjagen der guten Risiken ist logische Konsequenz. Es ist Zeit das Problem bei der Wurzel zu packen: Kosten (Angebot Grundversicherung, Medikamententarife, unnötige Arztbesuche) und Administration (Einheitskasse) reduzieren. Antworten



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