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«Weshalb ich ins Gefängnis soll, ist nicht verständlich»

Interview: Simon Schmid. Aktualisiert am 29.08.2011 29 Kommentare

Im Interview mit Bernerzeitung.ch/Newsnet wehrt sich Samih Sawiris gegen die Vorwürfe der ägyptischen Justiz. Hat der Prozess gegen ihn eine politische Dimension?

«Es gab kein korrektes Verfahren»: Samih Sawiris über die Vorwürfe der ägyptischen Justiz.

«Es gab kein korrektes Verfahren»: Samih Sawiris über die Vorwürfe der ägyptischen Justiz.
Bild: Keystone

Das Verfahren

Ein ägyptisches Gericht wirft der Orascom Hotel & Development Falschaussagen in ihrer Finanzberichterstattung vor. Der Konzern habe die Beteiligung an seinem Mutterhaus, der an der Schweizer Börse kotierten Orascom Development Holding (ODH), nicht korrekt ausgewiesen. Weiter werden der Orascom-Tochterfirma Verstösse gegen Kotierungsregeln an der ägyptischen Börse vorgeworfen.

Orascom-Präsident Samih Sawiris ist bereits am Donnerstag zu zwei Jahren Gefängnis und einer Busse von 6780 Franken verurteilt worden. Weil gegen das erstinstanzliche Urteil Einspruch erhoben wurde, hat der Richterspruch noch keine Rechtskraft.

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Herr Sawiris, gemäss Medienberichten sind Sie von einem ägyptischen Gericht zu zwei Jahren Gefängnis und Busse verurteilt worden. Was sagen Sie dazu?
Wir weisen die Vorwürfe zurück und haben am Gericht appelliert. Es gab kein korrektes Verfahren, wir konnten nicht einmal umfassend Stellung nehmen.

Sind Sie in Ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt?
Das Urteil wurde suspendiert, ich kann mich frei bewegen.

Der Orascom Development werden fehlerhafte Angaben im Geschäftsbericht und Verstösse gegen Kotierungsregeln vorgeworfen. Wie schwer wiegen diese Vorwürfe?
Es geht um die Frage, ob unsere Holding Ende 2008 96 Prozent oder 98 Prozent der in Ägypten beheimateten Tochtergesellschaft Orascom Hotels & Development besass. Die im damaligen Finanzbericht ausgewiesene Beteiligung von 98 % wurde durch unsere Kontrollstelle in der Schweiz geprüft und gutgeheissen. Das Gericht in Ägypten sieht das anders und hat deshalb eine Busse verhängt. Weshalb ich zudem noch ins Gefängnis soll, ist nicht verständlich.

Die vom Gericht ausgesprochene Busse von 6780 Franken wirkt angesichts der angedrohten Gefängnisstrafe lächerlich.
Ich will jetzt nicht spekulieren. Aber es ist nicht klar, weshalb ich ins Gefängnis soll.

Stehen die Untersuchungen der ägyptischen Justiz in Zusammenhang mit der politischen Tätigkeit Ihres Bruders Naguib? Er äusserte sich im August kritisch über den Prozess gegen Mubarak.
Mein Bruder hat eine liberale und religionsunabhängige Partei gegründet, die grossen Zulauf hat. Er kämpft gegen Pfründe und Filz und hat sich damit nicht nur Freunde gemacht.

Welche Auswirkungen hat der Prozess für Orascom Development?
Für Orascom Development sehe ich keine Auswirkungen. Wie schon länger geplant übernimmt Gerhard Niesslein, ein sehr erfahrener Immobilienmanager, am 1. November 2011 die operative Leitung meines Unternehmens. Ich bleibe Präsident des Verwaltungsrates.

Hat dieser Prozess Auswirkungen auf das Tourismusprojekt in Andermatt?
Nein. Die Finanzierung von Andermatt ist gesichert, und das Team, welches das Projekt in Andermatt realisiert, ist sowieso in der Schweiz.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres hat Orascom Development stark unter den politischen Turbulenzen in Ägypten gelitten. Wann erwarten Sie die Rückkehr in die Gewinnzone?
Ich bin kein Hellseher. Sicher haben wir noch einige schwierige Monate vor uns, dann aber sollte sich die Lage in Ägypten beruhigen, und die Touristen sollten wieder zurückkommen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.08.2011, 17:46 Uhr

29

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29 Kommentare

Tobi Frohler

29.08.2011, 18:05 Uhr
Melden 172 Empfehlung

Christ zu sein im relativ frisch islamierten Ägypten ist leider nun mal brandgefährlich, wörtlich und im symbolischen Sinn. Antworten


Marc Schweizer

29.08.2011, 18:50 Uhr
Melden 102 Empfehlung

Sawiris sollte seine Zelte in Ägypten abbrechen, denn der Tourismus wird sich dort kaum so schnell erholen. Die Partei der Muslimbrüder hat schon verlangt, dass Strände künftig nach Geschlechtern getrennt sein sollen. Bikinis und Alkohol werden verboten. Pyramiden und Tempel soll man nicht mehr besuchen dürfen, da sie einen anderen Glauben repräsentieren. Was soll man da noch in Ägypten bereisen? Antworten




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