Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Weniger ist manchmal besser

Von Fabian Schäfer. Aktualisiert am 09.02.2012 2 Kommentare

In keinem europäischen Land gibt es weniger Wohneigentümer als in der Schweiz. Die Bausparinitiative,über die am 11.März abgestimmt wird, soll Abhilfe schaffen. Die Frage ist nur, ob das nötig und vernünftig ist.

Ein höherer Anteil von Wohneigentum  ist nicht für alle erstrebenswert.

Ein höherer Anteil von Wohneigentum ist nicht für alle erstrebenswert.
Bild: Keystone

Minus 20 Millionen im Kanton Bern

Steuerabzüge sind nicht gratis: Wenn der Fiskus nun auch noch das Bausparen fördern soll, entgehen dem Staat unweigerlich Einnahmen. Im Kanton Bern wären es knapp 20 Millionen Franken. Davon profitiert die Gruppe der Bausparer. Steuerabzüge sind damit nichts anderes als getarnte Subventionen.

Es fragt sich, ob es eine vernünftige Legitimation gibt, Möchtegern-Eigentümer auf Kosten der Allgemeinheit zu subventionieren.

Darauf gibt es aus Kreisen des Hauseigentümerverbands der Schweiz eine gängige Antwort: Wohneigentümer seien besonders verantwortungsbewusste, zuverlässige und leistungsbereite Bürger. Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt und damit weniger mobil ist als ein Mieter, engagiert sich gemäss dieser Logik stärker für seinen Wohnort, in der Politik, in der Nachbarschaft und so weiter.

Davon halten skeptische Ökonomen wie Silvio Borner oder Monika Bütler nichts. Sie entgegen unter anderem, Eigentümer beschleunigten die Zersiedelung der Schweiz. Zudem machten sie den Arbeitsmarkt unflexibler, da sie weniger bereit seien, für eine neue Stelle den Wohnort zu wechseln. Wenn sie die Stelle trotzdem annehmen, pendeln sie und verursachen auf der Strasse oder auf der Schiene weitere Kosten zulasten der Allgemeinheit.
Wieder andere Ökonomen entgegnen, genau deshalb würden sich Eigentümer bei der Arbeit besonders anstrengen, um einen Stellenverlust zu vermeiden.

Ein weiteres Argument spricht gegen eine stärkere Wohneigentumsförderung: Sie kann Familien dazu verleiten, Wohneigentum zu kaufen, die sich das eigentlich nicht leisten können. Sie verschulden sich stark und gehen mit dem Hauskauf ein Klumpenrisiko ein. Wozu dies im Extremfall führen kann, zeigte die Subprime-Krise in den USA.

Blog

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die nackten Zahlen sind klar: In der Schweiz verfügten 2008 nur 39Prozent der Haushalte über ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung. In keinem Land der EU ist die Wohneigentumsquote niedriger (siehe Grafik). Aus Sicht der meisten bürgerlichen Politiker – nicht aber vieler Ökonomen – ist die Schlussfolgerung klar: Der Staat muss das Wohneigentum stärker fördern. Deshalb unterstützen sie die Bausparinitiative, die am 11.März an die Urne kommt. Sie würde Mieter, die Geld für den ersten Hauskauf ihres Lebens auf die Seite legen, mit weiteren, grosszügigen Steuerabzügen belohnen.

Für die Bausparlobby steht fest, dass eine tiefe Wohneigentumsquote per se schlecht ist. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sieht das anders aus, wie Ökonomen betonen. Erste Zweifel weckt schon die Grafik mit den Wohneigentumsquoten der europäischen Staaten: Ist eine hohe Quote wirklich erstrebenswert? Die Länder mit den meisten Wohneigentümern – Litauen, Rumänien, die Slowakei, Bulgarien, Ungarn – zählen nicht gerade zu den reichsten Standorten. Es fällt auch auf, dass gerade hochentwickelte, wohlhabende Länder wie Deutschland, Dänemark, Holland oder Schweden nach der Schweiz die tiefsten Wohneigentumsquoten haben.

Zudem variiert der Anteil der Wohneigentümer innerhalb der Schweiz stark: von über 50 Prozent im Wallis, in Innerrhoden und im Jura bis unter 15 Prozent in den Stadtkantonen Basel und Genf. Der Kanton Bern liegt mit knapp 40 Prozent etwa im schweizerischen Schnitt.

Nun gibt es Ökonomen, die in einer tiefen Wohneigentumsquote gar nichts Schlechtes sehen. Der streitbare Silvio Borner etwa, emeritierter Professor der Uni Basel –gewiss kein Linker –, oder die St.Galler Professorin Monika Bütler halten eine tiefe Quote sogar für besser (siehe Kasten).

Die andere Frage ist, warum es in der Schweiz weniger Wohneigentümer gibt als im Ausland. Für viele Bürgerliche steht fest, dass die ungenügende staatliche Förderung schuld ist. Widerspruch ernten sie nicht nur vom Bundesrat und vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), sondern auch von den liberalen Ökonomen von Avenir Suisse, der Denkfabrik der Wirtschaft. Sie verweisen insbesondere auf folgende Gründe:

Gut funktionierender Mietmarkt. Dank einem – sogar aus Sicht von Avenir Suisse – «eher liberalen» Mietrecht funktioniere der Mietwohnungsmarkt in der Schweiz gut, und das Angebot sei qualitativ hochstehend. Als Gegenbeispiel dienen Staaten mit «mieterfreundlichen» Gesetzen wie etwa Spanien: Da es Vermietern hier lange erschwert worden sei, Mietern zu kündigen und Mieten zu erhöhen, hätten sich viele Anbieter aus dem Markt zurückgezogen. Die Folge gemäss Avenir Suisse: Wer in Spanien akzeptablen Wohnraum wolle, müsse Eigentum erwerben, da es für Investoren nicht mehr interessant gewesen sei, ihre Mietimmobilien zu unterhalten.

Stockwerkeigentum spät eingeführt. Bis 1965 war es nur im Kanton Wallis möglich, in Mehrfamilienhäusern eine Eigentumswohnung zu kaufen; dies erklärt auch, wieso das Wallis bis heute mit Abstand den höchsten Anteil an Wohneigentümern ausweist. Seit Stockwerkeigentum schweizweit eingeführt ist, erhöht sich die Wohneigentumsquote rasch.

Teurer als anderswo. Laut dem BWO ist es in der Schweiz schlicht vergleichsweise teuer, Eigentum zu erwerben. Dies begründet das Bundesamt mit dem hierzulande ungünstigeren Verhältnis zwischen den Kosten eines Hauskaufs und dem Durchschnittseinkommen. Gleichzeitig machten die Bruttomieten im Durchschnitt seit Jahren immer etwa 20 Prozent der Bruttoeinkommen aus, womit die Wohnungen tragbar und lange preisgünstiger waren als Eigentumswohnungen.

Seit 1990 ist die Wohneigentumsquote in der Schweiz rasch angestiegen. Dies erklärt das BWO unter anderem damit, dass in dieser Zeit die Einkommen stärker angestiegen sind als die Preise für Wohneigentum. Einen grossen Beitrag hatten und haben auch die historisch tiefen Zinsen für Hypotheken. Sie führten dazu, dass Eigentumswohnungen für beide Seiten – für Ersteller und Nutzer – oft interessanter sind als Mietwohnungen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.02.2012, 09:39 Uhr

2

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

2 Kommentare

Rudolf Steiner

09.02.2012, 10:25 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Der Artikel stellt die These auf, dass ein höherer Anteil von Mietern besser sei, mit dem einzigen Argument (ohne Kasten), in Ländern mit höheren Anteil an Besitzern gebe es keine guten Mietobjekte. Eine etwas gar sonderbare Begründung. Ich stelle mal eine Gegenthese auf: In Zeiten wie dieser mit massiver Immigration nützt diese Situation vor allem den Besitzenden, da die Mieten massiv ansteigen. Antworten


Walter wenger

09.02.2012, 22:22 Uhr
Melden

Gehört dieser Titel "weniger ist manchmal besser" nicht zu aktueller Situation betr. Einwanderungspolitik? Antworten




Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.