Welche Krankenkassen zu gross sind
Von Claude Chatelain. Aktualisiert am 16.08.2010 45 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
Big is beautiful. Wie die börsenkotierten Multis streben auch gewisse heimische Krankenkassen nach Grösse. Eine davon ist die Sanitas in Zürich. Vor vier Jahren hat sie der Winterthur die Krankenkasse Wincare abgekauft. Nun will sie sich auf Anfang 2011 mit der Berner KPT zusammenschliessen. Als Grund für dieses Machtstreben führen die Verantwortlichen immer die gleichen Argumente ins Feld: das Nutzen von Synergien sowie die Einkaufsmacht.
Je grösser, desto teurer
Beide Argumente sind nicht stichhaltig: Synergien nutzen heisst eigentlich nichts anderes als Kosten einsparen. Könnten also grosse Krankenkassen tatsächlich günstiger produzieren, müssten die Kosten pro versicherte Person unterdurchschnittlich sein. Doch das Gegenteil ist der Fall, wie der Statistik des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu entnehmen ist (Kasten). Die grossen Krankenkassen weisen in der obligatorischen Grundversicherung pro versicherte Person tendenziell höhere Verwaltungskosten aus. Besonders tiefe Verwaltungskosten haben die kleinen Kässeli vornehmlich im Wallis.
«Wir wissen, dass unser Betriebsaufwand überdurchschnittlich hoch ist, darum haben wir ja ein Kostensenkungsprogramm lanciert», sagt Helsana-Sprecher Rob Hartmans.
Günstige Atupri
Unterdurchschnittliche Verwaltungskosten weist dagegen die Berner Krankenkasse Atupri aus: 96 Franken pro versicherte Person. Das sind zweieinhalbmal weniger als bei Helsana, der Mutterkasse des grössten Krankenkassenkonzerns. Atupri-Chef Christof Zürcher begründet die tiefen Kosten mit den schlankeren Strukturen. «Nein, wir hegen keine Fusionsabsichten», erklärt er auf Anfrage.
Auch für die Kolping-Krankenkasse ist «big» keineswegs «beautiful». Das Bundesamt für Gesundheit wollte zwar die Kasse aus Dübendorf wegen zu geringer Reserven zu einer Fusion mit einer grossen Kasse bewegen. Doch Kolping fand einen anderen Weg und hat laut Geschäftsführer Egon Hürlimann nicht im Sinn, sich in die Arme einer grossen Kasse zu werfen.
Die Kundennähe zählt
Christoph Linder von der Krankenkasse Steffisburg erklärt, dass sich die meisten Kassen mit der Nähe zum Kunden profilieren wollten. Doch bei grossen Kassen sei dies mit hohen Kosten verbunden, weil sie dazu eine dezentrale Struktur benötigten. Die Krankenkasse Steffisburg könne jedoch ihre gut 8000 Versicherten locker und kundennah vom Hauptsitz in Steffisburg aus betreuen.
Ein Ammenmärchen
Und was ist vom Argument der Einkaufsmacht zu halten? Können Krankenkassenkonglomerate dank des grösseren Volumens tiefere Tarife aushandeln? «Ein Ammenmärchen», sagt Peter Kappert, Besitzer des Berner Privatspitals Sonnenhof. «Bei uns zahlen Atupri- oder Helsana-Kunden gleich viel.» Im Normalfall handelt der Krankenkassenverband Santésuisse im Namen seiner Mitglieder die Tarife in der obligatorischen Grundversicherung aus.
Zusatzversicherungen
Etwas anders funktioniert es bei den Zusatzversicherungen. Hier verhandeln die grossen Krankenkassen einzeln mit den Leistungserbringern wie etwa den Spitälern. Wobei hier die kleinen Kassen mit den grossen einen Zusammenarbeitsvertrag abschliessen. So ist es die Concordia-Krankenkasse aus Luzern, welche unter anderem auch im Namen von Atupri und Kolping Verträge aushandelt. Kolping zahlt dafür 40'000 Franken. «Das kommt uns günstiger zu stehen, als wenn wir selber verhandeln müssten», sagt Hürlimann.
Stellt sich die Frage, weshalb sich eine Kasse wie die KPT dennoch mit der Sanitas zusammenschliessen, ihre Selbstständigkeit aufgeben und damit zur drittgrössten Kasse der Schweiz mutieren will. Nicht auszuschliessen ist, dass der Beweggrund im Aktienmitarbeiterprogramm zu suchen ist, welches den KPT-Verwaltungsräten bei einer Fusion Millionen von Franken zuspülen würde. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.08.2010, 10:53 Uhr
Kommentar schreiben
45 Kommentare
Interessant, aber gleichzeitig sieht man wie wenig das Sparpotential bei einer Einheitskrankenkasse wäre: sehr bescheiden. Der grösste Teil des Aufwandes machen immer noch die ausbezahlten Leistungen aus, auch wenn die Volksseele gerne über die "Mänätscher"-Gehälter schimpft. Antworten
Die HELSANA ist aus Genossenschaften innerhalb von zwanzig Jahren zu einem Konzern gewachsen, der seine Kunden aus den Augen verloren hat. Man läuft in Call-Center auf (halbe Stunde Abba und dann eine völlig inkompetente Telefonistin), muss als Kunde bei der Korrektur von irrationalen Forderungen selbst zum Qualitätsmanagement beitragen und resigniert. Antworten
Schweiz
- 18:44Nach dem Kampfjet erhitzen die Militärvelos die Gemüter
- 15:25Hacker dringen in EDA-Computernetzwerk ein
- 12:32Kriminaltouristen rücken mit schwerem Geschütz vor
- 10:49So will Levrat ein Nein zu den Steuerabkommen erzwingen
- 08:32FDP-Präsident Müller will Gripen abschiessen
- 23:34Roger de Weck in der Kritik
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Remund führend in Werbetechnik
Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





