Was, wenn er tatsächlich kommt?
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 05.01.2011 22 Kommentare
Die Schweizer Wirtschaft und Libyen
Herr Atteslander*, gibt es von Economiesuisse Bestrebungen, die wirtschaftlichen Beziehungen mit Libyen zu normalisieren?
Nein. Es ist Aufgabe der beiden Staaten, die Beziehungen wieder zu normalisieren. Dies wird Zeit brauchen.
Bemüht sich Economiesuisse um ein Treffen mit Saif al-Islam Ghadhafi am WEF?
Nein, wir haben keine Anfrage von der libyschen Seite.
Wie wichtig ist es überhaupt für die Schweizer Wirtschaft, dass sich die wirtschaftlichen Beziehungen zu Libyen normalisieren können?
Es ist im beidseitigen Interesse, dass sich die zwischenstaatlichen und wirtschaftlichen Beziehungen wieder normalisieren. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind für die Schweiz jedoch nicht besonders wichtig. Libyen hat hier ein bedeutend stärkeres Interesse, da es vor dem Boykott rund zehn Mal mehr in die Schweiz exportierte als die Schweiz nach Libyen.
Hat Economiesuisse Anzeichen von Schweizer Firmen, dass sie von Libyen für einen wirtschaftlichen Austausch wieder angefragt wurden?
Nein. Zudem müsste Libyen als erste Massnahme die Boykottmassnahmen beeenden.
* Jan Atteslander ist Verantwortlicher beim Wirtschaftsdachverband Economiesuisse für die nordafrikanischen Länder, darunter Libyen.
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Maler, Denker und Wohltäter: Saif al-Islam, Sohn von Revolutionsführer Muammar al-Ghadhafi und Kronzprinz von Libyen, ist die Anti-Figur zum Vater. Er gibt gerne den Demokraten – «wenn wir mit dem Westen tanzen wollen, dann müssen wir im selben Rhythmus und zur selben Musik tanzen», sagte er jüngst. Al-Islam studierte Architektur, spricht neben Arabisch auch Englisch, Französisch und Deutsch, tourte mit eigenen Gemälden und libyschen Künstlern durch europäische Metropolen. Kurz: Al-Islam darf man sicher als Weltbürger bezeichnen.
Wohl darum ist er im Ausland – trotz des schwierigen familiären Hintergrunds – ein gern gesehener Gast. Bereits in früheren Jahren reiste Saif al-Islam nach Davos. 2009 kam es sogar zu einem Treffen mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey. Ein halbes Jahr nach Ausbruch der Libyen-Krise zeigte er sich bemüht, eine Entspannung herbeizuführen. «Ich tue mein Bestes, um diese Angelegenheit mit der Schweizer Regierung zu lösen», liess er sich damals zitieren. Gebracht hat es, wie wir nun wissen, nichts. 2010 wurde er wegen einer von der offiziellen Schweiz erstellten schwarzen Liste – auf der im Zuge der Libyen-Krise unerwünschte Staatsbürger des Wüstenstaates genannt wurden – nicht nach Davos eingeladen.
Kritik an schwarzer Liste
Nun wirft ein weiterer möglicher Besuch des Ghadhafi-Sohnes bereits im Vorfeld des WEF 2011 (26. - 30. Januar) grosse Wellen. Zuerst hiess es, er sei gar nicht willkommen, dann meldete das WEF er habe einfach noch keine Einladung erhalten. Diese erhielt er nun. Von gewissen Medien wurde kolportiert, die Schweizer Regierung habe beim WEF interveniert. Das EDA hat dies aber dementiert. «Die Einladung ist Sache der privaten Organisatoren», hiess es in Bern.
Das nervöse Treiben zeigt aber, dass im möglichen Besuch des Ghadhafi-Sohnes Potenzial steckt. Das bestätigt indirekt auch Libyen-Kenner Erich Gysling: «Will die Schweiz den Gesprächskanal zu Libyen wieder öffnen, dann muss man Saif al-Islam irgendwie einbeziehen.» Und dazu böte das WEF in Davos eine gewisse Chance. Gysling hatte schon früher kritisiert, dass Saif al-Islam auch auf dieser schwarzen Liste von in der Schweiz nicht willkommenen Libyern figurierte. Den Kontakt zu diesem möglichen Nachfolger von Revolutionsführer Ghadhafi müsse man unbedingt pflegen.
Keine Bilder von Calmy-Rey zusammen mit Saif al-Islam
Obwohl theoretisch möglich, wäre ein Treffen mit einem Schweizer Regierungsmitglied sicherlich eine ganz heikle Angelegenheit. «Die Libyer wollen sich auf keinen Fall mit den Schweizern ablichten lassen», so Gysling. Es dürfte nicht der Eindruck entstehen, man habe den Streit beigelegt. Eine Gratwanderung also. Trotzdem: «Ein Geheimtreffen halte ich aber nicht für ausgeschlossen», so Gysling.
Was aber – ausser dem belasteten Verhältnis mit der Schweiz – treibt den Sohn des libyschen Machthabers sonst noch nach Davos? «Ganz viel», meint Gysling. Der Wüstenstaat wolle wieder zur internationalen Gemeinschaft gehören. Und dafür sei eine Präsenz in Davos Gold wert. «Für Saif al-Islam wäre es äusserst attraktiv, sich am WEF zum Beispiel mit einem französischen Minister zu treffen.»
Einen Besuch nicht überinterpretieren
Für den Ghadhafi-Sohn gibt es also genug Gründe, eine Reise nach Davos anzutreten. Entscheiden wird er darüber aber nicht selber. «Obwohl sich Saif al-Islam als eigenständiges Mitglied der Ghadhafi-Familie präsentiert hat, wird in dieser Frage der Papa die letzte Entscheidung treffen», sagt Gysling. Und falls der libysche Kronprinz dann wirklich im Schweizer Schnee herumstapfe, könne auch das von der Schweiz nicht automatisch als Zeichen des Entgegenkommens interpretiert werden. Zu viel Geschirr wurde zwischen den beiden Ländern zerschlagen, als dass so schnell wieder eitler Sonnenschein herrschen kann. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.01.2011, 14:46 Uhr
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22 Kommentare
Er kann ruhig kommen - alles andere, würde unsere Tradition widersprechen. Die Schweiz pflegt ja eine Aussenpolitik ohne Druck und Machtmittel, sondern hofft immer auf das Verständnis der Gegenseite - wenn nicht in dieser, so vielleicht in der nächsten Generation...Nur weil sein Papa die Schweiz aufteilen will, können wir doch nicht so sein. Antworten
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