Schweiz

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Warum sind Deutsche in der Schweiz unbeliebt?

Interview: Marc Brupbacher. Aktualisiert am 12.02.2010 265 Kommentare

Sozialwissenschaftler Marc Helbling hat das Verhältnis zwischen Deutschen und Schweizern untersucht. Gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet erklärt er, was an der hiesigen Deutschenfeindlichkeit einzigartig ist.

Verhaltener Empfang: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey begrüsst in Bern die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, 29. April, 2008.

Verhaltener Empfang: Bundesrätin Micheline Calmy-Rey begrüsst in Bern die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, 29. April, 2008.
Bild: Keystone

Zur Person: Der Schweizer Marc Helbling (32) forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zu den Themen Migration, Staatsbürgerschaft und Nationalismus. Die im Text erwähnte Studie mit dem Namen «Why Swiss-Germans dislike Germans» erscheint diesen Herbst. Die Studie fusst auf der Befragung von 1300 Zürcherinnen und Zürchern zu ihrer Meinung über Einwanderer.

Zur Person: Der Schweizer Marc Helbling (32) forscht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zu den Themen Migration, Staatsbürgerschaft und Nationalismus. Die im Text erwähnte Studie mit dem Namen «Why Swiss-Germans dislike Germans» erscheint diesen Herbst. Die Studie fusst auf der Befragung von 1300 Zürcherinnen und Zürchern zu ihrer Meinung über Einwanderer.

Nicht sehr gastfreundlich: Plakat der Jungfreisinnigen am Paradeplatz in Zürich.

Nicht sehr gastfreundlich: Plakat der Jungfreisinnigen am Paradeplatz in Zürich. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema

Warum mögen die Schweizer die Deutschen nicht?
Gewisse Grundhaltungen können durch das nationalsozialistische Erbe Deutschlands erklärt werden. Es zeigt sich aber auch: Überall wo bislang eine Ausländergruppe über einen kurzen Zeitraum eingewandert ist, kam es zu ablehnenden Haltungen. Die Deutschen in der Schweiz werden als kulturelle und ökonomische Bedrohung wahrgenommen.

Diese Gründe sind nicht sehr überraschend.
Das stimmt, weil sie auf Erklärungsmuster zurückführen, die man in der Forschung zu Fremdenfeindlichkeit bereits kennt. Aussergewöhnlich bei der Deutschenfeindlichkeit in der Schweiz ist allerdings, dass in diesem Fall eine kulturell recht ähnliche Gruppe angefeindet wird. Es hätte auch kaum je jemand vermutet, dass gut ausgebildete und integrierte Migranten solche Konflikte auslösen können. Die SVP hat ja immer gefordert, dass nur Ausländer aus höheren sozialen Schichten ins Land gelassen werden sollten, weil diese angeblich keine Probleme mit sich brächten.

Mit der Deutschen-Debatte wird auch die These widerlegt, dass Bildung vor Fremdenfeindlichkeit schützt.
Tatsächlich sind auch gebildete Schweizer den Deutschen gegenüber negativ eingestellt. Daraus kann man schlussfolgern, Bildung schütze vor allem deswegen vor Fremdenfeindlichkeit, weil schlecht qualifizierte Migranten keine Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sind. Gut Gebildete sind also nicht grundsätzlich toleranter. Sie sind es nämlich dann nicht, wenn es um den eigenen Job geht.

Hat die Abneigung gegenüber den Deutschen in den letzten Jahren zugenommen?
Darüber gibt es leider kaum Zahlen. Die SVP hat ja das Thema erst vor Kurzem aufgenommen, nachdem die Debatte schon lange am laufen war. Und auch der Steuerstreit ist erst in einem zweiten Schritt hinzugekommen. Die Abneigung gegen die Deutschen gab es aber bereits jenseits von Politik und Medien. All diese Aspekte haben aber nun einen verstärkenden Effekt.

Sie sagen, die Ablehnung der Deutschen sei nichts Schweiz-Spezifisches.
In internationalen Studien hat sich gezeigt, dass die Schweiz im Vergleich zu anderen westeuropäischen Staaten nicht fremdenfeindlicher ist.

Also brauchen wir uns nicht zu schämen. Im Endeffekt sind alle Völker fremdenfeindlich.
Ich würde es so formulieren: Wenn wir plötzlich von Fremden umgeben sind, fühlen wir uns unwohl. Das trifft auf alle zu und war schon immer so. Fremdenfeindlichkeit – in diesem Fall die Ablehnung der Deutschen – ist somit ein natürlicher Abwehrmechanismus. Wir müssen diese Einstellungen ernst nehmen. Rassismus kann aber leicht überwunden werden. Zum Beispiel wenn das Fremde über die Zeit vertraut wird. Die Italiener wurden früher extrem angefeindet, heute gehören sie zu den beliebtesten Ausländern in der Schweiz.

Sie wohnen als Schweizer seit einem Jahr in Berlin. Schon mal angefeindet worden?
Meine Nationalität spielt hier überhaupt keine Rolle. Und wenn, dann ist es vor allem so, dass die Deutschen die Schweizer mögen und ein sehr gutes Bild von unserem Land haben.

Wenn Sie in Berlin Hochdeutsch sprechen, fühlen sie sich da auch manchmal minderwertig?
Nicht im geringsten.

Wie könnte sich das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen entspannen?
In der Forschung hat sich immer wieder gezeigt, dass direkte interkulturelle Kontakte negative Einstellungen abbauen. Vor allem aber: Über längere Zeit gewöhnt man sich an das Fremde. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.02.2010, 08:30 Uhr

265

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

265 Kommentare

Carola Forkel

26.01.2011, 09:07 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Ich lebe seit 2 Jahren in der Schweiz. Anfangs war ich sehr positiv gegenüber Schweizern eingestellt und habe sie immer gegen Freunde und Bekannte verteidigt, welche wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Heute, 2 Jahre später, muss ich leider eingestehen, dass ich meine Freunde verstehen kann. Es ist ungeheuerlich was auch über die Medien (Radio) für Negativpropaganda gemacht wird. Antworten


Daniela Hirt

20.09.2010, 19:48 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Ich liebe die Schweiz! Sie ist die Welt auf 41285 km2. Ich schätze jeden meiner Mitbürger aus jedem Land, den sie lassen mich teilhaben an unbekannten Kulturen, sie lehren mich Sprachen, erklären mir die grossherzigkeit anderer Religionen und erfreuen mich mit noch nie probierten kulinarischen Köstlichkeiten. Ich sitze an einem Kantinentisch in Basel und reise um die ganze Welt, ohne aufzustehen. Antworten




Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.