Warum sich junge Frauen betrinken
Silvester, Geburtstag oder auch ganz normaler Samstag: Gemeinsames, öffentliches Trinken gehört für viele Jugendliche mittlerweile zum normalen Ausgehverhalten. Die Gründe, weshalb sich Jungen und Mädchen betrinken, sind aber sehr geschlechtsspezifisch. Dies hat eine Sozialgeografin der Universität Zürich herausgefunden, die zu diesem Zweck 14 Diskussionsrunden mit Zürcher Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren durchgeführt hat. Die Jungen und Mädchen blieben dabei aber unter sich, um ehrlicher antworten zu können.
Wie die Gespräche zeigen, ist das Trinkverhalten in sehr traditionelle Rollenmuster eingebettet: Bei den jungen Männern geht es in erster Linie darum, ihre Männlichkeit oder ihren Mut zu beweisen, wie die Universität Zürich am Mittwoch mitteilte.
Sie stellen sich als Helden dar oder als Gewinner von Trinkspielen. Negative Wirkungen oder Gefahren, in die sie aufgrund ihrer Trunkenheit geraten, wurden in den Gesprächen kaum thematisiert. Betrunkene Jungen werden akzeptiert und nicht infrage gestellt - weder von ihresgleichen noch von weiblichen Altersgenossinnen.
Alkohol als Vorwand für den Annäherungsversuch
Anders sieht es bei betrunkenen Mädchen aus: Wie die Gespräche zeigen, werden sie von beiden Geschlechtern schnell einmal zur «Nutte» oder «Schlampe» abgestempelt. Die Weiblichkeit wird diesen jungen Frauen abgesprochen, sie gelten vielmehr als Saufkumpel. Im Gegensatz zu den Knaben machen die Betroffenen aus einem Absturz keine Heldengeschichte, sondern schämen sich oft dafür.
Nicht immer stehen Mädchen, die sich entsprechend verhalten, aber auch wirklich unter Alkoholeinfluss. Es kommt vor, dass sie nur so tun, als hätten sie viel getrunken, um sich für ihre Taten nicht mehr rechtfertigen zu müssen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie nach einem Weg suchen, sich jungen Männern zu nähern.
Im Gegensatz zu den Knaben bringen junge Frauen Alkohol aber auch mit Gefahren in Verbindung, insbesondere, was die sexuelle Belästigung betrifft. , bilanziert die Universität Zürich. Der «richtige» Alkoholkonsum entscheide über das Dazugehören zum zwischengeschlechtlichen Spiel, könne aber auch zum Nachteil werden. (vin/sda)
Erstellt: 23.12.2009, 16:53 Uhr
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