Warum sich Bernie Ecclestone nicht als Steuerflüchtling sieht

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kehrt den Spiess um: Er sei kein Profiteur, weil er im Kanton Bern Pauschalsteuern bezahle. Vielmehr zahle er hier seit Jahren freiwillig und gerne Steuern.

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Die Gegner der Pauschalsteuer haben Formel-1-Chef Bernie Ecclestone zum Sinnbild des Profiteurs erhoben. Der mehrfache Milliardär habe sich in Gstaad niedergelassen, um sich anderswo einer regulären Besteuerung zu entziehen. Am Wochenende forderten Kritiker der Pauschalsteuer darüber hinaus, dass Ecclestone als Pauschalbesteuerter auch die 100 Millionen Dollar versteuern müsse, die er kürzlich in Deutschland zahlte, um einen Strafprozess zu stoppen.

Ecclestone äussert sich nun erstmals zum Vorhalt, er sei ein Steuerflüchtling. Und er sagt Überraschendes: Er werde seit jeher in England voll besteuert. In der Schweiz wird er ebenfalls besteuert. Er zahle also in beiden Ländern Steuern. Ecclestone geht noch weiter: In der Schweiz zahle er freiwillig Steuern, weil sein Lebensmittelpunkt eindeutig in England sei.

Pflicht nur in einem Staat

In der Tat sieht das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen der Schweiz und Grossbritannien vor, dass Personen, die in beiden Ländern Wohnsitz haben, ihr weltweites Einkommen und Vermögen nur in einem der Staaten versteuern müssen. Urs Behnisch, Professor für Steuerrecht an der Universität Basel, bestätigt, dass auch Ecclestone, wenn er in zwei Staaten einen Wohnsitz hat, sich problemlos auf das Abkommen berufen könnte. Er wäre dann nur noch in einem der beiden Wohnsitze unbeschränkt steuerpflichtig.

Im anderen Land dürften die Behörden ihn praktisch nur noch als Hausbesitzer besteuern. Er müsste demnach dort bloss noch den Eigenmietwert und den Vermögenswert seines Wohnsitzes versteuern.

Im DBA ist geregelt, welches der beiden Länder im konkreten Fall zum Handkuss kommt und die weltweiten Einkommen und Vermögen einer bestimmten Person mit Doppelwohnsitz besteuern darf. Entscheidend ist gemäss DBA, wo sich der Lebensmittelpunkt der Person befindet. Dabei spielt laut Professor Behnisch eine Rolle, in welchem Land die nächsten Angehörigen leben und wo der Hauptteil der wirtschaftlichen Interessen liegen. Mit wirtschaftlichen Interessen sind die Vermögenswerte sowie die Einkünfte daraus gemeint.

Alles spricht für England

Im Zweifelsfall, wenn die Anknüpfungen zu beiden Staaten etwa gleichwertig seien, entscheidet laut Behnisch die Staatsangehörigkeit. Ecclestone ist Engländer. Bekannt ist, dass seine Kinder in Grossbritannien leben. In Anbetracht dieser Umstände gibt es kaum Zweifel, dass der Formel-1-Chef England als Steuersitz geltend machen könnte und folglich in der Schweiz die Pauschalsteuern tatsächlich freiwillig zahlt.

Wohl weniger als 10 Prozent

Wie viel Steuern Ecclestone in der Schweiz und in Grossbritannien bezahlt, will er nicht sagen. Aber eines ist sicher: Bei der Steuerzahlung, die er in der Schweiz leistet, handelt es sich um einen Betrag, der ihn kaum schmerzen dürfte. Aus Zahlen, welche die Berner Kantonsregierung veröffentlicht hat, lässt sich ableiten, dass der «grösste» Pauschalbesteuerte im Kanton rund 2,4 Millionen Franken Steuern abliefert. Ecclestone bezahlt also maximal diesen Betrag.

Umgekehrt lässt folgende Rechnung erahnen, wie viel Geld Ecclestone verdient. Laut der Zeitschrift «Bilanz» verfügt er über ein Vermögen von 2,5 bis 3 Milliarden Franken. Selbst wenn er auf diesem Vermögen bloss eine minimale Rendite von einem Prozent hätte, gäbe dies noch jährliche Einnahmen von 25 Millionen Franken. Daraus geht hervor, dass Ecclestone in der Schweiz sicher weniger als 10 Prozent seiner Einkünfte versteuert. (Berner Zeitung)

(Erstellt: 29.10.2014, 21:49 Uhr)

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Der Rechtstreit

100 Millionen Dollar stehen im Zentrum des Wirbels um Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. Diese Summe – umgerechnet etwa 95 Millionen Franken – überwies er im August dem Freistaat Bayern, damit das Gericht München ein Verfahren wegen Bestechung einstellt. Um eine Busse handelt es sich dabei nicht, da Ecclestone explizit nicht verurteilt wurde.
In der Schweiz würde man von einem Vergleich sprechen. In Deutschland nennt man solche Zahlungen «Geldauflagen».

Aber warum kam es überhaupt zum Vergleich? Es ging damals um den Verkauf der Formel-1-Anteile, welche die Bayrische Landesbank besessen hatte. Der Staatsanwalt war überzeugt, dass Ecclestone einen hohen Angestellten der Bank mit über 40 Millionen Dollar «geschmiert» hatte, wie er seinerzeit der «Süddeutschen Zeitung» sagte. Er war aber unsicher, ob er Ecclestone Bestechung eines Amtsträgers nachweisen kann, da der Engländer vielleicht wirklich nicht wusste, dass der Landesbanker nach deutschem Recht Beamter ist. Laut dem Staatsanwalt wäre die milder bestrafte «Bestechung im geschäftlichen Verkehr» noch schwieriger nachzuweisen gewesen. Deshalb willigte er in den Vergleich ein, forderte vom mehrfachen Milliardär Ecclestone aber von Beginn weg einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Staatsanwalt begründete den Vergleich auch mit dem Alter des 84-Jährigen. fab

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