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Vorzeige-Unternehmer hat Kandidatur im Visier

Von Gregor Poletti. Aktualisiert am 09.08.2010 2 Kommentare

Der Langenthaler Unternehmer und FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann überlegt sich eine Bundesratskandidatur. Vertraute gehen davon aus, dass er antritt, wenn er auf eine breite Unterstützung zählen kann.

Sinniert intensiv darüber nach, ob er als Bundesratskandidat
 antreten soll: Der Berner FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann.

Sinniert intensiv darüber nach, ob er als Bundesratskandidat antreten soll: Der Berner FDP-Nationalrat Johann Schneider-Ammann.
Bild: Walter Pfäffli

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Zwei Handicaps für Sommaruga

Für die aussichtsreiche Kandidatin Sommaruga hat sich die Ausgangslage durch den Rücktritt von Merz klar verschlechtert. Der Rücktritt von Bundesrat Hans-Rudolf Merz hat die Linke auf dem falschen Fuss erwischt. Sie ging davon aus, dass sie in aller Ruhe den frei werdenden Sitz von Moritz Leuenberger wird besetzen können. Besonders heikel ist die Situation für die bisherige Kronfavoritin, die Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga. Gleich zwei Unwägbarkeiten haben sich durch den Rücktritt von Merz für sie ergeben: die Kantonszugehörigkeit und die Geschlechterfrage.

Tritt Nationalrat Johann Schneider-Amman für den frei werdenden FDP-Sitz an und wird gewählt – was viele erwarten –, hat Sommaruga ein kulturell-geografisches Problem. Obwohl es keine Kantonsklausel mehr gibt, könnten vielen Parlamentariern zwei Berner im Bundesrat einer zu viel sein. Mut dürfte Sommaruga, die am Mittwoch bekannt gibt, ob sie kandidiert, die Aussage von FDP-Präsident Fulvio Pelli machen. «Für grosse Kantone ist eine Doppelvertretung denkbar», sagte er gegenüber der «SonntagsZeitung». Was für Zürich möglich gewesen sei, müsse auch für Bern möglich sein.

Tritt Schneider-Amman nicht an, wird die Wahl von Karin Keller-Sutter wahrscheinlich. Mit der St.Galler Regierungsrätin wären dann bereits vier Frauen im Bundesrat. Erträgt es dann noch eine weitere Frau in der Person von Sommaruga? Die meisten der angefragten National- und Ständeräte sehen in der Geschlechterfrage kein Ausschlusskriterium. Aber zahlreiche Parlamentarier könnten sich ihren Wählern verpflichtet sehen, die jetzt schon kräftig in Leserbriefspalten und im Internet über eine solche Frauendominanz lästern, und Sommaruga nicht wählen. gr

Staffelung in der Kritik

FDP, CVP und SP kritisieren den gestaffelten Doppelrücktritt der Bundesräte Hans-Rudolf Merz und Moritz Leuenberger scharf. Gemäss Gesetz genügt es für einen gemeinsamen Wahltag in der Herbstsession nicht, dass Leuenberger sein Rücktrittsschreiben vor dieser Session einreicht, aber erst Ende Jahr geht. Vielmehr müsste Merz länger bleiben oder Leuenberger früher gehen. Käme es zu einem einzigen Wahltag, würde zuerst der Sitz des Amtsälteren, in diesem Falle Leuenberger, bestellt. sda/gr

Bei ihm wirkt alles geplant und wohldurchdacht. Deshalb ist das gestrige Statement von Johann Schneider-Ammann gegenüber der «Tagesschau» vielsagend. Er erteilt dem Wunsch seiner Kantonalpartei, für die Nachfolge von Bundesrat Hans-Rudolf Merz anzutreten, keine Abfuhr. Das ist zwar noch keine Zusage, lässt aber darauf schliessen, dass er eine Bundesratskandidatur ernsthaft ins Visier nimmt. Und als begeisterter Orientierungsläufer weiss Schneider-Ammann, wie man sich einen längeren Lauf einteilen muss. Schliesslich hat er noch bis zum 21.August Zeit, sich endgültig zu entscheiden. Und die Geschichte lehrt, dass zu frühe Ankündigungen einer zielführenden Kandidatur eher schaden.

Sicherheit wichtig

Einer, der viele Gespräche mit Schneider-Ammann zu einer möglichen Bundesratskandidatur geführt hat, ist sein Unternehmerkollege und Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder. «Wenn er die Sicherheit spürt, dass er von seiner Partei getragen wird, zweifle ich nicht, dass er antritt», betont Grunder auf Anfrage. Und dort ist der 56-jährige Langenthaler eine wichtige Stütze, weiss sein Sitznachbar im Nationalrat, Georges Theiler. Der Luzerner FDP-Politiker schwärmt von der integrativen Arbeit des Berner Freisinnigen innerhalb der Bundeshausfraktion von FDP/die Liberalen: «Schneider-Ammann hat immer das Gesamtwohl im Auge, was ihn für die Regierungstätigkeit auszeichnet.»

Mutig und gradlinig

Und Theiler streicht noch eine weitere Eigenschaft des gelernten ETH-Ingenieurs hervor: «Er steht voll und ganz hinter seiner sozialpolitischen Verantwortung als Unternehmer.» Tatsächlich mischte sich Schneider-Ammann aktiv in die Abzockerdebatte ein. Nicht nur, dass er diese Mentalität mit klaren Worten geisselte. Er drohte gar als Präsident von Swissmem, den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse zu verlassen.

Dieser Mut, sich zu exponieren – wenn es sein muss auch gegen die Bankenwelt – , bringt ihm nicht nur beim Volk grosse Sympathien ein. Dieses Engagement dürfte ihn auch für die Linken wählbar machen. Trotzdem ist «Hannes Schneider», wie sie ihn in Langenthal nennen, alles andere als ein hemdsärmliger Typ. Der Oberst im Generalstab dirigiert über 3400 Leute in seiner global tätigen Firma, die mit Strassenbaumaschinen gross geworden ist – nüchtern und umsichtig.

Nachfolge aufgegleist

Dem «Mister Werkplatz», wie ihn Wirtschaftsmagazine huldvoll bezeichnen, stehen eigentlich nur sein Beruf und seine Berufung als Unternehmer im Weg zum Bundesrat. Grundsätzlich brauche er überhaupt keinen neuen Job, betonte er denn gestern auch: «Ich bin passionierter Unternehmer und völlig ausgefüllt.» Trotzdem hat Schneider-Ammann seine Nachfolge bereits seit längerem eingefädelt. Sein 31-jähriger Sohn Hans-Christian Schneider arbeitet als Assistent der Geschäftsleitung von der Ammann Group Holding AG. Die 29-jährige Tochter Daniela hat einen FH-Wirtschaftsabschluss und ist bei der Swatch-Marke Omega angestellt.

Stolperstein Nachfolge

Nachfolgeregelungen geben bei Bundesräten, die zuvor ein Unternehmen geleitet haben, immer wieder Anlass zu Diskussionen. Sie dürfen zwar nicht bei Unternehmen die Stellung von Direktoren, Geschäftsführern oder Mitgliedern der Verwaltung, der Aufsichtsstelle oder der Kontrollstelle einnehmen. Aber wie jeder Normalbürger können sie Aktien, Obligationen oder Fonds erwerben. Sie müssen allerdings in den Ausstand gehen, wenn sie an einem Geschäft ein unmittelbares persönliches Interesse haben. Schwer tat sich SVP-Politiker und Unternehmer Christoph Blocher: Er wollte anfänglich seine Mehrheitsbeteiligung an der EMS-Gruppe nicht abgeben. Schliesslich gab er als Bundesrat dann noch alle Funktionen ab, und seine vier Kinder übernahmen seine Mehrheitsbeteiligung. Seit 2004 führt Tochter Magdalena Martullo-Blocher das Unternehmen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2010, 07:28 Uhr

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2 Kommentare

Hans Abbühl

09.08.2010, 12:30 Uhr
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Wenn der Berner FDPler Bundesrat wird, kann vielleicht die Berner SP-Ständerätin verhindert werden. Wirds die St. Galler Regierungsrätin, vielleicht auch. Beide Male gut. Antworten


Riesen Heinz

10.08.2010, 18:27 Uhr
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Der neue richtige Bundesrat kann nur Johann Schneider Amman sein. Seine Persönlichkeit, sein Charisma und seine Gradlinigkeit würden der Ganzen Schweiz gut anstehen. Wir brauchen für die Zukunft Personen die Führungserfahrung und auch die Bereitschaft haben die anstehenden Probleme zu meistern. Antworten




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