Viele Zimmer bleiben leer
Von Rahel Guggisberg. Aktualisiert am 20.05.2009
In den letzten vier Wintersaisons konnten die Schweizer Hotels grosse Wachstumsraten verzeichnen. Dies vor allem dank der Auslandnachfrage, die das Wachstum in den letzten Jahren getrieben hat. Die fetten Jahre sind nun vorbei: In der Wintersaison, die im April zu Ende ging, misst die BAK Basel Economics sowie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) einen Rückgang der Hotelübernachtungen von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Doch dies ist immer noch die zweitbeste Wintersaison aller Zeiten. Rund 15,5 Millionen Übernachtungen seien registriert worden.
Heftiger Einbruch
Für die Sommersaison sind die Aussichten düster. «Von Mai bis Oktober 2009 erwarten wir einen Rückgang von 7,2 Prozent», sagt Christian Hunziker vom BAK Basel. Dies sei der heftigste Einbruch seit 1982. Für das Gesamtjahr müsse man mit dem deutlichsten Rückgang seit der Nachkriegszeit rechnen. Er konkretisiert: «Hauptgrund sind die Turbulenzen an den Finanzmärkten sowie die ungünstigen Wechselkursverhältnisse zwischen dem Franken, dem Euro sowie dem Pfund.» 9,5 Prozent weniger ausländische Gäste werden laut Prognose in Schweizer Betten übernachten. Nach Hunzikers Aussagen fehlen Touristen aus dem angelsächsischen Raum. Auch die Binnennachfrage werde um 3,9 Prozent einbrechen.
«Respekt vor Sommer»
Eine Umfrage dieser Zeitung bestätigt die Studienergebnisse: Bis Ende Jahr lag die Auslastung des «Holiday Inn» im Berner Shoppingcenter Westside noch bei knapp 70 Prozent. Dann der Einbruch. Für 2009 budgetiert die Turicum Hotel Management AG nur noch 54 Prozent. «Schwierig ist das kurzfristige Buchungsverhalten. Es gibt Seminare, die am Montag für den Donnerstag organisiert werden», sagt Andreas Heller vom «Holiday Inn». Die 55 Festangestellten müssen äusserst flexibel sein.
«In der Hotellerie spüren wir die Einbussen noch wenig, hingegen bei Firmenanlässen haben wir Rückgänge von 70 Prozent», sagt Andrea Scherz, Chef vom «Palace» in Gstaad. Bisher von der Krise verschont geblieben ist das Hauenstein Hotel& Restaurants in Sigriswil, welches 400 Arbeitsplätze bietet. «Wir haben einen guten Frühling hinter uns», sagt der Chef Herbert Wicki. Wie es im Juni und Juli weitergehe, könne man nicht sagen: «Wir haben Respekt vor der Sommersaison. In Bezug auf Buchungen muss schon noch etwas gehen», so Wicki. Die Gäste in den Hauenstein Hotels sind zu 90 Prozent Schweizer. Da das Wallis seit dem Bau des Lötschberg-Basistunnels näher an Bern gerückt sei, wolle man Neukunden aus dem Wallis gewinnen. Eine Erholung ist nach den Experten erst ab Winter 2010 zu erwarten.
Die Prognosen für die Schweizer Bergbahnen sehen für das laufende Jahr noch etwas besser aus. BAK Basel Economics und das Seco rechnen damit, dass die Verkehrserträge real nochmals um rund 1 Prozent steigen. Für das Tourismusjahr 2010 wird aber ein Rückgang von 8,5 Prozent erwartet. Urs Kessler, Chef der Jungfraubahnen, findet es schwierig, Prognosen zu machen: «Das Buchungsverhalten der Gäste ist viel kurzfristiger geworden.»
(Berner Zeitung)
Erstellt: 20.05.2009, 08:13 Uhr
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