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«Versagt»

Von Claudia Blumer. Aktualisiert am 03.02.2012 121 Kommentare

Die Beratungsfirma Rexult verantwortet die gescheiterte Reorganisation des Bundesamts für Migration. Rexult ist für zahlreiche Departemente des Bundes tätig. Ihre Kundenliste hat sie jetzt aber vom Netz genommen.

1/3 Schaut man bei rexult.ch unter «Kunden», heisst es seit Freitagvormittag: «Wir beraten und unterstützen öffentliche sowie private Unternehmen in der Schweiz».

   

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Justizministerin Simonetta Sommaruga und Mario Gattiker, Direktor des Bundesamts für Migration (BfM), informierten gestern über die Reorganisation des Amts, die in weiten Teilen als gescheitert beurteilt wird. Im Asylbereich nahm die Produktivität um 20 Prozent ab, das Ziel war eine Effizienzsteigerung im selben Ausmass. Die Fallbearbeitung einer Person von A bis Z hat sich nicht bewährt. Dies ergab ein externes Gutachten, erstellt von Hans Wüthrich von der Universität München. Die Reorganisation wird nun teilweise rückgängig gemacht.

Verantwortlich dafür ist Eveline Widmer-Schlumpf, die dem Departement bis Ende September 2010 vorgestanden hatte. Sie gab den Beraterfirmen Rexult, beheimatet in Bern, und der Luzerner Firma Mehrsicht den Auftrag, ein Konzept zu entwickeln und die Umsetzung der neuen Strukturen zu begleiten. Die Führung lag bei Rexult, wie es beim Justizdepartement heisst. Rexult erhielt für das Mandat rund 867'000 Franken, Mehrsicht 335'000.

Kundenliste ist plötzlich weg

In Wüthrichs Gutachten kommen beide Firmen schlecht weg: «Rexult und Mehrsicht haben versagt», ergab die Befragung von BfM-Mitarbeitern. Gewichtige Vorbehalte seien durch Rexult «einfach ignoriert worden». Die Rexult AG will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen, Medienanfragen von Donnerstag und Freitag blieben unbeantwortet. Der Geschäftsführer Urs Müller sei bis Mitte Februar abwesend, heisst es im Sekretariat. Trotzdem beschäftigt sich die Firma offenbar mit dem Fall BfM. Denn die Kundenliste, auf der vier eidgenössische Departemente mit zahlreichen Bundesämtern figurieren, wurde am Freitagvormittag plötzlich vom Netz genommen.

«Wir beraten und unterstützen öffentliche sowie private Unternehmen in der Schweiz», heisst es jetzt. Davor waren rund zwei Dutzend prominente Kunden einzeln aufgelistet. Unter anderem das Generalsekretariat des VBS, das Bundesamt für Umwelt, angesiedelt beim Uvek, die Bundesämter für Veterinärwesen und für Landwirtschaft (EVD), das Bundesamt für Sozialversicherungen (EDI) sowie mehrere Stellen beim Finanzdepartement (EFD): das Generalsekretariat, das Informatiksteuerungssystem des Bundes, die Finanzverwaltung.

Die Firma Mehrsicht ist abgesehen von der BfM-Reorganisation in der Bundesverwaltung nicht weiter engagiert. Hingegen arbeitet sie für zahlreiche bundesnahe Betriebe wie SRG, Ruag, SBB und Swisscom.

Schlagzeilen um Rexult

Rexult machte auch vergangenes Jahr von sich reden: Die Firma untersuchte einen Streit in der Geschäftsleitung des kantonalen Informatikamts in Bern. Amtsleiter Heinz Wyler hatte sich mit mehreren seiner Geschäftsleitungsmitglieder zerstritten. Diese zogen den Kürzeren, Wyler gewann den Streit im siebenköpfigen Gremium. Doch wie die «Berner Zeitung» im April 2011 schrieb, war Urs Müller, der die Untersuchung durchführte, früher selber in einer Kaderfunktion beim Informatikamt angestellt. Er sei sogar bei der Rekrutierung des Amtsleiters Wyler dabei gewesen und habe die Untersuchung also nicht als unabhängiger Experte durchführen können, wurde im Amt moniert.

Die Rexult AG preist sich auf ihrer Website mit einem 26-köpfigen Team für «Reorganisationen aus einer Hand», bei dem der Kunde sein Engagement auf das Wesentliche reduzieren könne. Ob die Firma angesichts des Falls BfM über die Bücher geht, ist nicht zu erfahren.

Ambitionierter Zeitplan

Bedeckt hält sich auch Brigitte Hauser-Süess, Sprecherin von Eveline Widmer-Schlumpf. Die Frage, ob man das Auftragsverhältnis mit Rexult in zahreichen Ämtern überdenken werde, will sie nicht beantworten. Zur Frage, ob man sich bei der Reorganisation des BfM Fehler eingestehe, sagt sie: «Der Zeitplan war sicher sehr ambitioniert.» Die Zeit, die es für die Anpassung brauche, habe man sicher unterschätzt. Das Konzept wurde zwischen Juni und September 2009 erstellt und zwischen Februar und September 2010 umgesetzt.

Hauser-Süess verweist darauf, dass die Reorganisation nicht durchwegs gescheitert sei: Der Ansatz der Prozessorientierung sei als richtig und konzeptionell sinnvoll befunden worden, und im Bereich Zuwanderung und Integration seien die Ziele erreicht worden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.02.2012, 12:48 Uhr

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121 Kommentare

Erich Meier

03.02.2012, 13:47 Uhr
Melden 142 Empfehlung

Das kommt davon, wenn der Bund, statt seinen eigenen Grips anzustrengen, überteuerten Beratungsfirmen Mandate erteilt, die dann bloss unverbindliche Orakelsprüche produzieren. Man sollte dem Staat schlicht die Mittel für solchen Unsinn kürzen. Antworten


Roman Meier

03.02.2012, 13:16 Uhr
Melden 113 Empfehlung

Versagt hat letztlich Widmer-Schlumpf, da sie die politsch Hauptverantwortliche war. Nur kann man sie leider für diese Fehlleistung nicht entlassen oder sonstwie haftbar machen. Frustrierend! Antworten




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