Unis fordern Hürden für Ausländer
Von Michael Widmer. Aktualisiert am 06.09.2010 1 Kommentar
Immer mehr ausländische Studenten füllen die Hörsäle der Schweizer Universitäten wegen des freien Zugangs. (Bild: Walter Pfäffli)
Studenten sind skeptisch
Der Verband der Schweizer Studierenden (VSS) reagiert zurückhaltend auf die Idee der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus), allenfalls Kontingente für die Masterstudiengänge einzuführen. Wäre der freie Übertritt von der Bachelor- zur Masterstufe nicht mehr möglich, müssten viele Studierende die Universität mit einem Bachelorabschluss verlassen. «Dieser ist auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aber praktisch nichts wert», sagte VSS-Vorstandsmitglied Rahel Siegrist gegenüber der «NZZ?am Sonntag». Die Crus betont dazu, dass von einer Selektion vorab ausländische Studierende betroffen wären, welche den Ansprüchen nicht genügten (siehe Haupttext).
Die Studienreform Bologna wurde 1999 beschlossen. 47 Staaten beteiligen sich daran. Zentral ist die Unterteilung des Studiums in die Phasen Bachelor, Master, Doktorat sowie die Möglichkeit, einfacher an verschiedenen Universitäten zu studieren (Mobilität).
Stichworte
Die Schweizer Universitäten werden für ausländische Studierende immer attraktiver. Dies allerdings nicht – oder zumindest nicht nur – wegen der hervorragenden Ausbildung. Die Ausländer profitieren vielmehr von einer Schweizer Eigenheit: Sie haben hier praktisch freien Zugang zu den Universitäten. Im Gegensatz zu anderen Bologna-Staaten kann hierzulande jeder, der die erste Studienstufe (Bachelor) abgeschlossen hat, automatisch in die nächste Stufe (Master) eintreten.
Das Bundesamt für Statistik (BfS) rechnet daher in einem Zukunftsszenario damit, dass die Zahl der Studierenden auf Masterstufe von rund 24000 im Jahr 2009 auf rund 38000 im Jahr 2013 zunehmen wird. Ein Grund ist gemäss den Statistikern die «starke Anziehungskraft der Masterstudiengänge auf Studierende mit ausländischem Bachelor». Seit 2004 machen diese jährlich 20 Prozent der neuen Studierenden auf Masterstufe aus; 2009 waren es 2500 Eintritte oder rund 25 Prozent.
Die Universität Bern weist für das Herbstsemester 2009 bei den Masterstudiengängen einen Ausländeranteil von 12,4 Prozent aus (291 Personen von 2049 Studierenden, siehe Grafik). Tendenz gemäss den Statistikern steigend.
«Werden überrannt»
Dass die Zunahme der ausländischen Studierenden für Bern kurzfristig zu einem Problem werden könnte, glaubt Uni-Rektor Urs Würgler nicht. «Wir haben im schweizerischen Vergleich eine relativ tiefe Ausländerquote. Aber der freie Zugang an die Universitäten wird bei uns mittelfristig zum Problem», sagte er gestern Sonntag auf Anfrage. Andere Schweizer Universitäten stossen bereits heute an ihre Grenzen. So liess Thomas Dyllick, Prorektor der Universität St.Gallen, gestern in der «NZZ am Sonntag» verlauten: «Wir werden überrannt.» Die Studierendenzahlen seien in fünf Jahren um 50 Prozent angestiegen. Und Rektorin Heidi Wunderli-Allenspach von der ETH Zürich berichtete von ihrer Hochschule: «Es gibt Studiengänge, die an ihre Kapazitätsgrenzen stossen». Die Zahl der ETH-externen Bewerber für ein Masterstudium nehme stetig zu. «Vor drei Jahren waren es 1100, dieses Jahr 2600», sagte Wunderli-Allenspach. 90 Prozent davon kämen aus dem Ausland.
Und die Bewerbungen sind nicht immer hochstehend. Gemäss der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten (Crus) beanspruchten auch Ausländer, die in ihrem Land aus qualitativen Gründen nicht zugelassen werden, in der Schweiz einen Studienplatz. Für Wunderli-Allenspach ist darum klar: Wenn die ETH ihre Studierenden nicht auswählen könne, sei es unmöglich, das hohe Ausbildungsniveau zu halten.
Kontingente in Prüfung
Die Crus berät derzeit, ob der automatische Übergang vom Bachelor zum Master aufgehoben werden könnte. Möglich wäre die Einführung von Kontingenten für die Masterstudiengänge. Betroffen von einer Selektion wären gemäss Crus-Präsident Antonio Loprieno vorab die ausländischen Studierenden, welche den Ansprüchen nicht genügten. Ob das rechtlich möglich ist, müssen Juristen klären. Gemäss der Lissabon-Konvention – einem Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich –dürfen Ausländer nicht anders behandelt werden als Inländer. Der Entscheid der Crus soll bis Ende Jahr fallen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 06.09.2010, 07:13 Uhr
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1 Kommentar
Wir haben doch bekanntlich kein Ausländerproblem?! Die Wirtschaft braucht diesen Andrang, niemand will es wahr haben, dass genau diese unseren Schweizern die Stellen wegschnappen - scheinbar jetzt auch die Plätze für Studierende - immer wieder ist man des Lobes voll über die gescheiten Ausländer, die man den Schweizern vorzieht - vielleicht könnte man die Schweizerjugend in der Ausbildung fördern! Antworten
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