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Thomas Jordan – ein Notenbanker wie aus dem Lehrbuch

Von Stefan Schnyder. Aktualisiert am 11.01.2012 4 Kommentare

Der in Biel aufgewachsene Thomas Jordan hat beste Aussichten, neuer Präsident der Nationalbank zu werden. Sein Auftreten ist weniger geschmeidig als dasjenige von Philipp Hildebrand. Aber dafür ist sein akademischer Rucksack eindeutig grösser.

Favorit für die Nachfolge von Hildebrand: Thomas Jordan (links im Bild).

Favorit für die Nachfolge von Hildebrand: Thomas Jordan (links im Bild).
Bild: Keystone

Der Abgang von Philipp Hildebrand eröffnet Thomas Jordan verlockende Perspektiven: Der Gipfel seiner Karriere – das Präsidium der Schweizerischen Nationalbank (SNB) – ist für den Vizepräsidenten zum Greifen nah. Alles andere als ein Nachrücken auf den Präsidentenstuhl würde er als Affront empfinden.

Jordan gehört seit Mai 2007 dem dreiköpfigen Direktorium der Nationalbank an, seit Anfang 2010 ist er der Vizepräsident des Gremiums. In dieser Zeit konnte sich der 48-Jährige mehrheitlich im Schatten des gleichaltrigen Hildebrand bewegen. Eine Rollenverteilung, die seinem Naturell entsprach: Jordan ist ein zurückhaltender Typ, der das Rampenlicht nicht sucht. Die Geschmeidigkeit von Hildebrand geht ihm ab. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist er kein begnadeter Netzwerker, der rasch Freundschaften schliesst. Privat ist wenig von ihm bekannt: Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Ein intellektueller Hüne

Doch mit seiner Körpergrösse von 1,90 Metern und seiner dunklen Brille strahlt er intellektuelle Autorität aus. Dafür wird er von Politikern und Bankern geachtet. Denn in Sachen Geldpolitik hat er den grösseren akademischen Rucksack als Hildebrand. Die «Financial Times Deutschland» bezeichnete ihn deshalb als das «Gehirn der Zentralbank»: Während Hildebrand Politologie studiert hat, schloss Jordan sein Wirtschaftsstudium an der Universität Bern mit einer Dissertation über den Euro ab. Sein Doktorvater war der inzwischen emeritierte Professor Ernst Baltensperger, der zu den weltweit renommiertesten Forschern zum Thema Geldpolitik gehört. Und damit nicht genug: Danach liess er einen Forschungsaufenthalt an der US-Spitzenuniversität Harvard folgen, an der er seine Habilitationsschrift verfasste. Nebenberuflich unterrichtet er seit 1998 an der Universität Bern – seit 2003 als Honorarprofessor.

Die Kritik von Strahm

Jordan ist noch nicht gewählt, und schon gehen Kritiker in Stellung: Der frühere SP-Nationalrat und Preisüberwacher Rudolf Strahm warnte gestern schon mal vorsorglich vor ihm: «Jordan hatte seine Rolle bei der ‹Too big to fail›-Vorlage hervorragend gespielt. Aber in geldpolitischen Fragen kann man ihm nicht über den Weg trauen», sagte er gegenüber «Cash.ch». Jordan stamme aus der Berner Schule der Geldpolitik. Seine Lehrer wie Ernst Baltensperger waren laut Strahm dogmatische Monetaristen: «Sie leiden unter Inflationsparanoia, also krankhafter Angst vor der Inflation, und ignorieren die Probleme der Realwirtschaft.» In dieser Frage tun sich ideologische Gräben auf: Denn linke Politiker wie Strahm sehen die Nationalbank als Institution, die zur Ankurbelung der Wirtschaft auch mal eine hohe Inflation in Kauf nehmen muss.

Aber auch von der SVP droht Kritik: Jordan hat die umstrittenen Devisenkäufe mitgetragen, welche die SNB (SNBN 1089 2.06%) im Jahr 2010 getätigt hat. Die SNB kaufte damals für 144 Milliarden Franken Fremdwährungen. Dies hatte zur Folge, dass im Jahr 2010 ein Verlust von 19 Milliarden resultierte. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher kritisierte am Montag erneut, dass die Nationalbank diese Käufe sozusagen «im stillen Kämmerlein» getätigt habe.

Fest steht: Die Eurokrise wird den neuen Präsidenten auch in den kommenden Jahren in Trab halten. Rezepte dagegen wird auch der Akademiker Thomas Jordan in keinem Lehrbuch finden. Wird er gewählt, wird er nur als Pragmatiker agieren können. Und er muss sich eine dicke Haut zulegen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.01.2012, 07:27 Uhr

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4 Kommentare

Werner Bürki

11.01.2012, 09:36 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Der Bankrat muss aber zuerst die SVP um erlaubnis bitten ob Herr Jordan ihnen genehm ist, sonst gehts nicht lange und die nächsten Probleme stehen an. Antworten


René Kocher

11.01.2012, 13:09 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Da wird einer vorsorglich gleich bis auf die Unterhosen ausgezogen,damit diese ihm bei dringendem Tatverdacht auch noch ausgezogen werden können.Ich kaufe derweil Aktien von Unterhosenherstellern,da es sich abzeichnet,dass Unterhosen zur Oberbekleidung werden und stark an Design zulegen werden.Insiderwissen braucht es dazu keines,lediglich Einsicht. Antworten




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