Steueraffäre weitet sich aus: Neue Verdächtigungen gegen die CS

Die CD mit gestohlenen Kundendaten betrifft Kunden der Credit Suisse, schreibt die «Süddeutsche Zeitung» heute. Zudem sollen die deutschen Kunden viel mehr Steuern hinterzogen haben, als bisher angenommen. Die CS nimmt Stellung.

Einer der «grössten Komplexe von Steuerhinterziehung für Deutsche überhaupt»: Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.

Einer der «grössten Komplexe von Steuerhinterziehung für Deutsche überhaupt»: Credit Suisse am Zürcher Paradeplatz.
Bild: Keystone

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Starreporter Hans Leyendecker von der «Süddeutschen Zeitung» kündigte gestern an, er werde in der heutigen Ausgabe der Zeitung beweisen, dass die Daten auf der CD von der Credit Suisse stammen. Nun folgen die Details: In «gut informierten Bankenkreisen» heisse es, bei der Steueraffäre handle es sich um eine der «grössten Komplexe von Steuerhinterziehung für Deutsche überhaupt». Die CD mit den Daten von deutschen CS-Kunden würde dem Fiskus weit mehr als die 100 Millionen Euro einbringen, wie ursprünglich angenommen wurde.

Leyendecker schreibt zudem, dass die Hinterziehungsfälle nicht Jahre zurückliegen – ein Teil der dokumentierten Kontobewegungen stamme aus dem Jahr 2008. Aus internen Dokumenten will er wissen, dass der überwiegende Teil deutscher Credit-Suisse-Kunden, die ihr Vermögen in der Vergangenheit in der Schweiz anlegten, Steuern hinterzogen haben könnte. Die Bank habe überwiegend Kunden betreut, die ihr Vermögen ganz oder teilweise vor dem Fiskus versteckt hätten.

«Steuerliche Aspekte gehören nicht zum Geschäftsmodell»

Die Zeitung verfügt zudem über Dokumente, die belegen sollen, dass die Credit Suisse ihre Geschäftsstrategie vor etwa sechs Jahren ändern wollte. Ziel war es, vermehrt «steuerehrliche» Kunden zu umwerben. Bei der Grossbank gibt man sich jedoch verschlossen: Die Herkunft der Dokumente sei unklar, man könne dazu nicht sagen. Zu ihrem Geschäftmodell sagte die CS zur «Süddeutschen Zeitung»: «Wir bauen unser Geschäftmodell nicht auf steuerlichen Aspekten auf. Wenn ein Neukunde oder ein bestehender Kunde dem Bankberater sagt, er habe Schwarzgeld, dann rät der Bankberater dem Kunden, eine unabhängige Steuerberatung einzuholen.»

Weiter heisst es, dass die CS weder die Möglichkeit noch die Verpflichtung habe, die Steuersituation ihrer Kunden zu kennen. «Wir haben detaillierte Regeln für unsere Kundenberater im grenzüberschreitenden Geschäft festgelegt.» Auch CS-Vizepräsident Urs Rohner meldete sich zu Wort: Gegenwärtig gebe es zumindest keine Hinweise darauf, dass die Credit Suisse vom Datenklau betroffen sei. «Wir haben keinerlei Indizien, die darauf hinweisen würden, dass es sich um CS-Daten handelt», erklärte er am Mittwochabend anlässlich einer Veranstaltung des Wirtschaftsportals «Cash» in Zürich. Vollständig ausschliessen könne er es aber nicht. Absolute Sicherheit gebe es nicht, jedes System könne geknackt werden. (cha/sda)

Erstellt: 04.02.2010, 09:03 Uhr



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